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Augsburg

27.10.2020

Wie Amerikaner in Augsburg die US-Wahl beeinflussen wollen

Die Mitglieder der Vereinigung Democrats abroad an einem Infostand auf dem Königsplatz in Augsburg.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Seitdem Donald Trump in den USA Präsident ist, wollen mehr im Ausland lebende Amerikaner wählen. In Augsburg setzen sie sich dafür ein, dass ihre Landsleute ihre Stimmen abgeben.

Donald Trump war für mich wie ein Weckruf, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist“, sagt René Correa, 64. Seit 40 Jahren ist der gebürtige Amerikaner Musiker der Augsburger Philharmoniker – und er engagiert sich bei Democrats Abroad, Demokraten im Ausland. Es ist eine Organisation der Demokratischen Partei der USA, die sich seit 1964 um die Belange von US-Bürgern im Ausland kümmert. Vor allem setzen sie sich dafür ein, dass sie an den Wahlen in Amerika teilnehmen können.

Wählen für Amerika in Deutschland – die Aktivisten von Democrats Abroad, Demokraten im Ausland, wollen ihre Landsleute mobilisieren.
Bild: Bernd Hohlen

Gemeint sind alle Amerikaner, auch die, die die Republikaner wählen. Allerdings war das politische Engagement für Amerika etwas eingeschlafen, auch in Augsburg. Bis Donald Trump US-Präsident wurde. Im Vergleich zum Wahljahr 2016 nahm die Wahlbeteiligung bislang um 15 Prozent zu. Ein Trend, der auch in Augsburg zu sehen ist, wie sich zeigte. Allerdings: „Nur sieben Prozent der wahlberechtigten Amerikaner im Ausland geben ihre Stimme ab“, sagt Jane Berger, 61. Die gebürtige Kalifornierin ist seit 38 Jahren ebenfalls Musikerin der Augsburger Philharmoniker.

Amerikaner im Ausland sind ein großes Wählerpotential

Neun Millionen Amerikaner leben außerhalb der Vereinigten Staaten. Ein großes Wählerpotential also, das bislang kaum ausgeschöpft wurde. Aus Sicht der Demokraten ist das vor allem deswegen interessant, weil die Statistik besagt, dass Amerikaner im Ausland überwiegend die demokratische Partei wählen. Das kann bei den Swing-States zum Zünglein an der Waage werden. „Deswegen habe ich wahlberechtigten Kindern von Freunden geraten, sich nicht in Kalifornien anzumelden für die Wahl, weil die Demokraten dort ohnehin vorn sind, sondern in Colorado, wo die Mutter der Kinder herkommt“, sagt James Wittevrongel, 73, Amerikaner aus Illinois mit belgisch-irischen Vorfahren, der mit seiner Frau in Augsburg seinen Ruhestand verbringt.

„Swing-States“ sind Bundesstaaten, in denen nur wenige Wahlstimmen ausreichen können, um eine Partei gewinnen zu lassen. „Das ist möglich, was James erzählt“, sagt René Correa, „man kann sich dort registrieren lassen, wo man geboren ist oder wo ein Elternteil gelebt hat. Das haben wir unseren Landsleuten in Augsburg immer wieder vermittelt.“ Auch Jonah Otto, 31, der aus dem Bundesstaat Indiana stammt, spricht dieses Wählerpotential aus Sicht der Demokraten an. „Ich kann hier Landsleute ansprechen und motivieren. Der erste Amerikaner am Informationsstand am Kö war allerdings Wähler der Republikaner. Ich habe ihm trotzdem erklärt, wie er an seine Wahlunterlagen kommt. Das ist für uns selbstverständlich. Missioniert wird nicht.“

Bei den Augsburger Philharmonikern spielen viele Amerikaner

Jonah Otto ist seit 2018 in Augsburg. Er promoviert an der Universität in Augsburg über internationale Beziehungen zwischen Universitäten im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Die Organisation der Republikaner Republican Overseas ist übrigens weniger operativ ausgerichtet wie Democrats Abroad und wirbt nicht um Wähler. Über diese politischen Grenzen hinaus spricht Geeta Abad die unterschiedliche Herkunft fast aller Amerikaner an: „Was uns vereint, ist, dass wir alle einen Migrationshintergrund haben. Damit entwickelt man eher ein Gemeinschaftsgefühl, ein gemeinsames Handeln.“ Die 36-jährige Musikerin mit indischen Vorfahren ist in Amerika geboren. Sie hat in Deutschland Musik studiert und spielt seit 2010 bei den Augsburger Philharmonikern.

Buergerrecherche

Diesen Gemeinschaftssinn greift Jane Berger noch einmal parteipolitisch auf: „Wenn die Republikaner dem Dienstleistungsunternehmen ‚Uber‘ in Aussicht stellen, ohne sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse auszukommen, dann hat das eine fatale Wirkung über Amerika hinaus.“ Damit das demokratisch entschieden wird, haben Republikaner und Demokraten, nicht nur von Augsburg aus, per Briefwahl ihr „Vote“ abgegeben. Immerhin 15 Prozent mehr als bei der Wahl 2016. Ob sich der ehrenamtliche Einsatz für die „Democrats abroad“ aus Augsburg gelohnt hat, wird man frühestens am 4. November erfahren.

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