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Augsburg

01.06.2017

Wie eine App hilft, Arbeitszeiten zu regeln

Im BestHotel Zeller in Königsbrunn wird schon heute versucht, die Arbeitszeiten so flexibel wie möglich zuhalten. Eine App hilft Mitarbeitern – wie Benjamin Holzhauser – und Geschäftsführrerin Gabi Dreisbach bei der Dienstplangestaltung. Sie unterstützen die Forderung nach einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Unternehmen vor allem in der Hotellerie oder Familienbetriebe wollen bei der Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter flexibler sein und sie länger als   zehn Stunden pro Tag einsetzen können. Wie das gelingen kann und was dagegen spricht

Filip Rysanek hat eine neue App – von seinem Chef. Dort kann er seinen Dienstplan einsehen, erfahren, ob seinem Wunsch nach dem freien Abend für einen Konzertbesuch entsprochen wurde und wann eine gute Möglichkeit wäre, Überstunden auszugleichen. Für Rysanek sind das wichtige Informationen, denn er arbeitet als Arbeitsbereichsleiter Küche beim BestHotel Zeller in Königsbrunn. Also in einer Branche, in der flexible Arbeitszeiten zum Jobprofil dazugehören und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zur Herausforderung wird. „Hier hilft uns das neue System weiter“, so Rysanek. Auch Geschäftsführerin Gabi Dreisbach ist überzeugt: „Wir können viel einfacher sehen, wann welcher Kollege im Haus ist oder für einen Spontaneinsatz zur Verfügung steht. Gleichzeitig sehen wir, wann ein Mitarbeiter gerne frei möchte und können über das System schnell Rückmeldung geben, ob das klappt.“ Gerade in einer Branche wie Hotellerie und Gastronomie sei dies enorm wichtig. Für beide Seiten.

Gabi Dreisbach kämpft für mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit und steht hinter den Forderungen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die maximale Tagesarbeitszeit von zehn Stunden zu kippen und zu einer wochenbezogenen Betrachtung zu wechseln. Natürlich, das gibt sie offen zu, um den Betrieb bestmöglich am Laufen zu halten. Aber eben auch, um Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, den Spagat zwischen Job und Privatleben besser zu bewältigen. „Einige unserer 41 Mitarbeiter würden gerne vier Tage je zwölf Stunden arbeiten und dafür mehrere Tage am Stück frei haben“, beschreibt sie. Dies betreffe vor allem Kollegen mit Familie im Ausland. Das aktuelle Arbeitszeitgesetz lässt das aber nicht zu. Filip Rysanek findet das schade. „Wegen einem Tag brauche ich nicht nach Hause zu meiner Familie nach Tschechien fahren“, sagt er und steht deshalb hinter den Forderungen seiner Chefin.

Auch in anderen anderen Branchen steht das Thema flexible Arbeitszeiten hoch im Kurs. Digitalisierung und Globalisierung haben die Arbeitswelt verändert und zu neuen Arbeitsformen geführt. Dem müsse Rechnung getragen werden, fordert die vbw. „Die Mitarbeiter seien bereit, sich darauf einzulassen“, sagt Philipp Erwein Prinz von der Leyen, Vorsitzender der Bezirksgruppe Schwaben. Auch eine große Umfrage der IG Metall unter 680000 Beschäftigten in ganz Deutschland und knapp 9000 Menschen aus 35 Unternehmen in der Region Augsburg kommt zu dem Ergebnis, dass flexibel gestaltete Arbeitszeiten die Zufriedenheit der Arbeitnehmer steigert. Trotzdem wehrt sich die IG Metall gegen eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes. „Wir sehen, dass sich die Mitarbeiter planbare Arbeitszeiten wünschen und solche, die sich an die eigene Lebensphase anpassen lassen. Arbeitszeitflexibilität führt aber oftmals nicht zu mehr Souveränität für die Beschäftigten, sondern eher zu kapazitätsorientierter Arbeitszeit zugunsten des Arbeitgebers“, beschreibt Michael Leppek, Erster Bevollmächtigter in Augsburg. So sei zu erklären, dass die Umfrageteilnehmer sich klar für das derzeitige Arbeitszeitgesetz ausgesprochen hätten. Zudem gebe es bereits Ausnahmeregelungen, die Arbeitszeit zu erhöhen oder Ruhezeiten zu verkürzen. Außerdem müsse die Frage erlaubt sein, wie produktiv und gesund längere Arbeitszeiten seien?

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Dass flexible Arbeitszeiten nicht nur Vorteile für die Arbeitnehmer bringen können, ist Gabi Dreisbach vom BestHotel Zeller durchaus bewusst. Deshalb müsse ein solches Modell auf Geben und Nehmen beruhen: „Es müssen sich beide Seiten bewegen und das in einem vernünftigen Rahmen.“

Dass es schwarze Schafe geben kann, die ein verändertes Gesetz zu ihren Gunsten ausnutzen könnten, will auch Dreisbach nicht abstreiten. Aber manche Branchen oder Familienbetriebe seien schlichtweg auf mehr Flexibilität angewiesen, um dauerhaft überleben zu können. „Da würde uns eine Änderung der Arbeitszeitregelung helfen. Umgekehrt müssten wir Arbeitgeber unseren Teil dazu beizutragen, dass sich der Mitarbeiter damit wohl fühlt.“

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