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Augsburg

13.01.2017

Wie junge Augsburger den Möbelbau revolutionieren wollen

Thomas Poddey hat zusammen mit Freunden ein magnetisches Verbindungssystem für den Möbelbau entwickelt.
Bild: Michael Hochgemuth

Erfindungen klingen oft so leicht und doch genial - auch die von einigen jungen Augsburgern. Wieso es dennoch so schwer ist, aus der Idee Kapital zu schlagen.

Oft sind es die ganz einfachen Ideen, die am Ende große Wirkung entfalten. Denkt man nur an Tipp-Ex, die Eisschirmchen oder den Smilie. Wer hat nicht schon einmal für sich selbst gedacht: „Ach wäre mir das nur eingefallen, ich hätte finanziell ausgesorgt.“ Doch ganz so einfach wie es klingt, ist es nicht. Mit der reinen Idee und einem Prototypen kommt man oft nicht weit. Diese Erfahrung musste nicht nur die Erfinderin der Korrekturflüssigkeit, Bette Nesmith Graham, machen. Auch für andere Jungunternehmer ist der Weg zum Erfolg oft weit. Das wissen auch die Inhaber des Augsburger Unternehmens Pazls.

„Alles begann 2013 mit einer Idee beim Döneressen“, erzählt Thomas Poddey. Damals hatten er und seine Freunde Julian Bäßler und Phillip McRae die Idee, dass der Aufbau von Möbeln viel leichter wäre, könnte man die einzelnen Bauteile ganz einfach per Magnet zusammenklicken. Also gründeten sie ein Start-up, das Magnetverbindungen für den Möbelbau entwickelte. Die Technologie dahinter: In dem einen Bauteil steckt eine magnetische Aufnahme, die bei Verbindung mit einem zweiten Bauteil einen dort integrierten Pin anzieht und einrastet.

Oben im Brett sitzt der Magnet, der den Stift anzieht und so die Bretter verbindet.
Bild: Michael Hochgemuth

 Bewegt man die beiden Bauteile mit etwas Kraft wieder auseinander, löst sich die Verbindung. Der Auf- und Abbau von Möbeln soll auf diese Weise so einfach gehen, wie das Zusammensetzen eines Puzzles. Ganz ohne Werkzeug, ganz flexibel. Ideal geeignet für alle, die öfter umziehen müssen oder für den flexiblen Messe- und Ladenbau.

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Die Augsburger verhandeln mit Schrankherstellern

Klingt nach einem Kassenschlager – zumindest aus Sicht handwerklich weniger begabter Menschen und angesichts der Tatsache, dass Flexibilität und Schnelligkeit zunehmend wichtige Wettbewerbsfaktoren sind. Doch der Erfolg stellte sich für Pazls nur langsam ein. Immerhin: Die Idee gefiel der Branche. Vor eineinhalb Jahren erhielt das Augsburger Unternehmen einen ersten Preis für seine Erfindung. Wir berichteten darüber und erzählten auch, dass die Jungunternehmer Investoren suchten, um ihre Idee weiter zu entwickeln. Denn obwohl die Einfachheit und Cleverness der Erfindung überzeugten, fehlte es an ausreichend Kunden. „Wir hatten immer wieder Anfragen von Unternehmen, aber große Firmen wollen keinen Prototypen, sondern ein fertiges Produkt, das sie sofort und sicher verwenden können“, erklärt Poddey.

Man habe also weiter an der Idee getüftelt und sei bewusst der amerikanischen Denkweise von Start-ups gefolgt: Früh mit einem Produkt an den Markt gehen, auch wenn es nicht perfekt ist, und sich das Feedback einholen. Um daran festhalten zu können, musste immer mal wieder die Familie mit einer Finanzspritze helfen oder einer der Jungunternehmer nahm einen Nebenjob an, um die Kasse wieder aufzufüllen. „Start-ups sind keine Currywurstbude auf dem Kudamm: Wenn man den Laden aufmacht, läuft es “, beschreibt Poddey, warum Aufgeben nicht infrage kam und Geduld offenbar die richtige Erfolgsstrategie war. Denn so langsam trägt die Arbeit Früchte: „Wir haben unser Produkt so lange verbessert, bis es für den Markt passt, bis man das Geschäftsmodell skalieren kann. An dem Punkt sind wir jetzt angekommen“, so Poddey. Das Unternehmen bekomme bei immer mehr Firmen einen Fuß in die Tür, um konkret über ihr Produkt verhandeln zu können. Darunter auch ein bekannter Schrankhersteller, dessen Namen Poddey noch nicht nennen möchte.

Preis für innovative Ideen gewonnen

Auch finanziell kommt das Start-up immer besser in Fahrt. „Bisher haben wir rund 10.000 Euro in unser Unternehmen investiert. Um es aber auf tragfähige Beine stellen zu können, müssen wir einen mittleren sechsstelligen Betrag aufbringen. Wir haben dafür einen Kredit bekommen und weitere Investoren gefunden“, rechnet Poddey vor. 2018 wollen er und seine Mitstreiter soweit sein, dass sich das Unternehmen selbst trägt.

Dabei helfen soll ab Mai der Onlineverkauf einer neuen eigenen Möbellinie. Für Werbung in der Branche sorgt zudem die am Sonntag in Köln folgende Auszeichnung mit dem Iconic Award Interior Innovation in der höchsten Klasse „best of the best“ – ein anerkannter Preis für innovative Ideen in der Einrichtungsbranche, der unter anderem auch an Rolf Benz, Rosenthal und Vorwerk vergeben wird. Weil alle Preisträger bei der internationalen Möbelmesse in Köln ausstellen dürfen, hofft Poddey darauf, weitere Interessenten für die magnetische Verbindungstechnologie gewinnen zu können. Dann könnten die Zeiten von privaten Finanzspritzen und Nebenjobs bald vorbei sein und Poddey und Kollegen wäre gelungen, was Bette Nesmith Graham schaffte: Mit einer einfachen Idee große Wirkung erzielen.

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