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Werner Egk: Der Umgang mit der Vergangenheit ist fragwürdig

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Kommentar Von Nicole Prestle
26.02.2019

In der Diskussion um den Namen der Oberhauser Schule hat das Schulreferat die Entscheidung abgeschoben. Was die Stadträte tun sollten, um das wettzumachen.

1971 verlieh die Stadt Donauwörth dem dort geborenen Komponisten Werner Egk die Ehrenbürgerwürde, zehn Jahre später ließ ihm München die gleiche Auszeichnung zukommen. Beide Kommunen denken derzeit nicht daran, an dieser Entscheidung zu rütteln: Der Name Egks bleibe „eng mit der Stadt Donauwörth verbunden“, sagt Oberbürgermeister Armin Neudert. „Daran werden wir auch nichts ändern.“

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Dass man sich im Donau-Ries überhaupt mit der Frage nach der Angemessenheit der Auszeichnung befasste, liegt an einer in Augsburg getroffenen, teils umstrittenen Entscheidung: Die Werner-Egk-Schule im Stadtteil Oberhausen wird umbenannt. Egk, der sich im Nationalsozialismus nicht deutlich genug vom NS-Regime distanzierte, der im Gegenteil sogar davon profitierte, sei kein Vorbild für Kinder einer Grundschule. Also wird sein Name getilgt und durch einen ersetzt, der nun wirklich niemanden stören dürfte: Grundschule Augsburg Oberhausen Mitte.

Werner-Egk-Schule: Stadt lässt ernsthafte Auseinandersetzung vermissen

Problem erkannt, Problem gebannt? Bei weitem nicht. Denn die Art, wie die Augsburger Verwaltung mit diesem Thema umging (und noch umgeht), lässt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Egk und seiner Biografie vermissen. Es scheint, als wollte die Stadt, die den Musiker noch vor zehn Jahren mit einem Festakt im Rathaus ehrte, die Sache so schnell wie möglich vom Tisch haben. Ein neuer Name war da die einfachste Lösung.

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Überzeugend ist dieser Umgang mit dem Thema nicht. Im Bildungsausschuss des Stadtrats wurde zwar über die Frage des Schulnamens und die Kritik an Egk diskutiert. Doch seitdem schieben Schulreferent Hermann Köhler und sein Referat die Entscheidung von einem zum anderen: Erst bat man die Kommission für Erinnerungskultur um ihre Einschätzung, dann reichte man deren Stellungnahme an die Leiterin der Werner-Egk-Schule weiter – laut Auskunft von Insidern mit dem Auftrag, das Thema lautlos durch eine Umbenennung abzuhaken und kein großes Aufhebens darum zu machen. Die Öffentlichkeit hat von diesem Vorgehen zwei Jahre lang nichts mitbekommen – offensichtlich, weil die Stadt keine allgemeine Diskussion wollte. Dabei hatte die Kommission für Erinnerungskultur genau diese gefordert: Man solle die Oberhauser Bürger im Entscheidungsprozess mitnehmen. Auf die Frage, warum dies nicht geschehen sei, ließ Schulreferent Köhler jetzt durch einen Mitarbeiter mitteilen, man habe durch Gespräche mit dem Elternbeirat „genug Bürgerschaft“ eingebunden.

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sieht anders aus. Die Bürger, die sich seit Tagen verärgert zu Wort melden, tun dies zurecht. Sie wurden mit der Entscheidung für eine Umbenennung vor vollendete Tatsachen gestellt und sollen sich damit abfinden, was Politik und Verwaltung ausgetüftelt haben. Doch so funktioniert es nun einmal nicht.

In einem anderen Fall wurde um eine gute Lösung gerungen

Augsburg hat unter der Ägide von Kulturreferent Thomas Weitzel zuletzt viel Sorgfalt in die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gesteckt. Als ein Teil der jüdischen Bürger so genannte Stolpersteine als Erinnerungszeichen ablehnten, wurde ernsthaft um einen Weg gerungen, wie man den Opfern des NS-Regimes stattdessen gedenken könnte. Zu diesem Zeitpunkt entstand die Kommission für Erinnerungskultur, der neben Stadträten auch Wissenschaftler sowie Vertreter verschiedener Initiativen und Institutionen angehören. Nach vielen, auch kontrovers geführten Gesprächen fand sich eine gute Lösung, die alle Beteiligten akzeptieren konnten. Im Fall der Werner-Egk-Schule hat man sich dieser wichtigen Kontroverse nicht gestellt. Warum?

Vielleicht, weil das Schulreferat eine Menge maroder Häuser zu verwalten und damit drängendere Probleme hat. Vielleicht ist dem Schulreferenten der Name einer Grundschule in Oberhausen auch einfach nicht so wichtig. Das alles mögen Argumente sein. Doch im Fall der Werner-Egk-Schule geht es nicht nur um den Namen einer Bildungsstätte, es geht um Erinnerungskultur.

Die Stadträte sollten derzeit einer Umbenennung nicht zustimmen

Und wie geht es nun weiter? Bildungsausschuss und Stadtrat können dem von der Schulleitung neu gewählten Namen zustimmen. Dann würde der von Egk von allen Hinweisschildern entfernt – ebenso wie die Zeichnungen, die in der Schule auf seine Kompositionen hinweisen, und der Schulgong, der Sequenzen aus seinem Werk spielt. Dem Schulreferat und der Stadtverwaltung wäre das wohl am liebsten. Gelernt hätten Schüler und Eltern der Egk-Schule daraus aber höchstens eines: Dass der Weg des geringsten Widerstandes manchmal der einfachste ist, aber nicht immer zum besten Ergebnis führt.

Vielleicht besteht ja Hoffnung und die Stadträte stimmen der umstrittenen Umbenennung vorerst nicht zu. Dann wäre der Weg offen für eine öffentliche Diskussion mit Oberhausern, Lehrern und Eltern. Es müsste dabei nicht nur um die Werner-Egk-Schule gehen, man könnte auch andere strittige Namen ansprechen. Leise wird von einigen Seiten bereits Kritik am Namen der Birkenau-Schule geäußert...

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.02.2019

Langsam tut es weh. Habt ihr nichts Anderes zu tun. Die echten Probleme werden hier wieder nicht erkannt. Ihr seit die falschen Leute.
Hermann Rappenegger

Permalink
24.02.2019

Wer ist mit "ihr" gemeint?
Benennung der "echten Probleme" !
Klartext!

Permalink
24.02.2019

Willfährigkeit als Mittel zur Problemlösung ..... :-(

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