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Augsburg

06.05.2017

Wie geht es mit dem Marktsonntag weiter?

Im Jahr 2015 waren sie die Hingucker des Marktsonntags: Regenschirme in der Annastraße.

Zehntausende werden am Marktsonntag kommen. Dann entscheidet ein Gericht, ob das künftig noch erlaubt ist. Es gibt auch Geschäftsleute, die mit einem Verbot leben könnten.

Auch wenn die Wetterprognose für Sonntag nicht rosig ist, sollten Anhänger des Bummelns und Einkaufens den Tag in der Stadt nutzen. Denn es könnte der vorerst letzte große Marktsonntag in der Augsburger Innenstadt sein. Das hängt von der anstehenden Gerichtsentscheidung ab. Manche Einzelhändler wären über ein Verbot allerdings nicht allzu traurig.

Wie berichtet, wird am 24. Mai vor dem Verwaltungsgericht München über die beiden jährlichen Marksonntage in Augsburgs Innenstadt verhandelt. Heinz Stinglwagner von der City Initiative Augsburg (CIA), die die Marktsonntage organisiert, hat kein gutes Gefühl. „In anderen Städten waren Klagen gegen Marktsonntage meistens erfolgreich. Wenn es bei uns auch so kommt, muss man sich als nächstes fragen, wie es dann mit Marktsonntagen etwa in Neusäß und Friedberg weiter geht.“ Gegen den Marktsonntag in der Fuggerstadt klagt die „Allianz für den freien Sonntag“, ein Verbund von Gewerkschaft und kirchlichen Arbeitnehmerorganisationen. Sie kritisiert, dass der Europatag an diesem Sonntag und das Turamichele-Fest im Herbst keine konkreten Anlässe für einen Marktsonntag seien. Nicht betroffen von der Klage sind die Marktsonntage in Lechhausen und Oberhausen.

Marktsonntag: "Sie schauen, aber kaufen nichts"

Zehntausende Besucher werden bei gutem Wetter von 13 bis 18 Uhr in der Innenstadt erwartet. Man könnte meinen, dass das Geschäft dann brummt. Das ist aber längst nicht in allen Geschäften der Fall. „Unsere Kunden vermeiden diese Tage“, sagt Augenoptikermeister Harald Kindig, der mit seiner Frau das Geschäft in der Philippine-Welser-Straße betreibt. „Es ist einfach nicht unser Publikum. Viele wollen am Marktsonntag etwas umsonst.“ Den Geschäftsleuten bleibt selbst überlassen, ob sie öffnen. Auch wenn sie an diesen Tagen erfahrungsgemäß keinen großen Umsatz macht, steht die Inhaberin eines Dessous-Geschäftes trotzdem im Laden. „Sonst ist das Gerede groß, dass ich es nicht mehr nötig hätte“, sagt die Geschäftsfrau, die ihren Namen nicht nennen will. Sie glaubt, dass an Marktsonntagen überwiegend die Gastronomen profitieren.

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Auch die Familie Kahn, die den Modeladen „Kaufrausch“ in der Innenstadt betreibt, findet den Marktsonntag für ihr Geschäft uninteressant. „Nur weil die Leute einen Tag mehr zum Shoppen haben, geben sie nicht mehr Geld aus“, meint Jasmin Kahn. Ähnlich sehen es manche Geschäftsleute auf dem Stadtmarkt. „Das Klientel am Marktsonntag ist anders. Es sind viele Leute aus dem Umland. Sie schauen, aber kaufen nichts“, berichtet eine Geschäftsfrau über ihre Erfahrungen. „Viele betrachten den Marktsonntag als Zeitvertreib und Event.“ Auch eine Obstverkäuferin sagt: „Es rentiert sich für uns nicht.“ Carina Schmidt vom Bekleidungsgeschäft Vero Moda hingegen bescheinigt den Marktsonntagen schon ein gutes Geschäft. Aber aus der Perspektive der Mitarbeiter wäre es nicht tragisch, wenn Marktsonntage nicht mehr stattfänden, sagt sie. „Für uns gibt es keinen Zuschlag und wir arbeiten sowieso schon an den Wochenenden.“

"Eine wichtige Werbefunktion für Augsburg"

Heinz Stinglwagner von der CIA weiß, dass verkaufsoffene Sonntage nicht riesige Umsätze bringen. Dennoch hält er sie für wichtig. „Sie haben eine wichtige Werbefunktion für Augsburg.“ Es sei eine andere Art, Sonntags eine Stadt zu erleben. „Hier kann ich mit der Familie bummeln und flanieren.“ Der Citymanager fände eine Abschaffung des Marktsonntages schlimm und außerdem alles andere als zeitgemäß. Schließlich wolle man den Handel und die Innenstädte doch gegen die Konkurrenz im Internet stärken. „Online kann man 24 Stunden lang einkaufen.“ Auch Sascha Schönherr, Manager der City-Galerie, fände eine Abschaffung der Marktsonntage ärgerlich. „Sie haben eine enorme Imagewirkung für das Ferneinzugsgebiet“, findet er. Man müsse viel tun, um Kunden vom Online-Shopping auf dem heimischen Sofa wegzubekommen. Diese Sonntage sind seiner Meinung nach wichtig. „In Augsburgs Innenstadt sind es doch sowieso nur zwei.“

An diesem Marktsonntag haben die Geschäfte in der Innenstadt und in der City Galerie von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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