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Stadtentwicklung

04.11.2019

Wie Bombenfunde das Bauen in Augsburg erschweren

Die Bagger, die an der Rumplerstraße den Aushub machen, sind mit einem Splitterschutz gesichert. Grund: Ende Oktober wurde auf diesem Gelände eine alte Fliegerbombe gefunden.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Augsburgs Süden wurde im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert. Noch immer tauchen Blindgänger auf. Die Erschließung brachliegender Flächen wird so schwierig und teuer.

Der Bagger auf dem südlichen Gelände des Toni-Parks an der Rumplerstraße ist mit einem metallenen Splitterschutz an der Fahrerkabine gesichert. Seine Schaufel nähert sich wie in Zeitlupe dem Boden und zieht behutsam eine lediglich zehn Zentimeter dicke Erdschicht ab. So geht es den ganzen Tag. Eine Schicht nach der anderen. Ein Kampfmittelräumer mit einer Bodensonde und eine Stadt-Archäologin begleiten die Arbeit.

Diese Vorsicht ist mehr als geboten. Am 20. Oktober wurde bei der Sanierung des Parkplatzes am Alten Postweg eine scharfe 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden. Hier standen einst die Fertigungshallen der Messerschmitt-Flugzeugwerke. Es waren wohl 150 amerikanische "B17-Bomber", die über diesem Gebiet ihre Flug- und Sprengbomben abwarfen. "Es ist anzunehmen, dass wir noch mehr finden", sagt Peter Staudinger.

Die Kosten sind massiv gestiegen

Er ist selbstständiger Straßenbauingenieur und Projektsteuerer und nicht angestellt beim Grundstücksbesitzer der Toni Immobilien Dr. Krafft KG. Diese Arbeit dauert, kostet Nerven und Geld. "Die Kosten sind in den letzten Jahren massiv nach oben gegangen", sagt Andreas Lesser, Komplementär der Toni KG. Die veranschlagten fünf Millionen für die Bodensanierung werden nicht mehr zu halten sein. "Je schlechter der Boden, desto mehr explodieren die Kosten. Hätten wir vor acht Jahren schon begonnen, wäre es günstiger geworden", sagt Lesser. Das ist der einzige Vorwurf, den er sich macht. Er scheint aber ein Knackpunkt zu sein, denn der Boden ist extrem verseucht.

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Vor acht Jahren begann die Toni KG die Grundstücke zwischen Altem Postweg, Werner-von-Siemens-Straße und Rumplerstraße aufzukaufen. "Wir sind Bestandshalter, keine Entwickler. Wir bauen nach den Vorstellungen des künftigen Mieters und sehen uns mehr der Stadtentwicklung verpflichtet", sagt Lesser. Ein Gebäude mit knapp 9000 Quadratmetern für die Firmen Fujitsu und Infineon, mit Kindergarten, Fitnessstudio und Restaurant wird hochgezogen. Freiflächen außerhalb der Stadt zu bebauen sieht Lesser nicht als Stadtentwicklung. Städtische Freiflächen mit vorhandener Infrastruktur neu zu nutzen und für künftige Mieter attraktiv zu machen ist sein Konzept.

Gekauft wurden die brisanten 32.000 Quadratmeter Fläche von vier Vorbesitzern: Böwe, Stadtsparkasse, ein Bankenkonsortium und Estama Real Estate. Man wusste, auf was man sich hier einlässt, wird zwar auf Nachfrage betont, aber der Grad der Bodenverseuchung erstaunt dann doch. "90 Prozent des Bodens waren verseucht", sagt Staudinger, der genau wie die Geologen, Archäologen und Fachleute des Umweltreferates extern von der Toni KG bezahlt werden muss. Die Kosten für den Kampfmittelräumdienst übernehme allerdings der Freistaat Bayern, so das Amt für Brand- und Katastrophenschutz.

Auf dem Gelände des Toni-Parks an der Rumplerstraße entstehen Neubauten unter anderem für Fujitsu und Infineon.
Bild: Bernd Hohlen

4800 Lkw-Ladungen kontaminierte Erde

Staudinger war ursprünglich nur für einen Kurzeinsatz gebucht, aber aufgrund der heiklen Lage ist er nun ständiger externer Berater. "Wir haben bislang 120.000 Tonnen kontaminierte Erde abgefahren. Das sind 4800 LKW-Ladungen. 50.000 Tonnen folgen noch. Die LKW fahren bis zu 400 Kilometer weit, weil es in Bayern nicht genügend Deponiekapazitäten gibt. Zudem hat der Boden unterschiedliche Grade der Kontaminierung. "Wir können dem Umweltreferat aber jedes abgetragene Kilogramm nachweisen, wo es hingekommen ist", sagt Staudinger.

Das klingt nach viel Bürokratie, wird aber von der Stadt Augsburg gefordert. Die Auflagen sind sehr streng. Der ausgehobene Boden wird von Geologen untersucht und der Boden in Kontaminierungs-Klassen eingeteilt. "Die Bauarbeiten kommen dadurch nicht ins Stocken. Die Nachfrage ist so gut, dass wir im November bei der Stadt einen Neubau mit 15.000 Quadratmetern beantragen werden", sagt Lesser. Der Neubau soll ab 2021 vier Firmen aus dem Raum Augsburg beherbergen. Die Mieter stünden, so heißt es, schon parat, Namen will Lesser noch keine nennen. Bis es so weit ist, müsse noch ordentlich nicht nur an der Oberfläche gekratzt werden.

Keine zwanzig Meter vom Bombenfund entfernt, sind rote Markierungen auf dem Parkplatz des Bauhauses angebracht: "Hier vermuten wir einen Bombenkrater", sagt Staudinger. Dies ist der nördliche Teil des Geländes, der besonders stark bombardiert wurde. Dieses Gebiet wird abschnittweise saniert. "Mit Gefühl arbeiten ist auf dieser Baustelle großgeschrieben", sagt Staudinger.

Dieses Gefühl wird auch nötig sein, wenn nicht weit vom Toni-Park entfernt, südlich der Inninger Straße, das Stadtquartier Haunstetten Südwest entstehen soll. Das Baureferat der Stadt Augsburg geht auf Nachfrage davon aus, "dass auch in deren weiteren Umgriff, vereinzelt mit Bombenfunden zu rechnen sein könnte. Die Stadt befindet sich momentan in einer sehr frühen Stufe der Planung, ... die Grundstrukturen für ein künftiges Stadtquartier ergeben soll".

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