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Augsburg

14.02.2019

Wie die Augsburger Stadtteile gegen leere Geschäfte kämpfen

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Beispiel Oberhausen, Ulmer Straße: Einladende Schaufenster sehen anders aus.
Bild: Michael Eichhammer

Plus Jeder Stadtteil hat seine leerstehenden Geschäfte. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch ungeliebte Mieter anziehen. Doch was kann man dagegen tun?

„Die Karies des Einzelhandels“ – so beschreibt Walter Wölfle, Zweiter Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Lechhausen, die Problematik von Leerständen. Und wie im Mundraum gilt auch beim Einzelhandel: Damit das Problem sich nicht ausweitet, muss man es an der Wurzel packen. Der größte „Kariesfall“ in Lechhausen ist das Lechhotel – mit etwa 15 Jahren der längste Leerstand des Stadtteils. Im Herrenbach dagegen bereiten Leerstände im Schwabencenter seit geraumer Zeit Kopfschmerzen. Glaubt man den Plänen der Betreiber, soll das, was Anfang der Siebzigerjahre als Vorzeige-Einkaufszentrum galt, im Sommer dieses Jahres wieder zurück in die Zukunft vitalisiert werden.

Zahlreiche Unternehmer- und Interessensgemeinschaften engagieren sich ehrenamtlich für die Strahlkraft ihrer Stadtteile und werden dabei teils von der Wirtschaftsförderung unterstützt. Andreas Schlachta von der Arge Kriegshaber führt Leerstände unter anderem auf unrealistische Mietpreisvorstellungen und den Mangel an Fachpersonal zurück.

Wünsche der Kunden machen es schwierig

Auch der Kundenwunsch, alles an einer Stelle kaufen zu können, mache es dem Einzelhandel schwer. Im Austausch mit dem Wirtschaftsreferat versuche man aber, Leerständen entgegenzuwirken und Interessenten zusammenzubringen. Susanne Manz, Vorsitzende des Vereins Unser Haunstetten, weiß, dass viele Bürger die Rolle der Hofackerstraße als Hauptgeschäftsstraße vermissen. Die Hoffnung im Kampf gegen Leerstände und wenig ansehnliche Schaufensterfronten liegt auf einem neuen Investor, der „hier etwas ganz Besonderes“ plane, so Manz.

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„Wir haben aktuell drei Leerstände aufgrund von Ableben der Inhaber und Insolvenzen“, berichtet Christine Deschler, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Pro Bärenkeller. Aus drei anderen, ehemals gewerblichen Leerständen wurde Wohnraum geschaffen.

„Leerstände drücken eine Verarmung und Verwahrlosung des Geschäftslebens aus“, findet Anne Breidenbach von der Aktionsgemeinschaft Hochzoll. Der ehemalige Sitz der Hypobank an der Friedbergerstraße steht seit etwa fünf Jahren leer. Immer öfter werden auch in Hochzoll ehemalige Leerstände in Wohnraum umgewandelt. Nach zehn Jahren des ungewissen Schicksals des Zwölf-Apostel-Platzes ist nun der Umbau Realität geworden. Auch der Rewe wird, ein paar 100 Meter versetzt, neu gestaltet. Das Gebäude wurde abgerissen.

Wer folgt auf das Café Schenk?

In Pfersee steht das ehemalige Schuhhaus Bögle schon seit Längerem leer. Die Metzgerei Reiter schloss im September 2018 für immer. Das Café Schenk zieht in die Maxstraße. Andreas Veh, Vorsitzender von Pfersee aktiv ist aber zuversichtlich: „Die Leute aus Pfersee schätzen den Handel vor Ort und sind bereit, ihn zu unterstützen.“

Von der Insolvenz von Lechbäck war auch die Filiale in der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße in Göggingen betroffen. Dieter Kleber, Vorsitzender von Wir in Göggingen, erklärt: „Unsere Unternehmergemeinschaft will den Stadtteil voranbringen – in ökonomischer, sozialer und kultureller Sicht.“ Der Hintergedanke: „Geht es dem Stadtteil gut, geht es auch den Unternehmen vor Ort gut.“ Bekannte Beispiele: die italienische Nacht im Gögginger Park und „Die Wege der Kunst“, wo Künstler ihre Werke in Geschäften ausstellen können.

