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Augsburg

26.02.2015

Wie es mit dem Brechthaus weitergeht

Die Stadt Augsburg diskutiert, wie sie in Zukunft mit der Gedenkstätte für den Dichter Bert Brecht umgehen soll.
Bild: Anne Wall

Die Gedenkstätte soll neu genutzt werden, denn als reines Museum eignet sie sich nicht. Im Gespräch ist nun ein Literaturhaus. Doch auch hier gibt es Argumente dafür und dagegen.

Goethes Geburtshaus in Frankfurt ist ein stattliches Gebäude mit vier Etagen. Das von Schiller in Marbach, obgleich ein kleines Handwerkerhaus, macht mit seiner Fachwerk-Fassade einen ordentlichen Eindruck. Bert Brechts Geburtsstätte in Augsburg dagegen ist klein, unscheinbar und – zu allem Übel – baufällig. Ein Ort, den Touristen allenfalls auf dem Weg zur Fuggerei „mitnehmen“. Lange aber verweilt dort kaum einer.

Kritiker: Brecht gehört nicht vermarktet

Das soll sich nun ändern. Wie berichtet, schwebt Kulturreferent Thomas Weitzel die Umwandlung der Gedenkstätte in ein Literaturhaus vor. Ein Konzept liegt als Diskussionsgrundlage vor, erarbeitet hat es der Augsburger Autor Manfred Seiler. Wie er bei einem Treffen des Brecht-Kreises diese Woche betonte, sei es „das Ergebnis massiver Verärgerung“ - einer Verärgerung, die zwei Jahre zurückliegt.

Der damals amtierende Kulturreferent Peter Grab hatte vorgeschlagen, das Haus an die Regio Tourismus zu übergeben. So wie bereits beim Mozarthaus der Fall, sollte die Gesellschaft sich um die touristische Vermarktung kümmern und Veranstaltungen organisieren. Doch Grab erntete Protest: Brecht, sagten Kritiker, gehöre nicht vermarktet und die Regio sei auch nicht befähigt, inhaltlich neue Akzente zu setzen. Am Ende übergab man das Haus den Kunstsammlungen, die es mit Brechtforscher Jürgen Hillesheim und der Regio betreuen. Der Betrieb läuft vor sich hin – rund 7000 Besucher kommen im Jahr.

Brechthaus müsste umgestaltet werden

Seit die neue Stadtregierung im Amt ist, wird nun wieder über die Zukunft des Dichterhauses diskutiert. Nutzungsmöglichkeiten gäbe es einige, von einem reinen Museum, so Weitzel, habe aber selbst die Landesstelle für nicht staatliche Museen abgeraten: Man habe keine authentischen Exponate, die Ausstellung sei textlastig, Brecht habe außerdem nur gut ein halbes Jahr im Haus gelebt.

Auch als touristische Sehenswürdigkeit eigne sich die Gedenkstätte nur bedingt: Gäste verbringen im Schnitt einen Tag in Augsburg, auf ihrer Agenda stehen dann die Top-Ziele Fuggerei und Goldener Saal. Das Brechthaus werde, wenn überhaupt, nur kurz gestreift. Für diesen flüchtigen Eindruck sei es laut Weitzel wichtig, wieder die Situation zu schaffen, die zu Brechts Zeit bestand: Die Fenster zu den Lechkanälen müssten geöffnet werden, damit der Blick frei wird aufs Umfeld. Im Erdgeschoss könnte ein Film auf Leben und Werk hinweisen. „Hier hat man uns geraten, uns auf Brechts Augsburger Zeit zu konzentrieren“, sagt Weitzel.

In den oberen Stockwerken will der Kulturreferent ein Brechtbüro einrichten. Dort säße der neu zu bestellende Leiter des Literaturhauses. Weitzel wünscht sich in dieser Position einen „kreativen Kulturvermittler“, der Projekt- und Festival-Arbeit verbindet. Damit wäre auch die aktuelle Personaldebatte um den Leiter des Brechtfestivals beendet. Die Stelle des Literaturhaus-Chefs würde, wäre sie politisch gewünscht, ausgeschrieben. Das ginge frühestens im Sommer 2016.

Viele Ideen: Nutzung des Brechthauses ist noch offen

Eine Mischung aus Museum und Literaturhaus kommt für Manfred Seiler dagegen weniger infrage. Brecht, sagt er, brauche kein Mausoleum, in dem er „konserviert und mumifiziert“ wird. Das Literaturhaus seiner Vorstellung betriebe keine Denkmalpflege, es würde die „literarische Hinterlassenschaft in durchaus kritischer Grundeinstellung“ weiterführen. Mehrere Punkte sind Seiler wichtig: Er plädiert für die Ausschreibung eines Brechtpreises für Essayistik sowie eine Vortragsreihe zum Friedensfest. Prominente Schriftsteller wie Nobelpreisträgerin Herta Müller könnten die Bedeutung der Lyrik diskutieren, ebenso die Zukunft des gedruckten Wortes.

Die Ansichten über die Zukunft des Brechthauses gehen derzeit noch auseinander. Kurt Idrizovic betonte beim Treffen des Brecht-Kreises, dass Augsburg mit der Neuen Stadtbücherei längst ein Literaturhaus habe. „Es müsste nur genutzt werden.“ Helmut Gier, der ehemalige Leiter der Staats- und Stadtbibliothek, hielte allein wegen ihrer Größe die einstige Komödie für den besseren Ort – denn ins Brechthaus passen höchstens 40 Leute. Nicht zuletzt kam die Frage auf, ob sich Augsburg derzeit überhaupt ein Literaturhaus leisten könne. Antworten wird es erst in Monaten geben ...

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