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Augsburg

04.03.2013

Wie Straßen umbenannt werden

Das Verfahren ist komplex. Doch Namensänderungen gibt es immer wieder.

Mehrere Straßen in Augsburg sind nach Personen benannt, die eine fragwürdige Verbindung zum Nationalsozialismus haben (AZ berichtete). So ist unter anderem Hitlers Kunsteinkäufer Karl Haberstock eine Straße gewidmet. Auch der frühere Haunstetter Bürgermeister Xaver Widmeier, der an der Erweiterung des KZ-Außenlagers an der Inninger Straße beteiligt war, ist Namensgeber. Nach dem Willen der Grünen soll nun eine Kommission die Vergangenheit einiger Paten prüfen. Von Fall zu Fall solle dann entschieden werden, ob eine Straße umbenannt werden muss.

Doch das ist gar nicht so einfach, sagt Wilfried Matzke, Leiter des Augsburger Geodatenamtes. Denn eine Straßenbenennung sei ein komplizierter Prozess: Zunächst gibt es Vorschläge von Bürgern, der Stadtverwaltung oder Institutionen wie Parteien und Verbänden. Hunderte von Anregungen hat das Geodatenamt bereits gesammelt. Wenn dann beispielsweise ein Bebauungsplan rechtskräftig wird oder eine Umbenennung notwendig erscheint, erarbeitet das Geodatenamt in Absprache mit dem Baureferat eine Beschlussvorlage. Dabei werden zum Beispiel Namen in einem Viertel zu Themen gebündelt (beispielsweise Komponisten, Obstbäume, Vögel, Märchen). Diese Grundlage des Geodatenamtes wird dann in den Fraktionen vorberaten, im Bauausschuss diskutiert und schließlich im Stadtrat entschieden, heißt es.

Geht es um eine Umbenennung, werde stets genau geprüft, erklärt Wilfried Matzke: „Denn ein neuer Name bringt zum Beispiel für Autofahrer mit Navigationsgerät Probleme mit sich.“ So könne eine Adresse über mehrere Jahre hinweg nicht mehr gefunden werden. Zudem gebe es für die Verwaltung ein „Verbot von Willkür und Übermaß“. Das bedeute, dass Straßen nicht leichtfertig einen neuen Namen bekommen dürfen.

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Nichtsdestotrotz gab es auch in Augsburg immer wieder Namensänderungen – nach dem Krieg, im Zuge der Gebietsreform, aber auch danach.

Die umstrittenste Straßenumbenennung geschah im Jahr 1966. Erst nach dreijährigen Diskussionen fand sich eine Stadtratsmehrheit, die zugunsten von Bertolt Brecht die Frühlingstraße bei seinem Elternhaus umbenannte. Einstimmig hingegen war 2002 ein anderer bedeutender Umbenennungsbeschluss. Der historische Name Vogeltorplatz wurde zugunsten von Willy Brandt aufgegeben.

Bis auf einige eindeutige Straßen, die nach dem Zweiten Weltkrieg umbenannt wurden, habe es laut Amtsleiter Matzke in Augsburg wohl noch nie eine Änderung wegen der Rolle einer Person in der NS-Zeit gegeben.

Diskutiert worden sei in der Vergangenheit allerdings schon: Beispiele dafür seien die Hans-Watzlik-Straße in Lechhausen oder die Karl-Haberstock-Straße in Kriegshaber. In beiden Fällen blieb aber alles beim Alten.

Straßennamen Auf der Service-Seite unserer Zeitung erläutert das städtische Geodatenamt täglich einen der 1910 amtlichen Straßennamen in Augsburg, dazu historische und volkstümliche Bezeichnungen.

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