Die Signalwirkung eines dauerhaften Leerstandes ist natürlich keine gute. Doch ein ungünstiger Nachmieter oder eine Anhäufung von deckungsgleichen Anbietern ist kaum besser. In Oberhausen beispielsweise gelten Teile der Ulmer Straße als schwer vermittelbar. Hier und anderswo stellt sich die Frage: Wie viele Nagelstudios, Friseur-, Matratzen- und Tattoo-Läden verträgt eine Straße? Hannelore Köppl, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Oberhausen, empfindet nicht alle Ansammlungen gleicher Branchenvertreter per se als Problem. Wettbüros beispielsweise würden einen Image-Schaden verursachen, doch habe sie „kein Problem damit, wenn noch ein weiterer Brautkleider-Laden mit schöner Auslage dazukommt“. Im Gegenteil: „Diese Fachgeschäfte haben einen guten Ruf, da kommen bisweilen Leute aus ganz Deutschland zum Shoppen.“

Sorge vor dem "Trading-Down-Effekt"

Über das Schicksal von Leerständen und die Nachfolge entscheiden nicht zuletzt die Immobilieneigentümer. „Der bestbezahlende Mieter ist nicht zwingend der mit dem besten Gewerbe“, so Peter Fischer von der Aktionsgemeinschaft Lechhausen. Etablissements wie Spielsalons würden ein Publikum anziehen, welches den Nachbargeschäften mehr schadet, als nutzt. So würde der Vermieter den sogenannten Trading Down-Effekt vorantreiben und langfristig nicht nur dem Einzelhandel in der Umgebung, sondern auch sich selbst schaden. Denn die Negativspirale kann am Ende ein ganzes Viertel unattraktiv machen. „Das letzte Wort hat der Immobilienbesitzer“, weiß Fischer. „Wir lassen nichts unversucht, um Vermieter zu sensibilisieren.“ Auch der konstruktive Dialog mit der Politik trage Früchte, wie sich an geplanten Projekten wie der Sanierung von Schlössle und Grüner Kranz zeige.

Auch die Stadt versucht, mit Eigentümern leer werdender Flächen über Entwicklungsmöglichkeiten zu sprechen. Direkte Einflussmöglichkeiten auf Leerstände seien allerdings begrenzt, räumt die Zweite Bürgermeisterin und Wirtschaftsreferentin Eva Weber ein. „Als Stadt können wir jedoch für attraktive Rahmenbedingungen sorgen – vor allem mithilfe der Städtebauförderung.“ Beispiel Jakobervorstadt: Hier sollen unwirtliche Straßen- und Platzräume, Trading-down-Effekte, knappe Freiflächen, hoher Parkdruck und Schleichverkehr bekämpft werden. Auch wurden Bebauungspläne angepasst, um weitere Ansiedlungen von Vergnügungsstätten wie Spielcasinos oder Tanzbars auszuschließen. Die Attraktivität eines Stadtteils beflügelt auch den Einzelhandel, so die These. Und anders herum: „Stirbt der Einzelhandel, stirbt der Stadtteil, das ist eine ganz einfache Formel“, sagt Walter Wölfle.

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15.02.2019

Na gut man kann hier geteilter Meinung sein, für mich liegt es nicht nur an den Mieten die verlangt werden. Für mich ist das größte Problem der Kunde, der immer fauler wird seinen Allerwertesten aus der Wohnung zu schieben und vor Ort oder im Umkreis einkaufen zu gehen. Ist doch viel einfacher den Computer einzuschalten, nebenher noch TV zu schauen und dann Paket für Paket zu bestellen. Dann sich über die Belastung der Umwelt zu beschweren, woher kommt den der Verkehr auf den Straßen bestimmt nicht davon das jeder um die Ecke zu Fuß einkaufen geht. Aber Hauptsache bei Rettet die Bienen unterschrieben.

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