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Premiere

19.10.2017

Wie ein Weiberheld bekehrt wird

Bernard (Mltte) erklärt seinem Freund Robert (rechts) das ausgeklügelte System, mit drei Stewardessen zeitgleich liiert zu sein – zum Beispiel mit der Amerikanerin Janet.

Theater in der Frauentorstraße präsentiert die Komödie „Boeing Boeing“ als rasantes Vergnügen

Es ist schon ziemlich abgehoben, wie der Pariser Junggeselle Bernard sein Liebesleben organisiert. Sobald eine seiner drei Freundinnen abgehoben hat, ist die Wohnung frei und die nächste kann bei ihm landen. Der Hintergrund ist einfach: Die Damen sind Stewardessen verschiedener Fluglinien. Er hat sie sorgfältig ausgesucht – nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern vor allem nach ihren Dienstplänen.

Solange die Frauen turnusgemäß landen und wieder abfliegen, können sie nie in Bernards Wohnung aufeinandertreffen. Er kann sogar jeder von ihnen die baldige Hochzeit versprechen. Nicht gerade ein faires Arrangement, doch es funktioniert. In der Komödie „ Boeing Boeing“, die das Theater in der Frauentorstraße derzeit auf die Bühne bringt, klappt das jedenfalls ziemlich lange. Doch plötzlich bringt ein Unwetter den Flugplan durcheinander und alle drei Stewardessen beanspruchen gleichzeitig ihren Platz im Schlafzimmer. Bernard hat Glück, dass sein Freund Robert gerade zu Besuch ist. Der Biedermann wandelt sich erstaunlich schnell zum Manager des komplizierten Liebeslebens und wird dabei von der ebenso naiven wie praktischen Haushälterin Berthe unterstützt.

Der französische Autor Marc Camoletti hat eine Komödie geschaffen, die Kritiker in eine Reihe mit den Stücken Shakespeares stellen. Ein hoher Anspruch also. Spielleiter Hans Oebels und sein Ensemble sind ihm voll gerecht geworden.

Am stärksten beansprucht von dem Reigen der Liebhaberinnen ist zweifellos die Haushälterin Berthe. Sie kennt die Eigenheiten und Lieblingsgerichte der Damen genau und füllt den Kühlschrank immer nur mit dem, wonach es Janet, Jacqueline oder Judith gelüstet. Als das Chaos beginnt, wird aus dem betulich-grummeligen Faktotum eine hellwache, ideenreiche Regisseurin, die nie den Überblick verliert und – das Verdienst ihrer Spielerin Heike Ratzer – hinreißend doppeldeutigen Wortwitz entwickelt.

Auch die Wandlung von Robert (Christoph Oebels) ist bemerkenswert. Der Freund aus der Provinz legt seine moralischen Bedenken schnell ab, als es gilt, Bernard vor der Katastrophe zu bewahren. Als die Stewardessen eine nach der anderen eintreffen, vergisst er seine Scheu vor Frauen, genießt deren Aufmerksamkeit und entwickelt sich zum Filou. Judith (Stefanie Eckes) findet seine Küsse so sinnlich, dass sie sogar ihren geliebten Bernard vergisst. Walter Link verändert sich angesichts der drohenden Katastrophe ebenfalls gewaltig. Eben noch der erfolgreiche Innenarchitekt, der das Leben genießt und keine Sorgen kennt, mutiert er zum panischen Nervenbündel. Mit einem erzieherischen Effekt: Als sich das Chaos auflöst, ist er von seiner „Trigamie“ geheilt. Auch Link meistert seine Rolle mit Bravour.

Nicht nur die Akteure verdienen Lob. Die Bühnenbauer zimmerten eine anspruchsvolle Kulisse mit sehr stabilen Türen, die so manches kräftige Zuschlagen verkraften mussten.

21.10. (20 Uhr), 22.10. (18 Uhr), 4.11. (20 Uhr), 5.11. (18 Uhr), 11.11. (20 Uhr), 12.11. und 19.11. (beide 18 Uhr) . Vorverkauf: Telefon 0821/567 90 (Oswald, täglich 14 bis 18 Uhr) oder E-Mail: karten@tif-augsburg.de

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