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Prozess in Augsburg

17.05.2020

Wie ein Geschäft mit angeblichen EM-Trikots im Desaster endete

Drei Männer wollten gefälschte EM-Trikots der Nationalelf verkaufen. Sie landeten in Augsburg vor Gericht.
Bild: Federico Gambarini, dpa (Symbolbild)

Plus Für drei Männer endete ein geschäftliches Abenteuer in einem Desaster. Nach dem Verkauf von angeblichen EM-Originaltrikots landeten sie nun auf der Anklagebank.

Die Erwartungen waren hoch – das Ergebnis am Ende enttäuschend. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich schied das DFB-Team von Jogi Löw im Halbfinale gegen Frankreich nach einer 0:2-Niederlage aus dem Turnier aus. Für drei Männer aus der Region endete ein geschäftliches Abenteuer im Windschatten der EM dagegen sogar mit einem völligen Desaster und jetzt, vier Jahre später, mit einem Platz auf der Anklagebank im Strafgericht.

Das Trio hatte für einen ominösen Geschäftsmann aus Thailand angebliche EM-Originaltrikots der DFB-Elf über die Online-Verkaufsplattform eBay zu äußerst günstigen Preisen offeriert. Doch die Leibchen mit den Logos des EM-Ausstatters adidas und des Deutschen Fußball-Bundes erwiesen sich als plump gefälschte Plagiate. Dass Ebay-Accounts zu zweifelhaften Geschäften genutzt werden, ist inzwischen bekannt. Am häufigsten ist der Betrug durch Fake-Shops, die für angepriesene Waren Vorkasse fordern und dann einfach nicht liefern. Oder eben billige Fälschungen als Markenwaren verkaufen. Beide Versionen der Abzocke in Hunderten von Fällen waren Inhalt einer ellenlangen Anklage, verlesen von Staatsanwalt Benjamin Rüdiger im Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Roland Fink.

Falsche Trikots verkauft: Ein dubioses Angebot von "Herrn Schneider"

Die drei Angeklagten, deren einst freundschaftliches Verhältnis inzwischen arg gelitten hat, räumen über ihre Anwälte Benjamin Prötzel, Manfred Gnjidic und Harald Müller die Vorwürfe ein. Sie sind redselig und um eine klare Sprache nicht verlegen: man habe „halt Sch … gebaut“. Alles begann damit, dass der Hauptangeklagte, ein Sicherheitsmann, 39, seinen Job los war und dringend Geld benötigte. Im Internet stieß er auf die Anzeige eines „Herrn Schneider aus Thailand“, der „gute Verdienstmöglichkeiten von zu Hause aus“ anbot.

Wie ein Geschäft mit angeblichen EM-Trikots im Desaster endete

Das Joint Venture sah so aus: Herr Schneider stellte über den eBay-Account des Angeklagten diverse Waren zum Verkauf ein, schickte diese später per Post an den 39-Jährigen, der die Ware dann an die Kunden auslieferte und über sein Bankkonto abkassierte. Als Provision durfte er 30 Prozent behalten, der Rest floss nach Thailand. Der Sicherheitsmann holte dann am Stammtisch die beiden Mitangeklagten, 35 und 36 Jahre alt, ins Boot, die ihrerseits eBay-Account und Konto für die Deals zur Verfügung stellten. Um gute Bewertungen für ihre Shops zu bekommen, verscherbelten die Angeklagten anfangs lediglich Spaß-Aufkleber mit frechen Sprüchen. Als 2016 die Fußball-EM nahte, witterten die Angeklagten das große Geld mit dem Verkauf von Trikots der deutschen Elf um Manuel Neuer und Thomas Müller. „Herr Schneider“ aus Thailand stellte die angeblichen original Leibchen, die im Handel rund 80 Euro kosteten, für 45 Euro ein. Natürlich ohne eine Lizenz, also die Genehmigung der Markeninhaber DFB und adidas, für den Verkauf zu haben. Der Absatz florierte. Allerdings mit Hindernissen.

Ebay-Verkäufe: EM-Trikots weisen Fehler auf

Die EM war bereits zur Hälfte vorüber, als die Trikots aus Thailand in Deutschland eintrafen. Nach der Auslieferung an die Kunden ging der Ärger aber erst richtig los. Die Trikots waren wohl eher für die im Schnitt kleineren Thais genäht. Sie passten vielen Kunden einfach nicht. Und Käufer, die sich die angeblichen Originale näher anschauten, stellten fest, dass die üblicherweise eingenähten Sicherheitshologramme fehlten.

Und was besonders ärgerlich war: Das Logo des Deutschen Fußballbundes, das auf der Brustseite prangte, stammte aus der Mottenkiste, war also veraltet. Es hagelte Rückläufer und Anzeigen bei der Polizei, die geprellten Kunden forderten ihr Geld zurück – einige sogar persönlich vor Ort.

Adidas spürt die Plagiate auf

Auch der EM-Ausrüster adidas hatte inzwischen die Plagiate durch Scheinkäufe aufgespürt und die Shop-Betreiber wegen Verstöße gegen die Markenrechte finanziell abgemahnt. Der Versuch vor allem des Hauptangeklagten, zu retten was zu retten war, ging ebenfalls schief. „Herr Schneider“ aus Thailand bot I-Phones und Smartphones an, Rolex-Uhren und Goldketten. Die nach Deutschland geschickten I-Phones erwiesen sich als Totalfälschungen, die anderen Geräte wurden erst gar nicht geliefert.

Gerichtsvorsitzender Roland Fink wertete den schwunghaften Handel mit Plagiaten im Prozess als eine „billige Nummer, um schnell Geld zu verdienen“. Das Urteil des Schöffengerichts: Zwei Jahre auf Bewährung für den Sicherheitsmann plus 160 Sozialstunden und eine Geldauflage von 2000 Euro. Er muss überdies Wertersatz von 70.000 Euro leisten. Der 35-jährige Mitangeklagte erhielt zehn Monate auf Bewährung mit Arbeits- und Geldauflagen. Gegen den Dritten wurde das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt. Er muss dafür 5000 Euro an das Hospiz Albatros bezahlen.

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