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11.03.2013

Wie ein Bild der Natur in Tönen

Ryan Carniaux im Striese

Ihre Musik glich einem Naturereignis. Wie Wellen wurden die Klänge angespült und wieder weggesogen. Das vierstimmige, anscheinend bezuglos freie, sich aber doch aufeinander beziehende Spiel des Ryan-Carniaux-Quartetts im Striese zog in Bann. Pianist Mike Roelofs ließ in einem Intro Harmonien à la Debussy aufsteigen: Natur durch Musik geschehen zu lassen, mit Harmonien zu malen und zu bilden, war für den Impressionismus typisch. Auch Roelofs Fugato-Part mit dem Bläser Ryan Carniaux passte ins Gesamtbild, energetisch geladene, parlierende Läufe mit barockem Anklang über komplexen Jazzharmonien.

Das Gastspiel des international besetzten „Ryan Carniaux Quartet“ aus Köln am Freitag war eine Bereicherung für das Augsburger Kulturleben. Die vier jungen Künstler und Könner – jeder zeigte Erstaunliches auf seinem Instrument – spielten modernen, hypervitalen und schwungvollen, aber traditionsbewussten Jazz; sie ließen durchblicken, wo sie sich überall musikalisch verwurzelten, und führten mit Zitaten etwa zur Jazz-Rap-Band „Us3“. Das war beeindruckend.

Die Musiker verschmolzen mit ihren Instrumenten

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Schnell hatte man sich an den Drive und den Lautstärke-Pegel gewohnt. Drummer Samuel Dühsler und Ryan Carniaux dämpften gekonnt, aber der Ton wurde abgenommen und verstärkt – beinahe ging das Piano dabei unter. Nicht nur die Lautstärke, auch die Performance trug zum enthusiasmierenden Ereignis bei. Der exzellente Bassist Ahmed Eid, der statt Bandmitglied Sebastian Grams spielte und sich bewundernswert einfügte, groovte mit seinem Kontrabass auf Tuchfühlung. Drummer Samuel Dühsler stimulierte sein Schlagzeug, schlug es nicht selten im Stehen. Pianist Mike Roelofs versank förmlich in den Tasten des Klaviers und griff des Öfteren zur manuellen Dämpfung, um seinen virtuosen, quirlig-trocken-farbig-sprechenden Anschlag eine noch trockenere Note abzugewinnen.

Bei diesem Konzert ging es ans Eingemachte. Die Musik hatte Sogkraft. Der Hörer sollte eintauchen in den kontrollierten Wahnwitz – erst das Hochschaukeln bis zur Ekstase, dann das langsame Verklingen. Anfangs ging es nahtlos von einer Nummer zur nächsten. Nach der Pause verteilte Dühsler Percussion-Instrumente im Publikum. So rasselte es im Anschluss auf Absprache im ganzen Raum – ein Super-Audio-CD-Effekt.

Eine charismatische Persönlichkeit

Ruhender Pol im Brausen, ein Inbegriff versunkener Konzentration war der 32-jährige Trompeter und Flügelhornist Ryan Carniaux aus New York City, der seit sechs Jahren in Köln lebt. Er konnte zu atemberaubender Virtuosität explodieren, zu Glissandi, rasanten, perlenden Tonketten, die rau und samtig, bedeckt und schrill klangen, eine charismatische Persönlichkeit, die auf den Spuren seiner Vorbilder wandelte.

Veranstaltet wurde der Abend vom Jazzclub Augsburg. Dabei hatte die Augsburger Jazz-Koryphäe Wolfgang Lackerschmid eine „Scharnierfunktion“: Er hat mit der Band bereits konzertiert und das Debüt-Album von Carniaux in seinem Studio „Traumraum“ aufgenommen. Am 8. Oktober spielt er mit Ryan Carniaux, Bassist Mark Egan und Schlagzeuger Karl Lathan im Augustana-Saal, der Bayerische Rundfunk schneidet dann mit. Den Termin trug sich so mancher Besucher schon vorausschauend im Kalender ein.

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