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Augsburg

23.04.2015

Wie gut stehen die Chancen für einen Tatort in Augsburg?

Soll Augsburg einen Tatort mit eigenen Ermittlern bekommen? Viele sagen, der Stadt würde das zu mehr Bekanntheit verhelfen.
Bild: Silvio Wyszengrad, Montage: Bernhard Dietrich

Franken hat seinen TV-Krimi, Oberbayern auch. Jetzt träumt so mancher schon von einer Verfolgungsjagd auf der Maxstraße. Doch was sagt eigentlich der Bayerische Rundfunk dazu?

München und Nürnberg haben das Fernsehen, Augsburg mal wieder das Nachsehen: Wenn Deutschland Sonntagabend zu bester Krimizeit vor der Glotze sitzt, ermitteln dort Kommissare aus Oberbayern und Franken. Schwaben dagegen ist ein weißer Fleck auf der Tatort-Karte.

Augsburger Tatort: Ein Vorstoß müsste wohl aus der Politik kommen

So mancher Augsburger findet das ärgerlich: Als ob Bayerns drittgrößte Stadt nicht spannend genug wäre für einen TV-Krimi. Sollte sich also nicht mal jemand bei der ARD für einen weiteren Bayern-Tatort ins Zeug legen? Oberbürgermeister Kurt Gribl immerhin hat’s schon getan – augenzwinkernd, vor einigen Jahren.

Damals gab er dem Berliner Tagesspiegel ein Interview und pries, gemeinsam mit anderen deutschen Oberbürgermeistern, seine Stadt als Drehort an: Die Augsburger, sagte er, „gelten zwar als grantig, ihnen liegt nicht gerade das Herz auf der Zunge, aber unsere Äußerungen sind hintergründig, in ihnen schwingt schwäbische Bescheidenheit mit.“ Wenn das nicht nach einer guten Vorlage für ein schräges Ermittler-Team klingt.

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So schwierig wie mancher Tatort-Fall ist aber offenbar der Weg zum Fernseh-Krimi: Für Nürnberg, ist zu hören, legte sich Finanzminister Markus Söder ins Zeug. Auch Augsburgs Tourismus-Chef Götz Beck glaubt, dass ein Vorstoß in erster Linie von der Politik kommen müsste; die Regio könnte aber unterstützend aktiv werden.

Lokalpolitiker: Wichtigere Augsburger Themen haben Priorität

Augsburgs Politiker allerdings sehen das Thema differenziert. „Eine Verfolgungsjagd durch die Maximilianstraße, das wäre doch sicherlich spannend“, sagt Gabriele Thoma ( SPD). Dass die Augsburger Stadtregierung in München wegen eines Tatorts vorstellig wird, kann sie sich aber nicht vorstellen: „Wir haben mit unserer Theatersanierung tatsächlich wichtigere Themen.“

Grünen-Stadträtin Verena von Mutius ist der gleichen Meinung – selbst wenn es schön wäre, einen Tatort zu haben. „Für die Beachtung der Stadt wäre es gut, das sieht man ja beim FCA.“ Ein Vorstoß bei der ARD sollte aber nicht von offizieller Seite kommen. „Das könnte auch von Bürgern ans Fernsehen herangetragen werden.“

Volker Schafitel (Freie Wähler) ist zwar bekannt für außergewöhnliche Vorstöße im Stadtrat, mit einem Augsburg-Tatort liebäugelt er jedoch nicht: „Von unserer Ausschussgemeinschaft kommt da sicherlich kein Antrag.“ Warum? Weil Augsburg sein Potenzial in Sachen Stadtmarketing noch nicht ausgeschöpft habe: „Wir sollten uns lieber bemühen, unsere Museen und unsere Geschichte öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.“

Den Tatort nach Augsburg zu holen, sei sicherlich kein kulturpolitisches Ziel der Stadtregierung, sagt Kulturreferent Thomas Weitzel. Unterstützung bekommt er von Andreas Jäckel, dem kulturpolitischen Sprecher der CSU. Der übrigens „absoluter Tatort-Fan“ ist und manchmal am Sonntagabend zum Public Viewing ins „Thing“ in der Altstadt geht. Dann aber nennt Jäckel Themen, die in Augsburg fast ebenso spannend sind wie ein Kriminalfall, die aber leider sehr ernsten Hintergrund haben: Uniklinik, Theater – „damit haben wir wirklich genug anderes zu tun“.

Experte: Tatort wertet Image von Städten nicht immer auf

Tatsächlich gehen die Meinungen, was ein Tatort einer Stadt bringen kann, auseinander. Tourismusdirektor Götz Beck glaubt, dass er für das Image Augsburgs nur förderlich wäre: „Man kommt ins Gespräch, der Tatort bindet meist die Stadt sympathisch ein, man spielt mit dem Dialekt.“ Nur was die Kulissen betrifft, sei die ARD-Reihe sparsam: „Die sind oft so wenig eindeutig, dass man die Städte gar nicht erkennt.“

Stefan Leuninger von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) ist ebenfalls Fachmann, wenn es darum geht, Städte ins rechte Licht zu setzen. Derzeit betreut er Augsburg bei der Entwicklung eines neuen Vermarktungs-Konzepts. Einen Augsburg-Tatort sieht er skeptisch: Tatort-Städte gebe es deutschlandweit genug.

Wie ein Krimi bei den Zuschauern ankomme, hänge zudem „unmittelbar mit der Beliebtheit der Kommissare bzw. Schauspieler zusammen“. Die Stadt selbst sei wenig ausschlaggebend. Für Augsburg sieht Leuninger andere Potenziale: „Wir haben so viele schöne Themen – ich glaube, wir können andere Schwerpunkte setzen.“

Bayerischer Rundfunk: Aktuell kein dritter Tatort aus Bayern geplant

Einer, der sich mit Krimis auskennt, ist Volker Klüpfel. Gemeinsam mit Michael Kobr hat er seinem skurrilen Allgäuer Ermittler Kluftinger bereits acht Kriminalfälle „verschafft“. Von einem Augsburg-Tatort hält Klüpfel dagegen nichts: „Man verliert die Deutungshoheit über seine Stadt, denn wie ein solcher Film aussehen wird, darauf hat man keinen Einfluss.“

Will heißen: Wenn das Regie-Team einen Krimi im Drogenmilieu spielen lassen will, bekomme Augsburg eben mal flugs eine Drogenszene verpasst. Und Klüpfel nennt ein weiteres Argument gegen einen Augsburg-Tatort: „Krimis zeigen Städte oft sehr düster. Da sagt doch nach dem Anschauen keiner: Oh, wie schön, da möchte ich mal hinfahren.“

Beim Bayerischen Rundfunk ist man begeistert über den Erfolg des Franken-Tatorts. „Das veranlasst uns aber nicht, sofort an einen weiteren Tatort aus einer anderen bayerischen Region zu denken“, sagt BR-Sprecherin Sylvie Stephan.

Die Anzahl der Tatorte, die die Landesrundfunkanstalten der ARD zuliefern, ist ohnehin festgelegt, Bayern steht nach München und Franken kein dritter zu. Es sei aber nicht auszuschließen, „dass es mal einen Tatort aus Augsburg geben wird, oder aber ein BR-Sonntagskrimi einmal Augsburg als Spielort mit einbeziehen wird“, sagt Stephan. Im Moment sei dies jedoch nicht geplant.

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