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Augsburg

17.01.2019

Wie das Staatstheater junges Publikum gewinnen will

Ein Besuch des Schauspiels „Orestie“ im Martini-Park soll Jugendlichen aus dem Jugendzentrum in der Kanalstraße Theater schmackhaft machen.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Der Theaterclub startet im Jugendhaus Kanalstraße. Die Gäste sind interessiert, sagen aber nicht verbindlich zu.

Ein Dutzend Jugendliche chillt bei Tee und Hotdogs im ersten Stock des Jugendzentrums Villa. Hinter der Theke wird hantiert, an einem Tisch Trivial Pursuit gespielt. Etwa 25 junge Leute seien heute vorbei geschneit, sagt Dennis Galanti, Leiter des Juze im Bleichviertel. Manche schauen kurz rein, ein paar bereiten Essen vor, andere belegen die Tischtennisplatte.

Stück "Orestie" ist das erste Expeditionsziel

Fünf interessieren sich für die Idee der Theaterpädagoginnen Imme Heiligendorff und Nicoletta Kindermann. Sie wollen hier einen Zuschauerklub aufziehen, der bevorzugt und kostenfrei ins Staatstheater kommt und außerdem Gelegenheit hat, den Schauspielern beim Proben zuzuschauen, mit ihnen zu sprechen und die Stücke zusammen in der Villa vorzubereiten. Erstes Expeditionsziel an diesem Freitag: „Die Orestie“. Das zweieinhalb tausend Jahre alte Drama um Ehrenmord und Rachegeister, um demokratische Rechtsprechung und Selbstjustiz wird – sehr modern inszeniert – im Martini-Park aufgeführt. Dauer: knapp zwei Stunden.

Am Tisch in der Villa kommt schnell eine Diskussion in Gang. Über Theater. Darüber, was die Jugendlichen unterhaltsam, was sie langweilig finden. Immer mal wieder stellen sich auch die anderen Gäste dazu, lauschen dem Gespräch kurz, wenden sich wieder ab. Drei Jugendliche zeigen ernstes Interesse. Der jüngste, ein Achtklässler, hat schon selbst Theater gespielt, war aber noch nie als Zuschauer vor der großen Bühne. Zum „Orestie“-Trailer des Staatstheaters, den Galanti auf einem Laptop zeigt, hat er gleich eine Meinung: „Eher verstörend finde ich das“, sagt er. „Besser wäre doch, wenn die Schauspieler das Ganze mit mehr Comedy angehen würden. Wenigstens Elementen aus der Comedy. Den Zuschauern gefiele das bestimmt.“ Fest zusagen für die Exkursion in den Martini- Park kann er nicht, denn es ist jetzt spät, er muss nach Hause und sowieso erst die Eltern fragen.

Wie das Staatstheater junges Publikum gewinnen will

Michelle ging schon als Schülerin ins Theater

„Das ist offene Jugendarbeit“, sagt Nicoletta Kindermann. „Eine Gruppe findet sich hier langsamer und wird wohl auch insgesamt mehr Fluktuation haben als unsere anderen drei Theaterklubs.“ Rainer, 25, und Michelle, 22, sind ebenfalls sehr interessiert. Michelle ging als Schülerin ins Theater. An Ronja Räubertochter kann sie sich erinnern: „Erwachsene, die Kinder spielen, sind wenig glaubwürdig.“ Das Projekt „Club Villa“ findet sie gut, auch wenn es eine kleinere Gruppe werden wird. „Dann ist es wenigstens nicht wie bei den Schulklassen, die ins Theater gehen, und kaum einen interessiert’s.“ Unerfahren ist auch sie nicht. Oft schon habe sie Laientheater angeschaut und in Blogs besprochen. Beeindruckt ist sie, wenn sie merkt, dass Darsteller „voll in ihrer Rolle aufgehen“.

Rainer war schon selbst als Darsteller aktiv und hat einen differenzierten Blick aufs Theater. Seine Rollen in einer Königsbrunner Schülergruppe machten Spaß. „Als bei uns eine Künstlerin übernahm, wurde es zwar anspruchsvoll, war aber nicht mehr unterhaltsam.“ Das Ensemble löste sich auf. Die beiden fragen noch, wie man eigentlich Theaterpädagogin wird. Ob sie an diesem Freitag mit ins Staatstheater gehen, sei jedoch eher unwahrscheinlich. Ein anderer Termin steht im Raum. Rainer und Michelle sind Fans der sogenannten „Pen-and-Papers“-Rollenspiele und müssen sich auf ihr nächstes großes Treffen vorbereiten.

Nächster Theaterclub in Oberhausen mit "Baal"

Keine verbindlichen Zusagen also. Galanti nimmt’s leicht. „Es muss sich erst rumsprechen. Dann macht einer mit, weitere springen auf, weil andere auch mitgehen“, weiß der Hausleiter. Kindermann und Heiligendorff planen, ihre offenen Experimente nach der „Villa“ in anderen Jugendhäusern anzubieten. Fest steht bereits ein Termin am 26. Februar im Oberhauser h2o: Hier werden sie mit Jugendlichen das Schauspiel „Baal“ von Bertolt Brecht diskutieren und die Aufführung während des Brechtfestivals im Gaswerk besuchen.

Näheres zum Stück "Orestie" erfahren Sie hier: Premiere der "Orestie": Ein Blutrausch im Martinipark

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