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Augsburg

21.11.2019

Wie der Diebstahl von 10.000 Autolampen aufgeflogen ist

Mehrere Männer stahlen und verkauften moderne Lampen, die noch nicht auf dem Markt waren.
Bild: Scanrail – fotolia.com

Diebe stehlen bei Osram mehr als 10000 neu entwickelte Autolampen. Doch sie machen einen entscheidenden Fehler.

Der Lampenhersteller Osram war verblüfft, als ab Mitte des Jahres 2015 der „Xenon Night Breaker“, eine neu entwickelte Scheinwerferlampe, Monate vor der Markteinführung im Handel auftauchte. Bis Ende 2016 wuchs die Zahl illegaler Verkäufe auf 15000 Stück. Wie konnte das sein? Schnell war klar, die Lampen mussten aus einem der Warenlager gestohlen worden sein. Testkäufer stießen auf eine Berliner Internetfirma, die diese Lampe auf Ebay verkaufte.

Diebe stehlen Lampen für Auto-Scheinwerfer

Der Rest war für die Polizei Routine. Denn anhand des eingestanzten Barcodes ließ sich der Weg der Lampen bis zu einem Speditionsbetrieb in Augsburg zurückverfolgen, wo diese Lampen gelagert wurden. Die Kripo konnte bei Tatverdächtigen noch rund 5000 der geklauten Xenon-Lampen – der Verkaufspreis lag bei jeweils etwa 65 Euro – sicherstellen. Nach den Dieben, fünf Lageristen, die alle zwischenzeitlich verurteilt worden sind, standen jetzt ihre Hehler vor Gericht. Drei junge Männer aus dem Raum Rain am Lech. Wie schon im ersten Prozess begann die Verhandlung mit Gesprächen hinter verschlossenen Türen zwischen Gericht, Staatsanwalt und den Verteidigern. Mit der Zusage des Gerichts, dass sie sehr wahrscheinlich nicht ins Gefängnis müssen, gestanden die Angeklagten, alle Mitte 30, die Taten. Die überraschend milde ausgefallenen Strafen begründete Amtsrichterin Rita Greser im Urteil mit Verfahrensmängeln: „Es hätte umfassend nachermittelt werden müssen. Ein Urteil stand in den Sternen“. So profitieren auch überlastete Ermittler und Justiz, gilt der Fall doch jetzt als abgeschlossen.

Prozess in Augsburg

Einer der Täter hatte nach seinen Angaben in 19 Monaten mehr als 2000 der Xenon-Scheinwerfer verkauft, sein Freund rund 1000 Stück. Ihr Verkaufserlös: knapp 60000 Euro. Beide wurden wegen Betrugs zu Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt sind. Beim dritten Angeklagten verhängte das Gericht eine elfmonatige Bewährungsstrafe. Er hatte, wie er aussagte, nur einige Wochen die Verkäufe für einen der Mitangeklagten übernommen, als dieser krank gewesen sei. Jeder der Verurteilten muss außerdem noch mehrere tausend Euro Bußgeld an gemeinnützige Organisationen zahlen.

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Den Angeklagten war anzumerken, wie erleichtert sie über das Urteil sind. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Ulrich Swoboda, einer der Verteidiger. Kein Wunder. Unter Verweis auf Verfahrensmängel hat das Gericht die Angeklagten davor verschont, den erzielten Verkaufserlös dem Lampenhersteller Osram erstatten zu müssen.

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