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Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
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Augsburg

17.03.2020

Wie Wirte und Hoteliers mit den strengen Corona-Regeln umgehen

Ilir Seferi hat in seinen Gastronomien umgestellt. So wird der Abstand von 1,5 Metern eingehalten.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Das Coronavirus und die strengen Auflagen treffen Wirte und Gastronomen in Augsburg hart. Manche schließen, andere räumen Tische weg oder starten neue Angebote.

Theodor Gandenheimer, Chef des Hotels Drei Mohren, hat am Montag ein Meeting nach dem anderen. Grund der zahlreichen Gespräche: „Wir haben leider drastische Umsatzeinbußen, da kaum Reisetätigkeit, keine Geschäftsreisen und keine Meetings oder Konferenzen mehr stattfinden“. Hinzu kommen die neuen Auflagen. Das Gourmet-Restaurant Sartory, welches gerade wieder einen Michelin Stern erhalten hat, wäre laut Gandenheimer die kommenden Wochen ausgebucht gewesen. „Wir halten uns selbstverständlich an die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung und werden ab Dienstag die Bar 3M, das Gourmet-Restaurant Sartory und unsere zwölf Veranstaltungsräume schließen.“ Der Hotelbetrieb werde vorerst noch weiterlaufen, allerdings wird im Restaurant Maximilian’s vorerst nur noch Frühstück angeboten. Im Großen wie im Kleinen stellen die Auswirkungen des Coronavirus Hoteliers und Gastronomen vor große Herausforderungen.

Corona: Kleines Café in Augsburg hat geschlossen

Das Kätchens, das kleine Café mit Wohnzimmeratmosphäre in der Peutingerstraße, hat nun erst einmal geschlossen. Inhaberin Lisa McQueen kann den neuen Auflagen, die Ministerpräsident Markus Söder am Montag verkündet hat, nicht nachkommen. „Mein Café ist so klein, dass die Gäste gar nicht den Abstand von 1,5 Metern einhalten können. Da müsste ich jedes Mal schließen, wenn drei Personen drin sind“, sagt sie. Am Mittwoch dürfen Speiselokale erst einmal für die kommenden beiden Wochen nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben. Nach 15 Uhr dürfen die Lokale Speisen ausliefern oder zum Mitnehmen anbieten. Daneben gilt: Während der Öffnungszeiten dürfen sich maximal 30 Personen im Inneren aufhalten. Die Besucher des Lokals müssen mindestens im Abstand von 1,5 Metern zueinander sitzen.

Lisa McQueen muss ihr Café vorerst schließen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Lisa McQueen versucht, die Situation einigermaßen gelassen zu nehmen. Sie wird die Zeit nutzen und Nähaufträge abarbeiten. „Gut, dass ich nicht nur ein Standbein habe.“ Denn ein geschlossenes Café bedeutet keine Einnahmen. Die Miete dafür werde aber dennoch fällig, genauso wie ihre private Miete. Oliver Hüttenmüller, Betreiber der Kulperhütte, hat sich ebenfalls für eine Schließung entschieden. Seine Hoffnung: „Je früher wir damit anfangen, je schneller ist es auch wieder vorbei“.

 

Kulperhütte in Augsburg stellt Betrieb ein

Bereits am Sonntag hat er den Betrieb an der Kulperhütte eingestellt. „Aus aktuellem Anlass und der zu erwartenden hohen Anzahl an Gästen, haben wir beschlossen, die Hütte heute nicht zu öffnen“, informierte er unter anderem auf Facebook. Viele hatten diese Info nicht mitbekommen, andere brachten einfach ihre eigenen Getränke mit – was zur Folge hatte, dass am Sonntag dann doch viele Besucher in der Sonne an der verschlossenen Kulperhütte saßen. „Ich glaube, dass das noch nicht bei jedem angekommen ist: In dieser Situation sollen Sozialkontakte vermieden werden. Die Kulperhütte soll nicht zur Plattform werden“, betont Oliver Hüttenmüller. Ein Treffpunkt für diejenigen, die sich Normalität wünschten. Neben der Verantwortung für die Kunden habe er vor allem auch eine gegenüber seinen Mitarbeitern. „Wer am Ausschank steht, hat schon einmal Kontakt mit 800 bis 1000 Menschen.“ Das Parkhäusl schließt ebenfalls vorerst, gibt Inhaberin Maria Cierro bekannt.

