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Augsburg

15.11.2019

Wie der Döner nach Augsburg kam - und was ihn hier so besonders macht

Hasan Tekin vor dem Imbiss "Arkadas" in der Maximilianstraße: Der "Dönerstreit" sorgte vor zehn Jahren für Schlagzeilen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Experten erklären, was die Qualität des Gerichts ausmacht und wie es sich weiterentwickelt. Und: Warum der Imbiss "Arkadas" überregional für Schlagzeilen sorgte.

Es ist ein Kommen und Gehen im Dönerladen „Arkadas“ in der Maxstraße. An einem Tisch gleich hinter der Eingangstüre sitzt Geschäftsführer Hasan Tekin. Immer mal wieder grüßt er einen vorbeigehenden Kunden, viele kennt er beim Namen. Seit 30 Jahren betreibt der 58-Jährige Döner-Imbisse in Augsburg. Die Geschäfte laufen gut, vier Filialen hat die Familie Tekin inzwischen. Vor seinem ersten Laden im Univiertel standen die Kunden anfangs Schlange, wie Tekin erzählt. Damals, in den 80er Jahren, war die türkische Spezialität noch nicht sehr verbreitet in Deutschland, die Leute waren neugierig.

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"Schau mal, so ein großer Leberkäs"

Gern gegessen hätten die Augsburger den Döner von Anfang an. Zunächst skeptisch waren vor allem Besucher aus ländlichen Gebieten, erinnert sich Hüseyin Öszoy. „Schau mal, so ein großer Leberkäs.“ Sätze wie diesen schnappte Öszoy des Öfteren vor seinem Dönerimbiss „Hüseyin“ auf. 1984 eröffnete er diesen am Judenberg. Nach eigenen Angaben war er damit der Erste in Augsburg.

Hüseyin Öszoy eröffnete 1984 einen Dönerimbiss am Judenberg.
Bild: Bernd Hohlen

Inspiriert zu dem Vorhaben hatten ihn Dönerläden in Berlin und Hamburg. In Metropolen wie diesen hielt der Döner schon einige Jahre früher Einzug. Qualitätsmäßig könnten die Großstädte mit dem Augsburger Döner dennoch nicht mithalten, sagt Öszoy. „Augsburg ist eine der wenigen Städte, wo der Dönerspieß selbst gebaut wird.“ In anderen Städten würden sich Dönerbuden die Spieße häufig bei Großlieferanten bestellen.

Denn das Bauen eines Fleischspießes, das betont Öszoy, sei eine Kunst. Die vielen Fleischschichten müssen genau aufeinander passen, damit ein Spieß sich gut dreht und nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Einen Fachmann dafür zu finden, sei gar nicht so leicht.

Aus diesem Grund verkaufte Öszoy seinen Laden 1989. Trotz großen Andrangs. Sein Döner-Sandwich für damals 3,50 Mark ging nach seinen Angaben so gut weg, dass ihm regelmäßig schon nachmittags das Fleisch ausging und er schließen musste.

Sein Erfolgsrezept? Qualitativ hochwertiges Fleisch verwenden, sagt Öszoy. 120 bis 150 Gramm reines Kalbfleisch gehören seiner Meinung nach in einen guten Döner. Ausschließlich mit Kalbfleisch belieferte Öszoy auch um die Jahrtausendwende kurzzeitig die damals circa 80 Augsburger Dönerläden, bevor er sich endgültig aus dem Dönergeschäft zurückzog.

Döner wird schon lange gerne in Augsburg gegessen.
Bild: Bernd Hohlen

Inzwischen werde bayernweit fast nur noch Putenfleisch für Döner verwendet, erzählt Ali Tekin. Der 48-Jährige muss es wissen: Er ist Geschäftsführer der Tekin Dönerproduktion GmbH, die Dönerfleisch und vorgebaute Spieße von Königsbrunn aus in den gesamten Freistaat liefert. Etwa drei Viertel aller Augsburger Dönerläden versorgt Tekin nach eigenen Angaben mit Fleisch, darunter den Laden seines älteren Bruders Hasan Tekin.

Bemerkenswert ist, dass die Nachfrage nach vorgebauten Spießen in Augsburg offenbar verschwindend gering ist – 99 Prozent aller vorgebauten Spieße liefere er an Dönerläden außerhalb Augsburgs, sagt Ali Tekin. Also tatsächlich: eine lokale Besonderheit, dass Augsburger Dönerläden ihre Spieße selber stecken. Auch bei „Arkadas“ baut man die Fleischspieße selbst. In die Schlagzeilen schaffte der Laden es vor zehn Jahren aber aus einem ganz anderen Grund.

"Arkadas" in Augsburg: Partygänger kehren hier gerne auf einen Döner ein

Mit das beste Geschäft macht Hasan Tekin nämlich, wenn andere schlafen. Unter der Woche hat er bis 2 Uhr, am Wochenende bis 4 Uhr morgens geöffnet. Viele Partygänger von der Maxstraße kommen dann bei „Arkadas“ auf einen Mitternachtssnack vorbei. Weil viele der Kunden ihren Döner vor dem Laden essen, trug das in den Augen der Stadt zum nächtlichen Lärm in der Maxstraße mit bei.

