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Augsburg

08.09.2020

Wie die Augsburger Textilfirma Greif gegen die Corona-Krise ankämpft

Die Firma Greif meldete bereits im März Kurzarbeit an. Nun, fast ein halbes Jahr später, sind noch immer viele Mitarbeiter der Gruppe davon betroffen.
Bild: Michael Hochgemuth (Archiv)

Plus Greif meldete als erste große Firma in Augsburg Kurzarbeit an. Chef Markus Greif spricht über massive Umsatzeinbrüche – und davon, wie es weitergehen könnte.

Die Corona-Pandemie hat viele Bereiche der Wirtschaft massiv getroffen: Es wird weniger produziert, Arbeit fehlt. Einzelne Branchen werden von Corona so komplett ausgebremst. Der erste große Betrieb im Wirtschaftsraum Augsburg, der im März Kurzarbeit beantragte, ist das textile Dienstleistungsunternehmen Greif mit Sitz in Augsburg. Nun erzählt Firmenchef Markus Greif, wie sich die Situation entwickelt hat. Er spricht von Einbußen und großen Herausforderungen – aber auch von Perspektiven.

Firmenchef Markus Greif rechnet nicht mit einem schnellen Ende von Corona.
Bild: Michael Hochgemuth (Archiv)

Von Anfang an war die Firma offen mit der Situation umgegangen. Es war dennoch ein Schock, als die Nachricht im März bekannt wurde. Greif vermietet unter anderem Wäsche an Hotels und Lokale. Die Firma mit 500 Mitarbeitern allein in Augsburg stelle vorübergehend den Betrieb ein, hieß es im März. Knapp ein halbes Jahr später sagt Firmenchef Markus Greif, das Traditionsunternehmen kämpfe weiter gegen die wirtschaftliche Krise.

Kurzarbeit in der Region Augsburg: Viele Firmen sind betroffen

Sehr viele Unternehmen setzen längst auf das Instrument der Kurzarbeit. Im Wirtschaftsraum Augsburg sind es gegenwärtig 40 Prozent aller Betriebe. Es ist ein fließender Prozess: Im August sind nach Angaben der Agentur für Arbeit nochmals 63 Betriebe neu hinzugekommen. Seit März gingen bei der Arbeitsagentur knapp 7300 Anzeigen von Firmen ein, die Kurzarbeit beantragten. Betroffen sind davon Zehntausende Beschäftigte.

Die Statistik hinkt allerdings der Entwicklung zeitlich hinterher. So werden jetzt erst die Daten für April veröffentlicht. Da waren laut einer Hochrechnung der Arbeitsagentur insgesamt 4735 Betriebe in der Region in Kurzarbeit. Betroffen waren davon 41.700 Beschäftigte.

Dazu gehörten von Anfang an Mitarbeiter der Firma Greif. Die im Frühjahr beantragte Kurzarbeit galt für den Hotelwäsche-Betrieb. Geschäftsführer Markus Greif äußerte sich im März zur Lage des Unternehmens: „Der Zusammenbruch der deutschen und österreichischen Hotellerie und Gastronomie trifft uns als Zulieferer und Dienstleister für Textilien bis ins Mark.“ Die Aufrechterhaltung des normalen Betriebes sei hinsichtlich der Gesundheit der Mitarbeiter und aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr haltbar. Die Greif-Gruppe beschäftigt insgesamt weit mehr als 1000 Mitarbeiter. Greif ist deutschlandweit tätig.

So ist aktuell die Situation bei der Firma Greif

Markus Greif sprach vor einigen Monaten „von einer der größten Herausforderungen in unserer fast hundertjährigen Firmengeschichte“. An dieser Einschätzung hat sich auch im Herbst 2020 nichts geändert. Dies zeigt sich an aktuellen Zahlen: In Augsburg sind 317 Mitarbeiter von insgesamt 466 Kollegen am Standort in Kurzarbeit. In der gesamten Greif-Gruppe sind es 670 Beschäftigte von insgesamt 1188. Die Kurzarbeit ist dabei unterschiedlich ausgelegt: Von 100 Prozent bis zehn Prozent Kurzarbeit ist alles dabei.

Der Firmenchef bewertet das Instrument „grundsätzlich sehr positiv, um Mitarbeiter zu halten“. Nach Corona brauche die Firmengruppe „die guten Leute natürlich wieder voll im Einsatz“. Der Fachkräftemangel betreffe die Greif-Gruppe natürlich auch.

Markus Greif gibt sich keinen Illusionen hin, dass das Thema Corona schnell erledigt sein könnte: „Da wir im Jahr 2021 noch kein ,Vor-Corona-Niveau‘ erwarten, begrüßen wir die Diskussionen um die Verlängerung der Kurzarbeit.“ Das Instrument Kurzarbeit sei für die Firma Greif die einzige staatliche Unterstützung, die man in Anspruch nehme. Sofort- oder Direkthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, gebe es bei der vorhandenen Unternehmensgröße nicht.

Vom Tourismus hängt bei der Firma sehr viel ab

Die Firma Greif ist wegen ihres Geschäftsfeldes stark von der Entwicklung im Tourismus abhängig, hier ganz speziell von der Belegung von Hotels und Pensionen. Man spüre die besonderen Auswirkungen der Pandemie auf den Tourismus, erläutert Markus Greif: „Wir haben im Sommer zwar schon vom Ferientourismus profitiert, dies ändert sich nun aber wieder mit Ferienende.“

Bei der Firma Greif wird nur gewaschen, sondern auch geflickt.
Bild: Michael Hochgemuth (Archivfoto)

Wie tief die Einschnitte sind, zeigt sich im Vergleich der August-Zahlen von 2020 und 2019: Im Corona-Jahr wurde nur 70 Prozent des Vorjahresumsatzes erreicht. Noch viel eklatanter zeigt sich die Entwicklung im April. Es war der Monat, in dem die Greif-Gruppe das Geschäft gezwungenermaßen herunterfuhr. Im Vergleich zum April 2019 gab es 96 Prozent weniger Umsatz.

So bewertet die Geschäftsführung die nächsten Monate

Für die nächsten Monate rechnet die Geschäftsführung ebenfalls mit großen Umsatzeinbußen. Die Gründe seien vorhersehbar: Es fehlt das Messegeschäft. Ausgefallene Großveranstaltungen wie das Oktoberfest in München machen sich ebenso bemerkbar wie der deutliche Rückgang an Geschäftsreisen. Weil auch viele Lokale mit Greif zusammenarbeiten, drohe hier ebenfalls ein Umsatzrückgang, so der Geschäftsführer: „Wenn die Gastronomie von außen nach innen verlagert werden muss, könnte sich dies auch auf unser Geschäft negativ auswirken.“

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