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Augsburg

10.01.2020

Wie die kostenlose Cityzone bei den Fahrgästen ankommt

Hinweisschild auf die neue Cityzone am Königsplatz: Seit Jahresbeginn ist die Fahrt mit Bus und Tram rund um Kö und Moritzplatz kostenlos.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Der kostenlose Nahverkehr in der Innenstadt macht bundesweit Schlagzeilen. Eine Rundfahrt zeigt: Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Zwei junge Frauen stehen am Moritzplatz, die Straßenbahnlinie 2 surrt heran, sie steigen ein. Eine Minute später am Rathausplatz endet ihre Fahrt bereits – normalerweise gehen sie so eine Strecke zu Fuß, beteuern beide. Doch heute tragen sie sperrige und schwere Taschen voller Arbeitsmaterial. Die kostenlose Fahrt in der Cityzone kam da sehr gelegen. Seit dem ersten Januar können Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs in Augsburg in der direkten Innenstadt kostenlos fahren. Die Zone erstreckt sich auf die Haltestellen, die von Kö und Moritzplatz aus direkt zu erreichen sind. Mit der Initiative kam die Stadt bundesweit in die Schlagzeilen: In Deutschland gibt es aktuell nur in Pfaffenhofen an der Ilm Vergleichbares, in Viechtach (Landkreis Regen) gibt es immerhin einen kostenlosen Rufbus.

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Die Augsburger Cityzone kommt nicht bei allen Augsburgern gut an

In Augsburg kommt das Konzept gut an, sollte man meinen. Schließlich ist der Schwabe für etwas kostenloses immer zu haben. Nach rund 4500 Schritten und fünf Straßenbahnfahrten Pendelei zwischen Rathausplatz und Theodor-Heuss Platz muss man konstatieren: So einfach ist es nicht. Viele Menschen genießen an diesem sonnigen Tag einen Spaziergang durch die Innenstadt, anstatt die kurzen Wege mit der Tram zu absolvieren. Am Königsplatz steht Daniele Joas und nimmt ein frühes Mittagessen zu sich.

Der 22-jährige Augsburger erklärt, er betrachte das Konzept der Cityzone mit gemischten Gefühlen. „Vielleicht hätte man die Cityzone im Vorhinein noch ausführlicher erklären müssen, ich glaube, viele Kunden sind noch immer verwirrt.“ Positiv sei jedoch, dass man für viele Strecken, die durch die Innenstadt führen, nun nur noch ein Kurzstreckenticket benötige.

Wie die kostenlose Cityzone bei den Fahrgästen ankommt
Alexander Otto
Bild: Jonas Voss

Andere Nahverkehrsnutzer am Königsplatz bezeichnen die Einführung der Cityzone mal schlicht als „super“, besonders für Innenstadtbewohner. Andere erklären, das Konzept sei „grundsätzlich ein Blödsinn“. Sie monieren die zu kleine Zone für Gratisfahrten. Zu Wünschen nach einer Ausweitung erklärt Jürgen Fergg, Sprecher der Stadtwerke: „Natürlich gibt es nachvollziehbare Gründe dafür, etwa von Park-and-ride-Plätzen in die Innenstadt, bis zum Kongress am Park oder durch die Pferseer Unterführung.“ Das sei aber eine Frage der Finanzierung – allein durch die Cityzone würden den Stadtwerken wohl Einnahmen von rund 870.000 Euro im Jahr fehlen. Bereits heute habe der Nahverkehr in der Stadt ein Defizit von 40 Millionen Euro. Eine Ausweitung ist daher zum jetzigen Stand eher unwahrscheinlich.

Die Cityzone dient in erster Linie Augsburgs Luftreinhalteplan

Aussagekräftige Zahlen zu der Nutzung des Angebots soll es erst in mehreren Monaten geben, die Stadtwerke erhielten bisher positives und negatives Feedback. Fergg sagt zum Sinn des Konzepts: „Mit der Cityzone soll in der Innenstadt Parksuchverkehr reduziert und die Innenstadt insgesamt attraktiver werden.“ Das niedrigschwellige Angebot soll vom Nahverkehr überzeugen und zur Luftreinhaltung in Augsburg beitragen.

Eine Haltestelle nach dem Königsplatz – am Moritzplatz – geht es an diesem Vormittag ruhiger zu. Alexander Otto blickt in Richtung Rathausplatz. Die Frage, ob er die Cityzone kennt, verneint er. Der 20-Jährige stammt aus dem Elsass, er besucht die Stadt als Tourist. „Bisher ist mir kein Hinweis auf dieses Konzept aufgefallen“, sagt Otto. „Die Idee ist aber super, das sollte es in Frankreich auch geben.“ Schließlich helfe das Menschen und Umwelt. Vom Moritzplatz aus kann man kostenlos innerhalb der Zone zum Ulrichsplatz fahren – man kann an der Prachtstraße aber auch laufen.

So wie Iris Weiß. Die 46-Jährige arbeitet in Augsburg, wohnt aber woanders. „Von der Cityzone habe ich aus der Zeitung und von Kollegen erfahren“, erklärt sie. Sie halte das Konzept für sehr gut, besonders für nur eingeschränkt gehfähige Menschen oder diejenigen, die etwas Schweres schleppen müssen. „Das hätte ich gerne gehabt, als ich noch in Augsburg wohnte.“

Iris Weiß
Bild: Jonas Voss

Die Cityzone ist bisher einmalig für eine deutsche Großstadt

In der Augsburger Altstadt wohnt Gudrun Paramor. Die Rentnerin nutzt die Cityzone bisher aber kaum. „Ich laufe diese kurzen Strecken lieber, solange es geht.“ Sie sagt, eine Erweiterung des Einzugsbereichs um eine Haltestelle in jede Richtung würde das Projekt aufwerten.

Mit diesem Argument ist Gudrun Paramor keineswegs allein. Immer wieder hört man an diesem Tag den Einwand von Passanten und Nahverkehrs-Nutzern, dass die Cityzone doch um zumindest eine Haltestelle größer sein sollte. Oder die Zone denjenigen nichts nutze, die von außerhalb hindurchfahren, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Und das quer durch alle Altersgruppen und Stadtteile.

Am Theodor-Heuss-Platz wartet Darshan Jain auf seine Straßenbahn. Der 26-Jährige wohnt in Augsburg und erzählt, er fahre jetzt öfter mit geliehenem E-Bike oder E-Auto bis zur Zone und steige dann auf den kostenlosen ÖPNV um. „Mir reicht die Cityzone, so wie sie ist.“ Schließlich geht es mit der Straßenbahn zurück an den Rathausplatz. Drei Haltestellen, mehr als ein Kilometer Laufstrecke, kostenlos. Einmalig in einer deutschen Großstadt.

Lesen Sie auch: Cityzone in Augsburg: Wie funktioniert der kostenlose ÖPNV?

Kommentar: Die Cityzone allein reduziert die Autos nicht

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