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SPD-Kanzlerkandidat

25.01.2017

Wer ist Martin Schulz wirklich?

Der frühere EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wird Kanzlerkandidat der SPD.
Bild: Michael Kappeler, dpa (Archiv)

Unser Brüsseler Korrespondent begleitet seit Jahren den neuen starken Mann in der SPD. Er erzählt, warum Martin Schulz so viele Unterstützer hat.

Viele haben ihn unterschätzt. Martin Schulz, 61, der Mann aus dem Raum Aachen, der gelernte Buchhändler, den ein reichlich primitiver Nazi-Vergleich des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi 2003 praktisch über Nacht bekannt machte. Plötzlich wollten alle Schulz sehen, sprechen und hören. Ihn, den SPD-Abgeordneten im Europaparlament.

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In Brüssel erinnern sich die Korrespondenten auch sehr lebendig an 2011, als erste Spekulationen auftauchten, der inzwischen zum Chef der sozialistischen Fraktion aufgestiegene Schulz solle der nächste Parlamentspräsident werden. „Das kann der doch gar nicht“, war die einhellige Überzeugung. Er kann.

Der Mann war wortgewaltig. Er polterte gerne und häufig, beschimpfte hinter den Kulissen (und manchmal auch davor) den damaligen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso. Unvergessen jene Begegnung von Schulz mit Journalisten in Brüssel im September 2011, die er mit den Worten begann: „Mit Blick auf meine künftigen präsidentiellen Aufgaben haben mir meine Mitarbeiter geraten, ab sofort auf folgende Schimpfworte zu verzichten: …“ Die Liste war lang.

Wer ist Martin Schulz wirklich?

Auszeichnung für Martin Schulz

„Demokratie bedeutet Streit“, schrieb die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Karlspreises als Begründung dafür, dass man die Auszeichnung 2015 Schulz verlieh. Er mag es, die Dinge beim Namen zu nennen, auch wenn es heikel wird. Als er 2014 in der Knesset, dem israelischen Parlament, die Wasserverteilung zwischen Israel und den Palästinensern als ungerecht geißelte und damit einen Tumult auslöste, war er in seinem Element – obwohl er für seinen Auftritt zu Hause auch viel Prügel bezog.

Doch die Streitbarkeit ist nur die eine Seite des Mannes, der sich nie damit zufriedengeben wollte, dass der Job als erster Mann des Parlaments unter einigen Vorgängern zu einer Art Grüß-Gott-August verkommen worden war. Beim Besuch der Jugendbegegnungsstätte nahe des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz saß er vor zwei Jahren mit jungen Leuten beim Wurstbrot zusammen, erzählte von seinem Großvater, der als strenger Katholik stolz darauf war, niemals „Heil Hitler“ gesagt zu haben.

Er erzählt gerne aus seinem Leben, berichtet von seiner Jugend, als die Familie im Dreiländereck zwischen dem deutschen Aachen, dem belgischen Eupen und dem niederländischen Maastricht zerrissen war. Das sind die Augenblicke, in denen jeder spürt: Der Mann verkauft Europa nicht, er ist es. Außerdem weiß man nun auch im tiefen deutschen Süden, dass es im Land eine Stadt gibt namens Würselen (die Einheimischen sagen „Würseln“). Die Heimatstadt von Schulz. Dort hat der Mann einst für den Fußballklub Rhenania gekickt und sogar von einer Profikarriere geträumt. Dort ist er in den siebziger Jahren zum Alkoholiker geworden; seit 1980 ist er trocken. Dort war er von 1987 bis 1998 Bürgermeister. Und dort lebt der Vater zweier erwachsener Kinder noch heute mit seiner Frau, der Landschaftsarchitektin Inge Schulz.

