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Augsburg

10.12.2019

Wichtige Fragen und Antworten zur tödlichen Attacke am Kö

Ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Augsburg ist in der Nacht auf Samstag am Königsplatz niedergeschlagen worden und kurz darauf im Rettungswagen gestorben.
Bild: Ulrich Wagner

Es sollte ein schöner Abend für zwei Ehepaare werden. Doch dann kam es zu einem Streit, an dessen Ende ein 49-Jähriger starb. Hier gibt es alle Infos im Überblick.

Ein 49-Jähriger ist am Freitagabend auf dem Königsplatz in Augsburg getötet worden. Der Mann war zuvor mit seiner Frau und Freunden privat auf dem Christkindlesmarkt unterwegs. Am Kö kam es zum Streit mit einer Gruppe sieben junger Männer, in dessen Verlauf der Mann ums Leben kam.

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Woran ist der 49-Jährige gestorben?

Beim Streit auf dem Königsplatz, zu dessen Ursache die Polizei noch keine Informationen veröffentlicht hat, gruppierten sich die Verdächtigen um den 49-Jährigen. Ein 17-Jähriger soll ihm dann einen Schlag gegen den Kopf verpasst haben. Der Mann ging zu Boden und starb wenig später im Rettungswagen. Wie Gerhard Zintl, Leiter der Augsburger Kriminalpolizei, am Montag berichtete, führte der Schlag "von der Seite, unvermittelt, mit großer Wucht" zum Tod des Mannes.

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Wurden weitere Menschen bei dem Angriff verletzt?

Der Begleiter des Getöteten, ein 50-Jähriger, wurde ebenfalls von der Gruppe angegriffen und schwer im Gesicht verletzt. Die Ehefrauen der beiden Männer blieben körperlich unverletzt.

Sind die mutmaßlichen Täter gefasst?

Ja, alle sieben Verdächtigen wurden gefasst. Die Jugendlichen und jungen Männer sind zwischen 17 und 20 Jahre alt. Sechs wurden bereits am Sonntag festgenommen, der siebte wurde am Montag gefasst. Der mutmaßliche Haupttäter, 17 Jahre alt, hat nach Informationen unserer Redaktion sowohl die türkische, die libanesische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein zweiter Festgenommener, ebenfalls 17, die italienische. Beide sind polizeibekannt, aufgefallen sein sollen sie unter anderem durch Drogendelikte. Unter den Festgenommenen ist auch ein 19-Jähriger, der sich selbst stellte. Alle Verdächtigen kamen zunächst in Untersuchungshaft. Am 23. Dezember hob die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts die Haftbefehle gegen sechs der Verdächtigen allerdings wieder auf. Damit kamen diese sechs noch vor Weihnachten wieder frei. Der mutmaßliche Haupttäter blieb aber in Untersuchungshaft. Kurz nach Weihnachten dann die nächste Wendung: Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass die Haftbefehle gegen die sechs freigelassenen Tatverdächtige wieder zu vollstrecken sind. Das Gericht sieht einem Verteidiger zufolge eine Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Warum wurden die Haftbefehle gegen sechs Verdächtige zunächst aufgehoben?

Die Staatsanwaltschaft hatte diesen sechs Verdächtigen Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Sie seien dabei gewesen, als der 17-Jährige mutmaßliche Haupttäter zugeschlagen habe. Sie hätten das Opfer umringt und auf diese Weise zumindest "psychische Beihilfe" geleistet. Die Jugendkammer des Landgerichtes bewertet deren Rolle nun aber anders und sieht keinen dringenden Tatverdacht der Beihilfe zum Totschlag - deshalb wurden die Haftbefehle aufgehoben. Eine Aufnahme des Vorfalls zeigt, dass es vor dem tödlichen Schlag eine Rangelei gab und einige aus der siebenköpfigen Gruppe zu diesem Zeitpunkt mehrere Meter entfernt standen. Sie kamen erst zurück, als der 49-Jährige zu Boden stürzte. Mehrere Anwälte hatten Haftbeschwerde eingereicht. Deshalb musste das Landgericht entscheiden, ob die Haftbefehle aufrecht erhalten bleiben. Eine Flucht- und Verdunklungsgefahr hatte das Landgericht offenbar nicht gesehen. Weil das Oberlandesgericht das aber anders sieht, sind alle Verdächtigen wieder in Haft.

Ein 49-jähriger Feuerwehrmann ist am Freitagabend am Königsplatz in Augsburg von einer Gruppe junger Männer attackiert worden und ums Leben gekommen. Gerhard Zintl, Leiter der Augsburger Kriminalpolizei, und Rolf Werlitz, Leitender Oberstaatsanwalt, berichten im Video über die Hintergründe und den Stand der Ermittlungen.
Video: Sandra Liermann

Wie gelang es der Polizei, die Tatverdächtigen so schnell zu fassen?

