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Porträt

13.02.2015

Wer hilft denn schon Griechenland?

Edwin Schmutz unterstützt Kliniken in Griechenland, die Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos behandeln.
Bild: Peter Köhler

Edwin Schmutz sieht den Staat kritisch – aber die verarmten Menschen tun ihm leid. Also sammelt er Hilfsgüter

Man nehme eine Freundschaft, einen Fernsehbericht und selbst erlebte Not. Heraus kommt, zumindest in diesem Fall, ein Engagement für Not leidende Menschen. Edwin Schmutz ist seit kurzem Repräsentant des deutschen Ablegers der „Griechenlandhilfe“. Sie unterstützt in dem von drastischen Sparprogrammen geschüttelten Land vor allem Krankenhäuser, die auch viele nicht versicherte Menschen behandeln. „In den Einrichtungen fehlt es buchstäblich an allem, weil sie nicht genügend Geld haben, um Medikamente, Instrumente, Spritzen, Verbands- und OP-Material, ja sogar Bettwäsche zu beschaffen“, schildert Schmutz die akute Notlage in diesen Kliniken.

Eine griechische Freundin erzählte ihm von diesen Zuständen, fuhr mit ihm vor Ort. Dann sah er den Österreicher Erwin Schrümpf im Fernsehen, den Gründer der Griechenlandhilfe. Mit seiner Organisation in der Alpenrepublik sammelt er all die dringend benötigten Sachen und hat bereits fast 40 Transporte in besonders betroffene Krankenhäuser organisiert.

Diese Erlebnisse waren Auslöser, die den 65-jährigen Edwin Schmutz zu seinem Griechenland-Engagement motivierten. In seinem Berufsleben arbeitete er als Repräsentant der Augsburger Firma Böwe in verschiedenen Auslandsvertretungen und spricht mehrere Sprachen. Griechisch gehörte bislang nicht dazu, doch das erarbeitet er sich gerade mithilfe von Lehrbüchern. In dem Mittelmeerland kennt er vor allem die Insel Hydra, von der die Freundin stammt, die ihn zuerst auf die Notlagen in ihrer Heimat aufmerksam gemacht hatte.

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Sein Engagement gelte ausschließlich den Menschen: „Ich sehe die Entwicklungen in Griechenland durchaus kritisch. Der Staat saniert sich auf Kosten der Bevölkerung. Die von der EU geforderten Veränderungen sind absolut notwendig.“ Vetternwirtschaft, Korruption und Verschwendung hätten ganz wesentlich zu den Problemen beigetragen.

Aber der Preis für die notwendigen Reformen sei hoch. Immer mehr Menschen litten unter Arbeitslosigkeit, bitterer Armut und oft auch Hunger. „Das ist einfach brutal. Überall wird über die Ursachen der Misere geredet. Aber viele Menschen in Griechenland brauchen keine klugen Ratschläge, sondern Hilfe zum Überleben“, ist er überzeugt.

Eine fatale Folge sei, dass sich viele Leute keine Krankenversicherung mehr leisten können. In vielen Städten haben sich Krankenhäuser angesichts dessen bereit erklärt, Nichtversicherte kostenlos zu behandeln, obwohl dies ihre Etats nicht hergeben.

Deswegen sammelt die Griechenlandhilfe bei Herstellern, Großhändlern und Kliniken in Deutschland und Österreich überschüssige Medizin- und Pflegeprodukte, um sie an diese griechischen Krankenhäuser zu bringen. Dazu hat Schmutz ein Lager bei Freilassing eingerichtet, um Hilfsgüter für die Transporte zu sammeln.

„Im Moment stehen wir in Deutschland noch ganz am Anfang. Aber einige Mitstreiter unterstützen unsere Idee und ich habe bereits Kontakte zu einigen Kliniken – darunter das Josefinum und Vincentinum – geknüpft. Sie wollen uns überschüssige Bestände abgeben“, berichtet Edwin Schmutz über seine ersten Aktivitäten. Bislang bekommt die Griechenlandhilfe vor allem Sach- und Geldspenden von Privatleuten.

Neben Krankenhäusern unterstützt die Griechenlandhilfe auch Kinderheime. Hierfür konnte sie den Babynahrungshersteller Hipp als einen der ersten Sponsoren gewinnen. Gebraucht würden aber unter anderem auch Windeln und Kinderkleidung.

Griechenlandhilfe Deutschland: Edwin Schmutz, Telefon 0821/5081519, E-Mail: edwin.schmutz@t-online.de www.griechenlandhilfe.at

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