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Augsburg

26.04.2019

Wie lange bleibt der Augsburger Bahnpark noch zu?

Der Bahnpark bleibt voraussichtlich noch bis zum Jahr 2020 geschlossen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Betreibergesellschaft des Bahnparks arbeitet an einer finanziellen Lösung für die Zukunft, doch es gibt offene Fragen. Für Besucher hat das Folgen.

Die Dampflok schnauft und pfeift, im Heizkessel lodert das Feuer. Die Welt der Eisenbahn, wie sie früher einmal war, fasziniert viele Menschen. Vor drei Jahren hatte der historische Bahnpark in Augsburg noch über 20.000 Besucher. In dieser Saison werden es voraussichtlich nur 2500 sein. Bahnpark-Geschäftsführer Markus Hehl sagt, „das ist ein echter Absturz, weil momentan nicht geöffnet werden kann“.

Bahnpark an der Firnhaberstraße: Es gibt eine große Gemeinde von Dampflokfans

Am Interesse liegt es nicht. Der Augsburger Bahnpark an der Firnhaberstraße ist eines der größten Industriedenkmäler Bayerns. Und es gibt deutschlandweit eine große Gemeinde von Dampflokfans, die das historische Schaugelände aus Zeiten der Königlich Bayerischen Eisenbahn gerne anschauen würden.

Das Problem: 2016 musste der Bahnpark sein Gelände wegen eines unvorhergesehenen Genehmigungsverfahrens zum Museumsbetrieb für Veranstaltungen schließen. Seither sind die historischen Gebäude und Museumszüge nur noch sehr eingeschränkt zu sehen – in diesem Jahr gibt es zwischen Juni und Oktober einmal im Monat Führungen. Ansonsten müssen Besucher auf das Programm mit Ausflugsfahrten in Nostalgiezügen ausweichen. Manche Leute fragen sich inzwischen, ob das Schaugelände überhaupt wieder aufmachen wird, und wenn ja, wann.

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Zwar liegt seit gut einem Jahr die Genehmigung für einen dauerhaften Museumsbetrieb vor. Die Regierung von Oberbayern hat sie als Aufsichtsbehörde erteilt – allerdings mit weitreichenden Auflagen. Das betrifft etwa die Gastronomie auf dem Gelände und den Zugang von der Firnhaberstraße aus. „Diese Vorgaben haben wir noch nicht alle umgesetzt“, sagt Hehl. Das hat Gründe. Aktuell läuft ein Rechtsstreit. Die privat geführte Bahnparkgesellschaft hält die behördlichen Vorgaben teils für zu streng. Einen Gerichtstermin gebe es noch nicht, sagt Hehl. Dennoch bemüht er sich um Optimismus. „Wir gehen davon aus, dass der Bahnpark 2020 wieder öffnen kann.“

Augsburger Bahnpark: Mit der Schließung des Schaugeländes brachen wichtige Einnahmen weg

Der freie Zugang für Besucher ist aber nur ein Problem, mit dem der Bahnpark zu kämpfen hat. Ein anderes ist das nötige Geld für den laufenden Betrieb und Investitionen. Mit der weitgehenden Schließung des Schaugeländes brachen wichtige Einnahmen weg. Im Sommer 2017 drohte der Betreibergesellschaft, hinter der ein kleiner Verein steht, das finanzielle Aus. Nur ein Rettungspaket von Stadt und Bezirk konnte sie vor der Insolvenz bewahren. Die Finanzspritze war an eine Bedingung geknüpft. Die Betreibergesellschaft muss danach ein Konzept entwickeln, wie sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann. Diese Forderung zu erfüllen, bleibt offenbar weiter schwierig.