Bereits am Sonntag stellte die Kulperhütte ihren Betrieb ein, weil das Team an dem sonnigen Tag mit einem großen Ansturm rechnete.
Bild: Kulperhütte

Schließung, Einschränkung oder die Umstellung auf Abholung – am Montag geben Gastronomen nach und nach auf ihren virtuellen Netzwerken bekannt, wie sie sich in den kommenden Wochen aufstellen. Die Sushi-Bar, Am Katzenstadel, stellt vorerst den Restaurantbetrieb ein und bietet dafür von 17 bis 20 Uhr nach telefonischer Bestellung die Speisen zum Mitnehmen an. „In besonderen Zeiten ist Kreativität gefragt“, findet auch Helmut Hengelmann, Chef des Kappenecks. Normalerweise ist sein Lokal erst abends geöffnet. „Das werden wir jetzt auf Mittagsbetrieb umstellen. Daneben wollen wir am Abend Speisen zum Mitnehmen anbieten.“ Er will es auf diesem Weg versuchen, weil er auch an die Ausgaben denkt, die so oder so auf ihn warten. „Meine Hoffnung ist, dass sich in dieser besonderen Situation alle gesprächsbereit zeigen – der Vermieter genauso wie die Bank und die Kollegen.“ Die Gäste hätten bereits signalisiert, ihn und sein Team im Kappeneck unterstützen zu wollen.

 

Leo Dietz fordert eine Senkung der Umsatzsteuer

Für Unterstützung setzt sich auch Leo Dietz, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, ein. Am Montag steht sein Telefon nicht mehr still. Alle säßen im selben Boot. Dietz hofft, dass der Staat Gastronomen und Hoteliers eine langfristige Perspektive geben kann. Die Herabsetzung der Umsatzsteuer von 19 auf sieben Prozent wäre solch eine wichtige Hilfestellung, so Dietz. „Das könnte für einen zeitlich begrenzten Zeitraum von zwei Jahren eingerichtet werden. Von hochbürokratischen Sofortkrediten halte ich dagegen weniger.“ Dietz weiß, dass der Coronavirus Clubbetreiber und Gastronomen nun in einer Zeit trifft, wo normalerweise Rücklagen für die oft schlechten Sommermonate gebildet werden. „Hoteliers trifft es ebenfalls sehr hart“, sagt er. Die Übernachtungszahlen gingen dramatisch in den Keller.

Restaurants setzen auf Lieferdienst

Das bestätigt Ilir Seferi. Neben seinen beiden Wirtschaften Zum Ochsen und Haunstetter Hof bietet er dort auch Hotelzimmer an. „Es kommen kaum mehr Übernachtungsgäste. Kommende Woche haben wir im Hotelbereich die Stunde Null“, sagt er. Für die Mitarbeiter, die im Hotelbereich arbeiten, muss er Kurzarbeit anmelden. Im gastronomischen Bereich gibt er alles, um den Verdienstausfall zu minimieren. Die Auflagen des Freistaats hat er in seine Gaststätten bereits umgesetzt: Jeden zweiten Tisch hat er herausgenommen, um den Abstand von 1,5 Meter einhalten zu können und auch die Beschränkung von maximal 30 Personen nicht zu überschreiten. „Kellner werden künftig auch als Fahrer arbeiten. Denn wir bieten nun von 11 bis 22 Uhr auch einen Lieferdienst an.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

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