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26.04.2019

Wer Gisela Skoda ein Lächeln ins Gesicht zaubert

Gisela Skoda (links) freut sich auf die Stunden, die sie mit Eva-Maria Schmidt verbringt. Das kann ein Frühlingsspaziergang sein, eine Begleitung zum Arzt oder einfach nur ein Kaffeeplausch.
Bild: Annette Zoepf

Die Pfarrei Herz Jesu hat ein neues Angebot ins Leben gerufen: Ehrenamtliche begleiten Senioren im Alltag und ermöglichen ihnen dadurch ein Stück Freiheit. Der Dienst soll noch ausgebaut werden

Hinausgehen in den Frühling, die Kirschblüte sehen – und dabei von jemandem begleitet werden, das kann mit Freude erfüllen. Dieses Glück genießt seit einiger Zeit die 87-jährige Gisela Skoda dank Eva-Maria Schmidt, die sich ein- bis zweimal die Woche Zeit nimmt, für sie da zu sein und sie zu begleiten. Vermittelt hat den Kontakt Christoph Hausladen, Pastoralreferent in der katholischen Pfarrgemeinde Herz Jesu in Pfersee.

Die Gemeinde ist gerade dabei, einen ganz besonderen Besuchsdienst für ältere Menschen aufzubauen. Über ihre bisherigen Besuchsdienste hinaus, etwa bei runden Geburtstagen oder Ehejubiläen, bietet die Gemeinde an, dass Ehrenamtliche zu älteren Menschen, die zu Hause wohnen, kommen und sie bei dem begleiten, was sie gerne tun würden, was sie aber aufgrund der Einschränkungen des Alters nur noch schwer alleine schaffen. Das sind keine Dienstleistungen, sondern all das, was Farbtupfer ins Leben bringen kann: ein Spaziergang, ein Begleiten zum Gottesdienst oder Arzt, jemand, der vorliest, ein Kaffeeplausch oder jemand, der einfach nur zuhört und sich für das Leben des anderen interessiert. Ein Team von sieben Freiwilligen, zu dem auch Eva-Maria Schmidt gehört, bildet derzeit den Kern für dieses Angebot.

Auch das ist Seelsorge. Seelsorge, die einen neuen Blickwinkel einnimmt – weg von einer Kirche, zu der man hinkommt, hin zu einer aufsuchenden Kirche. Anders als etwa in einer Senioreneinrichtung, ist bei älteren Menschen, die alleine zu Hause leben – und das sind weit mehr als in einer Einrichtung – zunächst mal kein Seelsorger da, der sich kümmert. „Wir möchten in unserer Pfarrgemeinde die Menschen für diese Nöte sensibilisieren, eine Kultur des Hinschauens schaffen“, sagt Christoph Hausladen. Er freut sich sehr darüber, dass in seinem jetzigen, noch erweiterungsfähigen Team Ehrenamtliche aus den verschiedensten Altersgruppen und mit den unterschiedlichsten Lebenssituationen mitwirken. Angefangen bei einer jungen Mutter bis hin zu Eva-Maria Schmidt, die sich jetzt, in ihrer Phase der Altersteilzeit „vom Herrgott“ in diese Aufgabe für andere Menschen gestellt sieht. „Es ist ein Dienst mit beiderseitigem Gewinn“, sagt sie.

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„Sie ist für mich richtig zu einer Freundin geworden“, erzählt Gisela Skoda. Weil sie nur noch sehr eingeschränkt sehen kann, traut sie sich kaum mehr, alleine aus dem Haus zu gehen. Zu groß wäre die Unsicherheit. Dadurch, dass Eva-Maria Schmidt die ältere Dame begleitet, wenn sie unterwegs ist, habe sie wieder „ein Stück Freiheit“ gewonnen.

Aus der Einsamkeit hinausführen, einander begleiten, füreinander da sein, das ist Seelsorge pur. „Die Leute brauchen das doch, dass jemand für sie da ist, der auch für sie betet“, ist Franz Götz, Pfarrer von Herz Jesu, überzeugt. Die eigenen Kinder leben oft weit entfernt. Wo Begegnung möglich ist, wo Beziehungen entstehen, dort lasse sich erfahren, was Kirche ist. „Wir erzählen einander von unserem Leben“, berichtet Eva-Maria Schmidt, da gehe es auch mal um tiefere Fragen, etwa nach dem Woher und Wohin im Leben. Fragen, die oft erst dann auf den Tisch kommen, wenn man miteinander vertraut geworden ist. Bei den beiden Damen ist das geschehen. Würde sonst Gisela Skoda sagen: „Sie ist mir lieb geworden.“?

„Alt werden zu Hause – Besuchsdienst für Menschen zu Hause.“ Die Pfarrei Herz Jesu möchte das Angebot gerne noch ausbauen. Mehr Infos darüber: www.herzjesu-augsburg.de

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