1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wie Kitze vor dem Mähtod gerettet werden

Landwirtschaft

25.06.2014

Wie Kitze vor dem Mähtod gerettet werden

Copy%20of%20rehkitz.tif
2 Bilder
Junge Rehe schweben in Lebensgefahr, wenn sie sich in Feldern verstecken.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Junge Rehe schweben in Lebensgefahr, wenn sie sich in Feldern verstecken. In der Region Augsburg wird nun ein Gerät getestet, das sie retten soll.

Gegen einen Kreiselmäher haben Rehkitze keine Chance. Ausgerechnet ihr natürlicher Schutzinstinkt wird ihnen zum Verhängnis: Wenn sie sich bedroht fühlen, kauern sie sich zusammen und bewegen sich nicht von der Stelle. Sind Fressfeinde wie Füchse oder Wildschweine in der Nähe, rettet ihnen dieses Verhalten das Leben, weil ein Kitz noch keinen Geruch verströmt, den andere Tiere wittern könnten. Aber wenn das Mähfahrzeug kommt, sitzen die Kitze in einer tödlichen Falle.

Pilotversuch „Kitzretter“

Die Deutsche Wildtier-Stiftung geht davon aus, dass jedes Jahr deutschlandweit Rehkitze im fünfstelligen Bereich Opfer der modernen Landwirtschaft werden. Genaue Zahlen gibt es nicht. Moderne Technik soll nun helfen. Der Bayerische Jagdverband (BJV) hat einen Pilotversuch mit dem Namen „Kitzretter“ gestartet. Eckhart Zeltner ist seit seiner Pensionierung im Projektteam dabei. „Es geht mir um die Tiere“, erklärt er sein Engagement in diesem Ehrenamt.

Ein Oktokopter, eine Drohne mit acht Rotoren und angebauter Wärmebildkamera, soll die Körperwärme von Lebewesen erkennen, die sich auf den Feldern aufhalten. Mithilfe von GPS-Daten soll er die Helfer zu deren Standort lotsen. Die Software wurde eigens entwickelt. Projektpartner sind unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Technische Universität München und das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Technik funktioniert

Dass die Technik funktioniert, zeigte sich Anfang Juni. Da waren die Kitzretter bei Königsbrunn (Landkreis Augsburg) unterwegs und bewahrten dort drei Kitze, eine Geiß und einen Hasen vor dem Tod im Kreiselmähwerk.

Heute sind sie im Rossmoos bei Inchenhofen (Landkreis Aichach-Friedberg) erfolgreich. Anita Weinmann, die als Teamleiterin und Mitarbeiterin des BJV das Projekt leitet, berichtet: „Bereits bei der ersten Wiese haben wir zweifelsfrei ein Kitz und eine Geiß im gut hüfthohen Gras lokalisiert.“ Bei einer weiteren Wiese, welche die beiden Jagdpächter Anton Christl und Hans Michl untersucht haben möchten, ist zwar ein verdächtiger weißer Punkt auf dem Bildschirm zu sehen, aber bei der Begehung wird kein Tier gefunden. „Wahrscheinlich war das ein Fuchs“, ist aus der Beobachterschar zu hören. Unter ihnen sind die beiden Jagdpächter, der BJV-Kreisvorsitzende Paul Berchtenbreiter und sein Vorgänger Dieter Swart.

Jäger Horst Hartmann aus Willprechtszell (Petersdorf), der den Versuch im Rossmoos beobachtet, kann sich noch viele weitere Einsatzgebiete für die Technik vorstellen. So zum Beispiel zur Lokalisierung von Wildsauen, die es sich momentan in Raps- oder im Herbst in Senffeldern gut gehen lassen und mit herkömmlichen Mitteln dort kaum zu bejagen sind.

System kostet rund 10.000 Euro

Das System hat seinen Preis. Anita Weinmann verrät: „So wie das jetzt dasteht, hat das um die 10000 Euro gekostet.“ Daher sieht Eckhart Zeltner nicht den einzelnen Jagdpächter in der Pflicht, sondern die Bauern. Seine Zukunftsvision ist, dass sie die Nutzung der Oktokopter ähnlich wie bei landwirtschaftlichen Maschinen über Maschinenringe organisieren: „Wenn das über die Maschinenringe koordiniert wird, könnte die Kitzrettung zu einem Routinevorgang werden.“

Bis dahin wird die Technik noch ausgereifter sein. Hier sieht Anita Weinmann Luft nach oben – sowohl bei der Software, als auch bei der Hardware: „Wenn die Kamera sowohl ein Wärmebild, als auch ein normales Bild schießen würde, und dann der Rechner beide vergliche, könnte die Software gleich mal alle Maulwurfhügel als potenzielle Tiere ausschließen.“ Weinmann ist sich sicher, dass auch die Suchgeschwindigkeit in absehbarer Zeit steigt. Im Moment braucht der Oktokopter fünf Minuten für einen Hektar. (mit ioa)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
hzhz(1).jpg
Augsburg

Pädophiler Kinderarzt Harry S. widerspricht seinen eigenen Verteidigern

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen