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Augsburg

08.05.2016

Wer liest, hört die Stimme des Autors

Lesen ist Leidenschaft: Friedrich Denk, 79, versuchte das zum Auftakt der Lesewoche an der Schillerschule Achtklässlern zu vermitteln.

Auftakt der Lesewoche in der Schillerschule mit Friedrich Denk vor Achtklässlern

Er ist beseelt von seiner Mission: Das ist spürbar, wenn Friedrich Denk (73) vor Schülern von seiner Leidenschaft, dem Lesen, spricht. Der Besuch Denks vor zwei achten Klassen des M-Zweigs bildete den Auftakt der Lesewoche an der Lechhauser Schillerschule. Auf Initiative der Lehrerin und Kinderbuch-Autorin Heidemarie Brosche sollte den Schülern auf verschiedene Weise Geschmack auf das Lesen gemacht werden. Der ehemalige Gymnasiallehrer Friedrich Denk, manchen vielleicht noch in Erinnerung als federführender Kritiker der Rechtschreibreform, ist auch selbst Autor. „Wer liest, kommt weiter“, heißt eines seiner jüngsten Bücher.

Täglich neue Akzente

„Die Lesekultur unter jungen Leuten ist nicht sehr ausgeprägt“, weiß Heidemarie Brosche. Auch die Klassleiter der beiden achten Klassen, Kathrin Mecklinger-Schmid und Heinrich Greiner, gehen davon aus, dass nur 10 bis 15 Prozent ihrer Schüler Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher lesen. Genau dafür sollte die Lesewoche an der Schillerschule mit täglich neuen Akzenten sensibilisieren.

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Friedrich Denk kann es mit den Schülern – sie sind konzentriert, aufmerksam und machen lebhaft mit. Denk lässt sie aufhorchen, als er ihnen „die reichsten Männer der Welt“ vorstellt, Bill Gates, Mark Zuckerberg und den Apple-Gründer Steve Jobs. Sie hätten zwar ihr Vermögen mit der vernetzten Welt und der dafür nötigen Technologie gemacht, selbst hätten sie jedoch größten Wert aufs Lesen gelegt. Und dies auch ihren eigenen Kindern vermittelt. „Steve Jobs wusste, dass seine Geräte verführerisch sind“, meinte Friedrich Denk. Nicht umsonst habe er den „angebissenen Apfel“, das Symbol für die Verführbarkeit des Menschen seit dem Sündenfall, als Markenzeichen gewählt. Wer nur seine Informationen aus dem Netz beziehe, so Denk, werde verführbar durch diejenigen, die an den Nutzern, sprich auch den jungen Leuten und ihrem Geld, verdienen wollen.

All die Vorteile aufgezählt

Beim Bücherlesen sei das anders, meinte Denk und zählte den jungen Leuten all die Vorteile des Lesens auf: Wer lese, übe das genauere Sehen ein. Schreiben lerne man nur, wenn man die Worte vorher gelesen habe. So lassen sich beispielsweise schwierige Namen leichter merken. „Ihr könnt besser sprechen und zuhören, wenn ihr lest“, versicherte Denk den Schülern. Beim Lesen eines Buches sei man automatisch aufmerksamer. „Du hörst die Stimme des Autors.“ All das, dazu Wissen und Erkenntnis, werde einem durch das Lesen mitgegeben.

Dass unter den Schülern durchaus aufmerksame Leser zu finden sind, zeigte sich, als Friedrich Denk auf den Lesestoff zu sprechen kam. Eine Schülerin erzählte, dass sie in der Tageszeitung von den „Bodenampeln“ für Smartphone-Nutzer gelesen hatte; und einige Achtklässler kannten auch „Gregs Tagebuch“, eine Buchreihe von Jeff Kinney mit Comic-Zeichnungen. Eine andere Schülerin, 14 Jahre alt, berichtete nach dieser besonderen Unterrichtsstunde, dass sie nahezu jede freie Minute lese. „Ich habe immer Lust aufs Lesen“, sagte sie. Sie sei ein Fan der E-Book-Plattform Wattpad, wo sie nicht nur die Geschichten anderer lese, sondern auch eigene verfasse. In diesem Fall trug Friedrich Denk Eulen nach Athen.

Plakette überreicht

Noch weitere Höhepunkte zeichneten diese Lesewoche an der Schillerschule aus: Heidemarie Brosche bot einen Leseabend für Eltern von Erstklässlern an, die Stadtwerke überreichten der Schule feierlich die Leseplakette. Ganz im Zeichen des Lesens steht auch dieser Freitag, der Tag der offenen Schultür. Da werden der AEV-Spieler Alexander Thiele und der Autor und Poetry Slammer Jaromir Konecny aus München kommen. (gek)

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