Seit Dezember 2018 wird der Königsplatz in Augsburg videoüberwacht. Die Kameras zeichneten die Tat auf und halfen so dabei, die sieben Tatverdächtigen schnell zu überführen. Die Gruppe aus rund 20 Ermittlern wertete den ganzen Samstag über Videoaufnahmen und Zeugenaussagen aus, das genaue Bild blieb allerdings aufgrund "völlig unterschiedlicher Aussagen" bis Samstagmittag "diffus", erklärte Gerhard Zintl, Leiter der Augsburger Kriminalpolizei. Über Informationen von Kollegen, "die sich mit jugendtypischen Straftaten beschäftigen und sehr viele Jugendliche in Augsburg kennen" sowie einen "entscheidenden Hinweis in der Nacht auf Sonntag", konnten die Tatverdächtigen und ihre Aufenthaltsorte laut Zintl bereits am Sonntagmorgen identifiziert werden.

Warum fahndete die Polizei nicht direkt mit einem Lichtbild nach den mutmaßlichen Tätern?

Polizeipräsident Michael Schwald wies Vorwürfe aus den sozialen Medien zurück, die Polizei habe nicht sofort mit Fotos nach den Verdächtigen gefahndet, weil sie etwas vertuschen oder verheimlichen wolle. Er erklärte: "Ich möchte versichern, dass wir überhaupt nichts zu verheimlichen oder zu vertuschen haben. Im Vordergrund stehen für die Polizei in solch einem Fall stets die bestmögliche und gründliche Ermittlung - und dem ordnen wir alles unter." Aus ermittlungstaktischen Gründen habe die Polizei nicht sofort alle Erkenntnisse an die Öffentlichkeit weitergegeben.

"Aus ermittlungstaktischen Gründen" - was genau heißt das?

In der Pressekonferenz am Montag erklärte Kripo-Leiter Gerhard Zintl die Hintergründe: Da die Polizei bereits am Samstag aufgrund der Videoaufnahmen von Königsplatz ziemlich sicher war, die mutmaßlichen Täter ermitteln zu können, habe man die Öffentlichkeitsfahndung in Absprache mit der Staatsanwaltschaft auf Sonntag zurückgestellt. Bereits am Sonntagmorgen konnten die Ermittler die mutmaßlichen Täter identifizieren. "Es hätte keinen Sinn gemacht, irgendwelche Bilder zu veröffentlichen", erklärte Zintl. "Wir hätten dadurch nur eines getan: Wir hätten die Täter gewarnt." Die Ermittler wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, ob sich die Täter möglicherweise absetzen oder Beweismittel verschwinden lassen könnten. Auf eine Fahndung mit Lichtbildern zu verzichten, sei daher "die taktisch klügste und alternativlose Variante" gewesen.

Warum haben wir, die Augsburger Allgemeine, die Nationalität der mutmaßlichen Täter zuerst nicht genannt - und nennen sie nun doch?

In den ersten Berichten zur tödlichen Attacke am Königsplatz nannten wir die Nationalitäten der mutmaßlichen Täter nicht, da diese schlichtweg noch nicht bekannt war. Erst nach der Festnahme am Sonntag gab die Polizei die Staatsangehörigkeiten der Täter bekannt.

Wir, die Augsburger Allgemeine, halten uns an den Pressekodex, der die Nennung der Nationalität nur dann vorsieht, wenn "ein begründetes öffentliches Interesse" daran besteht. Da über den Fall des 49-Jährigen, der am Königsplatz in Augsburg ums Leben gekommen ist, deutschlandweit berichtet wurde und wir das genannte "begründete öffentliche Interesse" erfüllt sahen, haben wir uns entschieden, die Nationalitäten der Tatverdächtigen zu nennen.

In einer aktuellen Folge unseres Podcasts erklärt Reporter Stefan Krog die Hintergründe der Tat am Königsplatz – und erzählt, wie Journalisten mit dem Fall umgehen. Den Podcast "Augsburg, meine Stadt" finden Sie auf Spotify, iTunes und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

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13.12.2019

Ich denke, die Polizei hat das sehr gut gemacht. Letztlich auch die Augsburger Allgemeine, die in anderen Fällen m.E. aber gerne mal dem Pressekodex nicht sklavisch folgen müsste.
Jetzt ist die Justiz an der Reihe. Ich kann nur hoffen, dass die Tat ohne relativierende Verzerrungen gesühnt werden wird.

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