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Augsburg

05.02.2019

Wie es zum Aus der Kneipe "Endstation" in Oberhausen kam

Früher war hier in der Mennwarthstraße die Endhaltestelle der Straßenbahn nach Oberhausen. Eine neue Linienführung besiegelte das Aus für die Kneipe „Endstation“. Ihre Geschichte reicht mehr als 100 Jahre zurück.
Bild: Bernd Hohlen

Früher befand sich bei der "Endstation" in Oberhausen tatsächlich die Endhaltestelle der Tram. Diese Geschichte steckt hinter der Kneipe, die keine herkömmliche war.

Als wir zum Jahresende eine Fotografie einer ehemaligen Kneipe namens „Endstation“ aus dem Stadtteil Oberhausen auf Facebook veröffentlichten, gab es viele Nutzer, die sich mit lebhaften Kommentaren beteiligten. Darum haben wir uns auf Spurensuche begeben und mit Menschen aus der Umgebung gesprochen. Die Gastwirtschaft „Endstation“ befand sich in der Mennwarthstraße 5.

Die zweihundert Meter lange Straße verbindet die Zollernstraße mit der Kaltenhoferstraße. Mittendrin die „Endstation, die ursprünglich Gasthaus „Zum Grauen Wolf“ hieß und das nachweisbar seit 1913. Im Augsburger Adressbuch aus diesem Jahr ist Josef Koch als Hauseigentümer und Gastwirt genannt. Sogar seine Mitbewohner sind mit Namen und ihren Berufen aufgeführt. Im Haus „Zum Grauen Wolf“ wohnten 1913 Tagelöhner, Buchdrucker, Fabrikarbeiter, Webermeister und ein Fuhrmann. Klassische Berufe dieser Zeit. Beinahe das ganze Jahrhundert hindurch wurde der Betrieb von der Familie Koch geführt.

Sie waren Ausweichquartiere für Männer

Josef Koch vererbte schließlich Gebäude und Geschäft an seine Töchter Olga und Katharina, die es hochbetagt bis in die 1990er-Jahre betrieben. „Sie hießen nicht nur Koch, sie konnten auch gut kochen“, sagt Marianne Schuber vom Oberhauser Museumsstüble. Gut kochen können war von Vorteil, denn die Dichte an Gastwirtschaften war in frühen Jahren sehr hoch. „Sie waren ,Ausweichquartiere‘ für Männer, die mit ihren meist großen Familien in beengten Verhältnissen lebten“, sagt Schuber. Im Augsburger Adressbuch von 1926 finden sich tatsächlich auf neun Seiten annähernd 600 Gastwirtschaften. Umgerechnet auf die damalige Einwohnerzahl waren das statistisch nur 278 Bürger pro Gasthaus.

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Doch die Wohnverhältnisse verbesserten sich und die Familien wurden kleiner. Das hatte negative Folgen für die vielen Gasthäuser, die nach und nach aus dem Stadtbild verschwanden. Nun stand das Gebäude Mennwarthstraße 5 leer. Neue Pächter fanden sich 1999. Zu der Zeit endete hier noch die Straßenbahnlinie 4. Also nannte der neue Gastwirt die Kneipe „Endstation“.

"Endstation" war wohl ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt

Die „Endstation“ war aber keine herkömmliche Kneipe. „Es wurde eher ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt“, sagt Mylen, eine der Töchter des ehemaligen Pächters. „Mein Vater kam aus Rumänien, meine Mutter aus Köln. Wir waren eine große Familie, ich habe noch drei Geschwister. Meine Eltern haben hier von 1999 bis 2018 gewohnt. Sie sind nach Spanien gezogen“, sagt Mylen, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. So heruntergekommen das Haus heute auch aussieht, Mylen hat schöne Erinnerungen daran. Ihr erster Sohn ist hier aufgewachsen. Hinter dem Haus gab und gibt es heute noch ein Baumhaus. Überhaupt spricht sie begeistert von ihrer internationalen Familie, deren Ursprung auch etwas mit der „Endstation“ in Oberhausen zu tun hatte. Ein Ende mit Neubeginn.

Wirtstochter Mylen

„Meine Familie ist rumänisch, serbisch, brasilianisch, afrikanisch und arabisch geprägt. Wir haben so viele Feste in dem Haus gefeiert. Mein Vater ist ein sehr toleranter Mensch. Er hat sogar Zimmer an Bedürftige vergeben. Ein paar Monate nachdem es hier keine Endhaltestelle mehr gab, hat er das Geschäft geschlossen“, sagt Mylen. Seit 8 Juni 2001 fährt die Straßenbahn Linie 4 die Donauwörtherstraße weiter bis Oberhausen Nord. Damit war das Ende der „Endstation“ besiegelt.

Für Dieter Benkard, SPD-Stadtrat aus Oberhausen, ist der jetzige Zustand ein Unding. „Ich hoffe, das Gebäude wird abgerissen und es folgt eine Wohnbebauung“, sagt er ganz pragmatisch. Mylen stimmt dem schlechten Zustand des Gebäudes zwar zu, aber sie sagt: „Für mich verbirgt sich sehr viel Schönheit hinter der Fassade“. Erinnerungen, die mit einer Fotografie auf Facebook wieder auflebten.

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