Um für mehr Ruhe und Ordnung in den frühen Morgenstunden zu sorgen, sprach der Stadtrat 2009 in weiten Teilen der Innenstadt ein „Mitnehmverbot“ für Speisen und Getränke nach 1 Uhr nachts aus. Davon betroffen waren vor allem Imbisse wie „Arkadas“ in der Maxstraße. 1000 Euro Strafe standen auf jeden Döner, der rechtswidrig mit aus dem Laden genommen wurde. Tekin klagte dagegen, mit Erfolg.

An die Zeit erinnert er sich ungern zurück. So viel Stress sei es gewesen, dass er Augsburg habe verlassen wollen. Nach Kolumbien auswandern und dort mit einem Bekannten Dönerlokale eröffnen, so der Plan. Das Spanischlernen hatte er schon begonnen. Doch als Tekin dann den Rechtsstreit gewann, entschied er sich, in Augsburg zu bleiben. Denn einen positiven Aspekt hatte der „Dönerstreit“: Das Geschäft lief danach noch besser. „Für die Werbung hat es sich gelohnt“, sagt Tekin.

Döner in Augsburg: Die Konkurrenz ist groß

Die Konkurrenz in Augsburg ist groß. Eine genaue Anzahl an Dönerläden in der Fuggerstadt ist nicht bekannt. Über 200 Stück seien es womöglich, erzählt man sich in der Branche.

Warum es so viele sind, darüber kann man nur spekulieren. Eine Rolle dürfte der hohe Anteil an Bürgern mit Migrationshintergrund in Augsburg spielen. Etwa 48 Prozent sind es. Darunter sind viele Menschen mit türkischen Wurzeln.

Als die Textilindustrie, in welcher viele türkischstämmige Migranten beschäftigt waren, in den 1980er Jahren zusammenbrach, machten sich viele mit einem eigenen Geschäft – etwa einem Dönerladen – selbstständig. Das erzählt Felicitas Eitel vom Verein „Ausbilden, Arbeiten, Unternehmen“.

Seit vielen Jahren initiiert der Verein Integrationsprojekte in und um Augsburg, arbeitet mit zahlreichen Migranten-Betrieben zusammen. Mit Dönerläden kennt Eitel sich gut aus. „Augsburg hat, was den Döner betrifft, sicherlich einen Standortvorteil. Viele Lieferanten für gutes Dönerfleisch sind in der Region ansässig“, erklärt Eitel. Neben „Tekin“ in Königsbrunn nennt sie Fleischlieferanten in Mering und Illertissen.

Veganer Döner in Augsburg - aus Seitan

Talip Gülbahar ist Geschäftsführer bei "Sevil" in Augsburg.
Bild: Bernd Hohlen

Gutes Fleisch, das sagt Eitel, ist die Grundlage eines guten Döners. Aber der Döner entwickelt sich auch weiter: Längst gibt es vegetarische Angebote. Nicht nur ein Augsburger Dönerladen verkauft inzwischen sogar eine vegane Variante des Döner-Sandwichs.

In einigem Abstand zum regulären Putenfleisch-Spieß dreht sich bei „Sevil“ in der Jakobervorstadt ein etwas kleinerer Dönerspieß aus Seitan. Zur Erklärung: Seitan ist ein Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz.

Bei „Sevil“ wird der vom Spieß abgesäbelte Seitan mit Zwiebeln angebraten, bevor er im Brot landet. Entsprechend gewürzt, komme der vegane Döner dem Original mit Fleisch geschmacklich sehr nahe, sagt Geschäftsführer Talip Gülbahar. „Gewürze sind das A und O bei Dönern.“ Salz, Oregano, Paprikapulver und Knoblauch gehörten in jedes Dönergewürz. Außerdem einige Spezialzutaten, die Gülbahar nicht verraten möchte.

Seit sieben Jahren betreibt er den Laden in der Jakoberstraße. Bereits ein Jahr nach Eröffnung nahm er auf Nachfrage einiger Kunden hin die vegane Variante ins Sortiment auf. Mit Erfolg: Nicht nur aus Augsburg, auch von außerhalb kommen Kunden wegen des Seitan-Sandwiches zu ihm.

Gerade in den letzten Jahren sei der Umsatz mit dem veganen Döner noch weiter gestiegen, sagt Gülbahar. In Zukunft möchte er das vegane Angebot seines Ladens ausweiten. Aber auch dem Original mit Fleisch wird Gülbahar, der selber beide Varianten gern isst, dennoch treu bleiben.

Ob Augsburg eine Döner-Stadt ist? Absolut, sagt Talip Gülbahar: Sein Laden sei ein Treffpunkt auch für Leute von auswärts geworden. „Viele kommen nach Augsburg, um gute Döner zu essen – mit und ohne Fleisch.“

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15.11.2019

Döner aus einem Putenspiess ist kein Döner sondern Verbrauchertäuschung. Echter Döner ist entweder aus Lamm- Schaf- Kalbs- oder Rindfleisch. Vielleicht sollte auch in A mal genauer auf die Branche geschaut werden.

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