Seine Karriere startete SPD-Politiker Sigmar Gabriel in Niedersachsen. Im Laufe der Jahrzehnte hat er es bis zum Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister geschafft.
17 Bilder
Sigmar Gabriel: Seine Karriere in Bildern
Bild: Jochen Lübke, dpa (Archiv)

Schulz wechselt in die Bundespolitik

Dass Schulz dennoch nie unumstritten blieb, hat wohl auch damit zu tun, dass er früh lernte, sich selbst um seine Karriere zu kümmern – weil es sonst niemand tat. Dabei würde man das Phänomen Schulz falsch verstehen, würde man ihm unterstellen, sich mit Ellenbogen nach oben zu boxen. Zwar hat er bei der Europawahl 2014 gegen den christdemokratischen Herausforderer und späteren Sieger Jean-Claude Juncker verloren. Aber dass er Wahlkampf kann, hat er gezeigt.

Am 24. November kündigte Schulz seinen Wechsel in die Bundespolitik an. Dass er davon geträumt hat, die Bundeskanzlerin herauszufordern, gibt er nicht zu. Er war tatsächlich bereit, dieses Mal zurückzustecken, um die Freundschaft zu Parteichef Sigmar Gabriel nicht zu riskieren. Nun verzichtet dieser doch und schiebt dafür Schulz in den Ring; Schulz dürfte dies als Befriedigung empfinden.

Merkel und Schulz – das mag ein ungleiches Paar sein. Aber die Bundeskanzlerin und der Ex-Präsident des EU-Parlaments haben stets gut und eng zusammengearbeitet – auch bei den Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl. Schulz zeichnete damals für die Europa-Inhalte der SPD verantwortlich. Nun soll er die Sozialdemokraten aus der Ecke holen. Es gibt nur wenige, die daran zweifeln, dass Schulz mit seinen rhetorischen Fähigkeiten in der Lage ist, Boden gutzumachen. Auch wenn er sich mit seinen Zuspitzungen und Überzeichnungen manchmal selbst keinen Gefallen tut. Aber Schulz ist ein Herausforderer, der den Kampf um die Stimmen für den 24. September 2017 sicher spannend macht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.01.2017

(Verstoß NUB 7.3)

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25.01.2017

ja wer ist Martin Schulz ? nach meiner Meinung ein Lieber Kerl der es Nach Den Versagern aus Niedersachsen richten soll !! Aber kann Er das auch ??? Ich glaube leider Nicht !! Dazu haben in Dieser (meiner )Partei leider zu Schlimme Menschen sich in den Vordergrund Gedrängt !! Denn wie sagt ein Altes Sprichwort !!! eine Schwalbe macht noch keinen Frühling !!! Dazu müste sich die SPD erst mal von Grund auf erneuern Alle Krimminellen weg und vor allem auch ein Bischen was für die Bürger machen !! sich nicht an einen Total veralteten Datenschutz festbeißen !! denn wer auf Twitter und Co schon alles von sich veröffentlicht hat braucht auch nichts mehr von sich zu verbergen suchen !!! er macht sich nur zum gehilfen der Nicht Gesetzestreuen !!

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25.01.2017

m. schulz,

einen größeres geschenk, konnte die spd der amtierend kanzlerin nicht machen.

Somit bleibt nach der bw 2017 alles beim alten.

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25.01.2017

Sprach der Verschwörungsesotheriker, dann wirds ja wohl so sein.....

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25.01.2017

Schrieb einer der verbliebenen spd-wähler ...

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25.01.2017

Tja da liegen Sie mal total daneben ;)

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25.01.2017

Mit Schulz als Kanzler wird es in kurzer Zeit kein eigenständiges Deutschland mehr geben, Brüssel wird das 100%ige Sagen haben ! Schulz steht für ein bürokratisches Europa, wie es viele gar nicht mehr wollen.

Zudem steht ein ROT-ROT-GRÜN-Bündnis im erdenklichen Raum (deutschlandweit Berliner Verhältnisse) , indem Stasi-Erben in ganz Deutschland mitregieren. Bundesrepublik Deutschland wird dann nach und nach zur MRM (Muslimische Republik Mitteleuropa).

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25.01.2017

Cry me a river.... Ihre Sorgen möcht ich echt nicht haben.

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25.01.2017

Wer das be"scheuer"te CSU-Gedöns ernst nimmt und möchte, dass Merkel Kanzlerin bleibt, muss eigentlich Schulz wählen . . .

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