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Augsburg

26.08.2019

Wie sich Radio Mierbeth seit 50 Jahren in Hochzoll behauptet

Seit über 50 Jahren führt Rainer Mierbeth sein TV- und Radiogeschäft in Hochzoll. Angst vor Internet-Konkurrenz hat er nicht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Radio Mierbeth gibt es seit über 50 Jahren in der Friedberger Straße in Hochzoll. Der Inhaber fürchtet Internet und Elektroketten nicht.

Ein alter Röhrenfernseher steht auf der kleinen gläsernen Ladentheke des Radio- und TV-Geschäfts Mierbeth in der Friedberger Straße in Hochzoll. Ein Stammkunde des Geschäfts hat das Gerät 1991 bei Mierbeth gekauft, jetzt soll es entsorgt werden. Fernbedienung und Gebrauchsanweisung liefert er noch nach, verspricht der Mann, dreht sich winkend um und geht.

Rainer Mierbeth wird den alten Fernseher nun in seinem Keller zwischenlagern, ehe der Entsorger kommt und ihn mitnimmt. „Soweit ich weiß, gehen die Geräte nach Rumänien und werden dort wieder in Betrieb genommen“, sagt der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister.

Radio Mierbeth gibt es seit 1968

Seit 1968 führt Rainer Mierbeth seinen kleinen Laden in der Friedberger Straße. Zunächst auf der Seite der Stadtsparkasse, seit 1995 schräg gegenüber. In diesen 51 Jahren hat er sich ein treues Stammpublikum aufgebaut. „Ohne diese Kunden gäbe es uns schon lange nicht mehr“, sagt er. Angst vor dem Internet und großen Elektronikmarktketten hat der groß gewachsene Mann dennoch nicht. Mierbeth setzt auf Service. „Die Kunden wissen, dass wir sie von der Entsorgung des Altgeräts, über die Beratung der Neuware bis hin zur Installation und wenn nötig einer späteren Wartung begleiten. Das wird geschätzt“, kennt Mierbeth seinen Vorteil.

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Dass der Service unterm Strich manchmal etwas teurer ist, als Ware aus dem Netz oder dem Großmarkt, störe die Kunden nicht. Im Gegenteil, sie honorieren es, dass Mierbeth und sein Team das Rundumsorglospaket bieten. „Wir liefern den Fernseher und die Waschmaschine eben auch bis an ihren Bestimmungsort in den dritten oder vierten Stock und stellen die Geräte nicht auf dem Gehweg ab“, sagt Mierbeth. Rechne man bei Elektronikketten alle Lieferposten mit gleichem Ergebnis zusammen, käme man sehr oft auch nicht günstiger. Schlechte Erfahrungen hätten manche seiner Kunden mit Internetware gemacht, wenn das Gerät nicht funktioniert wie gewünscht. Dann sei es mit Hilfe oft schwierig.

Wer sich in dem kleinen Laden in der Friedberger Straße umsieht, ist dennoch erstaunt, wie sich das Geschäft halten kann. Zwar gibt es vom Wasserkocher über den Toaster und den Stabmixer bis hin zur Waschmaschine und den Fernseher ein breites Angebot. Aber es scheint auf den ersten Blick nicht in die Tiefe zu gehen. Bei der Auswahl muss der Laden wohl Abstriche machen, denkt man. Darauf angesprochen lächelt Rainer Mierbeth aber nur und sagt: „Sie können bei uns nahezu alles kaufen, was sie zu Hause an die Steckdose anschließen können. Wir bestellen Ihnen das gerne, wenn wir es nicht im Laden haben. Mit einer Ausnahme.“ Und die wäre? „Wir verkaufen keine Billigware aus Fernost, die an Qualität vermissen oder sich nur sehr schwer warten lässt“, sagt Mierbeth entschlossen. Auch wenn es fast nichts gibt, was nicht repariert werden kann.

Was Rainer Mierbeth an seiner Arbeit so schätzt

Selbst alte Radios landen immer wieder bei ihm und ihre Besitzer hoffen auf Instandsetzung. „Oft sind es nostalgische Gründe, warum ein altes Gerät wieder flott gemacht werden soll“, erzählt er und berichtet, dass ihm genau dieser persönliche Umgang mit den Kunden über die Jahre viel Spaß gemacht hat. Und die Tatsache, dass er durch seine Arbeit nie den Anschluss an die moderne Technik verloren hat.

Dennoch will sich Rainer Mierbeth in absehbarer Zeit aus dem Geschäft zurückziehen. Dann soll seine Tochter den Laden zusammen mit dem angestellten Techniker übernehmen. Weil viele Stammkunden ebenfalls Kinder haben und diese mit in den Laden bringen, ist Mierbeth überzeugt, dass es auch für die nächste Generation ausreichend Kunden geben wird.

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