Aktuell finanziert sich der Bahnpark aus verschiedenen Töpfen: aus einer privaten Großspende, öffentlichen Fördergeldern, der Vermietung von Gleisen auf dem Gelände und über das Fahrtenprogramm mit Nostalgiezügen. „Das kann aber kein Dauerzustand sein“, sagt Hehl. Um weiter über die Runden zu kommen, wurden bei Stadt und Bezirk für dieses Jahr weitere 100.000 Euro an Fördermitteln beantragt. Hehl sagt mit Blick auf die Zukunft: „Die Entwicklung dieses hochkomplexen Industriedenkmals bleibt kritisch für die gemeinnützige Betreibergesellschaft.“

Momentan konzentriert sich der Bahnpark darauf, Forderungen der Stadt zu erfüllen. Deshalb wurde der Bahnpark in „Bausteine“ aufgeteilt, die in unterschiedlichen Zeiträumen realisiert werden sollen. Vorrang hat das geplante Ausstellungsprojekt im Ringlokschuppen aus dem Jahr 1906. Er soll zum „Rundhaus Europa“ werden und zeitgeschichtliche Ereignisse am Beispiel des Transportmittels Eisenbahn erzählen. Aktuell muss die Sanierung des Baudenkmals bewältigt werden. Der erste Bauabschnitt ist geschafft. Die hölzerne Tragkonstruktion ist gesichert und das Dach instand gesetzt. Nun steht der zweite Bauabschnitt an. Die Sanierung der Fassaden, Türen und Fenster soll Hehl zufolge 2,6 Millionen Euro kosten. Derzeit werden dafür Fördermittel eingesammelt. „Zwei Fördergeber haben bereits Zustimmung signalisiert“, sagt der Geschäftsführer. Er peilt einen Baubeginn im Jahr 2020 und eine Bauzeit von zwei Jahren an.

Bahnpark Augsburg: Keine Event-Gastronomie in der Dampflokhalle

In der Warteschleife hängt derweil die alte Dampflokhalle. Dort war unter anderem Event-Gastronomie vorgesehen. Dieses Projekt sei wegen der strengen Auflagen für den Museumsbetrieb aber derzeit „tot“, so Hehl. Und auch einen Investor für die Halle, den die Stadt aus wirtschaftlichen Gründen gefordert hatte, kann der Geschäftsführer bislang nicht präsentieren.

Er sagt, im Umfeld des Bahnparks seien große Entwicklungen im Fluss. „Vieles wirkt auf uns ein.“ Bekanntlich strebt der Münchner Immobilienkonzern Isaria im Süden des historischen Bahnbetriebshofes ein größeres Wohnbauprojekt an. Dies hätte wohl auch Auswirkungen für die Weiterentwicklung des Kulturprojekts Bahnpark. Doch auch hier gibt es ein Problem: Solange das Isaria-Areal rechtlich noch dem Eisenbahnbetrieb vorbehalten bleibt, ist nach Einschätzung von Fachleuten eine städtebauliche Entwicklung hin zum Wohngebiet dort nicht möglich.

Veranstaltungen Führungen durch den Augsburger Bahnpark finden zwischen Juni und Oktober jeden ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter fuehrungen@bahnpark-augsburg.eu. Mehrere Museumszüge fahren ab Juni von Augsburg in die Region. Alle Details unter www.bahnpark-augsburg.eu.

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Einen Kommentar zum Bahnpark lesen Sie hier: Der Bahnpark steht am Scheideweg

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26.04.2019

Wir ersticken irgendwann an Auflagen. Es wurden Events abgehalten, Fernsehsendung übertragen, Ausstellungen eröffnet. Aber heute wohnt jemand in der Stadtmitte, wenn das aber eine Dampflok angeheizt würde, fühlt man sich schon wegen der Emmisionen belästigt. Das parkende Auto in der Nähe behindert den Anwohner. Der Schadstoff des Diesels oder eine startende Diesellok für zu Asthmaerkrankungen.

Unser Gesellschaft ist so krank geworden..... Früher ist Starfighter über uns geflogen, es gab sauren Regen und das Waldsterben war grenzenlos. Heute haben wir Burnout, Atemswegerkrankung etc, werden aber statisch alle wesentlich älter als früher. Hoffentlich bleiben genügend Schadstoffe, damit nicht kleinste Emissionen zu Erkrankungen führen. "Dreck macht Speck" und sorgt für eine gewisse Abhärtung und führt nicht gleich zum Tod, nur weil eine Dampflok mit Kohle angeheizt wird.

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