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Augsburg

16.06.2019

Werden Alleinerziehende beim Eintritt im Botanischen Garten benachteiligt?

Der Botanische Garten in Augsburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht selten gibt es an der Kasse aber Diskussionsbedarf.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bei einem Geburtstagsausflug bekamen die Teilnehmer Familienkarten - bis auf eine alleinerziehende Mutter. Die erhebt nun Vorwürfe gegen die Stadt.

Diesen Geburtstagsausflug nach Augsburg hatte sich Birgit Spindler anders vorgestellt. Als die Allgäuerin mit ihren Kindern und zwei befreundeten Familien den Botanischen Garten besuchen wollte, bekam die alleinerziehende Mutter an der Kasse kein preisgünstiges Familienticket – die anderen Familien aber schon. Nun fragt sie sich: Werden Alleinerziehende beim Eintritt benachteiligt?

Die elfköpfige Allgäuer Gruppe reiste Anfang Juni nach Augsburg, um den Zoo und den Botanischen Garten zu besuchen und gemeinsam einen schönen Tag zu haben. „Die Tochter einer befreundeten Familie hatte Geburtstag“, erzählt Birgit Spindler. Die Stimmung sei zunächst sehr gut gewesen. Doch dann habe es Ärger gegeben.

Alleinerziehende Mutter zahlte mehr als andere Eltern

Bevor man sich am Kassenhäuschen des Botanischen Gartens anstellte, hatte sich die Gruppe die Eintrittspreise genau angeschaut. Laut Besucherinformation kostet eine preisgünstige Familienkarte sieben Euro. Sie gilt für bis zu zwei Erwachsene mit Kind oder Kindern bis 18 Jahre. Umso erstaunter war Birgit Spindler über das, was nach ihren Angaben dann passierte: Sie sagt, die beiden befreundeten Familien hätten Familientickets an der Kasse bekommen, sie als alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern aber nicht. „Ich musste den regulären Eintritt zahlen.“

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Statt sieben Euro habe sie 9,50 Euro berappen müssen – 3,50 für ein Erwachsenenticket und jeweils drei Euro für ihre beiden Töchter. Ihr Hinweis auf die offizielle Preistafel habe in der Diskussion mit dem Kassenpersonal nichts geholfen. „Als Alleinerziehende hat man es eh schon schwer, aber dass man dermaßen blöd hingestellt wird, das vertrage ich nicht“, ärgert sich die 50-jährige Allgäuerin.

Aus Sicht der Stadt stellt sich der Fall anders dar. Zuständig für den Botanischen Garten ist das Amt für Grünordnung. Amtsleiterin Anette Vedder sagt, die Kassiererin habe der alleinstehenden Besucherin mit ihren beiden Kindern lediglich die kostengünstigere Variante zur Familienkarte anbieten wollen. Danach hätte das Trio insgesamt nur 6,50 Euro zahlen müssen, denn ein Kind sei unter zwölf Jahre gewesen und hätte kostenlosen Eintritt gehabt. Nach Angaben der Amtsleiterin wollte die Allgäuerin auf dieses Angebot nicht eingehen: „Im Nachhinein stieß der Wunsch der Besucherin, den höheren Eintrittspreis für die Familienkarte zu zahlen, auf Unverständnis bei der Kassiererin, da diese nicht verstand, warum die Kundin mehr als nötig bezahlen wollte.“ Birgit Spindler ist nun erst recht sauer auf die Stadt Augsburg. Sie sagt, „ich habe kein Kind unter zwölf Jahren“. Ihre beiden Töchter seien 13 und 16 Jahre alt. Ihre Version des Vorfalls könnten vier Erwachsene der Gruppe bestätigen. Und auf ihren Beschwerdebrief habe die Stadt nicht geantwortet.

Botanischer Garten: Der Ärger ist offenbar kein Einzelfall

Der Ärger mit der Allgäuer Gruppe scheint kein Einzelfall zu sein. Offenbar muss das Kassenpersonal im Botanischen Garten öfter mit Besuchern diskutieren, für welchen Personenkreis die „Familienkarte“ gilt. Zahlen über Reklamationen nennt die Amtsleiterin nicht. Sie sagt aber, Debatten gebe es vor allem darüber, dass Besucher die Überschrift „Familienkarte“ nicht lesen würden und darauf bestehen, dass sie zwei Erwachsene mit Kindern seien und damit einen Anspruch auf eine Familienkarte hätten. „Diese Diskussionen stoßen vor allem entferntere Familienangehörige wie Onkel und Tanten oder Großeltern an“, so Vedder.

Offenbar sieht man auch bei der Stadt Handlungsbedarf, die geltenden Vorschriften besser zu kommunizieren. Eine Überarbeitung der Eintrittsregelung sei geplant, um die Preisgestaltung noch klarer darzustellen, so Vedder. Überlegt werde darüber hinaus, eine zusätzliche Mini-Gruppenkarte einzuführen, die parallel zur Familienkarte geführt wird. Ein Zeitpunkt für die Überarbeitung könne noch nicht genannt werden.

Nach der geltenden städtischen Eintrittsregelung haben nicht nur Familien mit Vater, Mutter und Kind oder Kindern sowie Alleinerziehende mit Nachwuchs Anspruch auf eine günstige Familienkarte. Auch gleichgeschlechtliche Paare können dieses Ticket erwerben. Jährlich werden rund 6500 Familientageskarten und etwa 400 Familienjahreskarten im Botanischen Garten verkauft. Der Anteil der Familientickets liege insgesamt bei rund fünf Prozent. "

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Botanischer Garten: Regeln für Eintritt sind veraltet

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15.06.2019

>> Danach hätte das Trio insgesamt nur 6,50 Euro zahlen müssen, denn ein Kind sei unter zwölf Jahre gewesen und hätte kostenlosen Eintritt gehabt. Nach Angaben der Amtsleiterin wollte die Allgäuerin auf dieses Angebot nicht eingehen: „Im Nachhinein stieß der Wunsch der Besucherin, den höheren Eintrittspreis für die Familienkarte zu zahlen, auf Unverständnis bei der Kassiererin, da diese nicht verstand, warum die Kundin mehr als nötig bezahlen wollte.“ Birgit Spindler ist nun erst recht sauer auf die Stadt Augsburg. Sie sagt, „ich habe kein Kind unter zwölf Jahren“. Ihre beiden Töchter seien 13 und 16 Jahre alt. <<

Klingt sehr nach einer nachträglichen Rechtfertigungsgeschichte der Kassiererin, die ohne Plausibilisierung von der Amtsleitung übernommen wurde.

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15.06.2019

Alleinerziehende haben es wirklich schon schwer genug. Ihnen sollte auch die Familientageskarte offen stehen. Ebenso Großeltern oder Onkeln/Tanten, die mit Kindern den Botanischen Garten besuchen. Was mich auch stört: Die Jahreskarten sind verhältnismäßig teuer. Sie lohnen sich erst ab dem 6. (Familien) bzw. 8. (Einzelpersonen) Besuch in einem Jahr. Im Zoo hat man das Geld für eine Jahreskarte schon beim 4. Besuch wieder "drin".

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