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Klimaschutz

11.07.2019

Wie aus dem Staatswald ein "Klimawald" werden soll

Mit einem "Klimawald" will Bayern den Klimaschutz vorantreiben.
Bild: Nicolas Armer, dpa

Plus Ministerpräsident Söder will eine radikale Wende bei der Bewirtschaftung des Staatswaldes. Die Regierungsfraktionen wussten davon allerdings nichts.

Millionen neuer Bäume statt Millionen von Euros: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will aus Gründen des Klimaschutzes eine radikale Wende bei der Bewirtschaftung des Staatswalds. "Unser Staatswald soll zum Klimawald werden", kündigte er in München an. Bereits im September wolle die Staatsregierung ein eigenes Klimaschutzgesetz vorlegen. Ziel sei es, bis 2030 die Klimaschutzziele einzuhalten und bis 2050 in Bayern Klimaneutralität zu erreichen.

Anstatt wie bisher mit den staatlichen Wäldern einen Gewinn für die Staatskasse zu erwirtschaften, sollen die Bayerischen Staatsforsten künftig ökologische Ziele bei der Waldpflege in den Mittelpunkt stellen: "Statt am Wald zu verdienen, müssen wir ihn klimafest umbauen", erklärte Söder. Die Staatsforsten sind seit 2005 ein gewinnorientiertes Staatsunternehmen. Mit rund 2750 Mitarbeitern bewirtschaften sie derzeit rund 755.000 Hektar Wälder in Bayern. Das entspricht über zehn Prozent der Fläche des Freistaats. Zuletzt erzielten sie bei einem Jahresumsatz von knapp 372 Millionen Euro rund 20 Millionen Euro Gewinn.

Markus Söder will bis zu 25 Millionen Bäume ersetzen

Konkret kündigte Söder ein bayernweites Aufforstungsprogramm an. In den kommenden fünf Jahren sollen unter dem Strich jährlich rund eine Million Bäume zusätzlich gepflanzt werden. Gleichzeitig will Söder den Waldumbau massiv vorantreiben und bis zu 25 Millionen Bäume ersetzen. "Wir brauchen wärmeverträglichere Baumarten, um auf den Klimawandel zu reagieren", sagte er. Der Erhalt und der Aufbau der Wälder sei für ihn die klimapolitisch wichtigste Aufgabe. Privatwald-Besitzern will Söder zudem finanzielle Angebote machen, diesem Weg zu folgen.

Größere neue Schutzgebiete oder gar einen Nationalpark will Söder allerdings nicht schaffen: "Ein Nationalpark könnte die Lage beim Klima-Waldumbau sogar verschlechtern", warnte er. Denn dort könnten auf Hitze oder Trockenheit empfindlich reagierende Baumarten wie etwa die Fichte nicht mehr durch widerstandsfähigere Sorten ersetzt werden. Denkbar sei allerdings, auf Basis des im unterfränkischen Steigerwald entwickelten Trittstein-Konzeptes weitere Flächen im Staatswald stillzulegen, kündigte Söder an: "Wir müssen wilde und sehr alte Wälder besonders schützen." Außerdem könnten Auwälder wie etwa an der Donau im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zu "nationalen Naturmonumenten" erklärt werden. Das sind kleinere Schutzgebiete, für die weniger strenge Regeln gelten als in Nationalparks. Söder hatte die heftig umstrittenen Pläne seines Amtsvorgängers Horst Seehofer (CSU), einen dritten bayerischen Nationalpark zu gründen, selbst einkassiert.

Landwirtschaftsministerin Kaniber war in Söders Pläne eingeweiht

Ganz freiwillig kommt Söders Schwenk allerdings nicht: Das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen", dem die Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern in Kürze im Landtag offiziell zustimmen will, schreibt bereits den Erhalt der biologischen Vielfalt im Staatswald als vorrangiges Ziel fest. Am "Runden Tisch" hatten sich CSU und Freie Wähler allerdings offenbar die Einschränkung zusichern lassen, dass dabei "die Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion" der Staatswälder erhalten bleibe. In den Regierungsfraktionen dürfte daher die Ankündigung Söders, neben dem Artenschutz nun auch dem Klimaschutz Vorrang im Wald gewähren zu wollen, für Debatten sorgen.

 

Die Landwirtschaftsministerin soll in die Pläne von Markus Söder eingeweiht gewesen sein.
Bild: Nicolas Armer, dpa

Bekannt waren Söders Pläne dort offenbar nicht. Angeblich war nur Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) eingeweiht. Die Dynamik der Erderwärmung beschleunige sich, deshalb dürfe man keine Zeit mehr verlieren, erklärte Söder seinen Kurswechsel. Er wolle sich auch nicht vorhalten lassen, nicht gehandelt zu haben: "Politiker müssen keine Hellseher sein", findet er. "Aber sie müssen die Zeichen der Zeit erkennen."

Aus Sicht der Grünen im Landtag kommt diese Erkenntnis spät. Fraktionschef Ludwig Hartmann spricht von einem "Realitätsschock für die Söder-Regierung" und sagt: „"Es war grundfalsch, über Jahrzehnte eine gewinnorientierte Forstwirtschaft zu betreiben und den dringend notwendigen Waldumbau hierüber zu vernachlässigen. Wir brauchen für die Bayerischen Staatsforsten eine vollkommen neue Arbeits- und Geschäftsgrundlage." Es gehe darum, unsere Wälder zu erhalten, dem Klimawandel anzupassen und gesund zu entwickeln.

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