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Investition

26.10.2012

Wie sich ein Autohaus neu erfindet

Die Geschäftsführer Günter Frank (links) und Stefan Reichhardt in einem ihrer Wohnmobile.
Bild: Joshena Dießenbacher

Das Familienunternehmen Reichhardt will weiter wachsen und eröffnet ein Wohnmobil-Center

Die spannendsten unternehmerischen Geschichten spielen oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Vor der Haustüre, ausgerechnet im mittelständischen Autohandel, der zuletzt nur wenige Gewinner hervorgebracht hat. Am Wochenende eröffnet der Familienbetrieb Reichhardt ein Wohnmobil-Center in Haunstetten. Die Geschichte zeigt, wie sich Autohäuser neu erfinden (müssen), um Erfolg zu haben.

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Der Reihe nach. Auch Reichhardt spürt, wenn wie derzeit branchenweit Gewinnmargen sinken und Händler aufgeben. Insbesondere die Importmarken haben zu kämpfen. „Du hast zwei Chancen, zu überleben: Entweder du gehst in die Größe oder in die Breite“, sagt Günter Frank, der zusammen mit Stefan Reichhardt die Geschäfte führt. Das heißt: Entweder exorbitant Stückzahlen machen oder neue Geschäftsfelder entwickeln.

Letzteres versucht das Familienunternehmen Reichhardt, das längst mehr als ein klassisches Autohaus der Marken Renault und Dacia ist. Es betreibt einen Abschleppdienst und vertreibt beziehungsweise vermietet Wohnmobile. Diesen Zweig will man nun weiter ausbauen. Das Wohnmobil-Geschäft ist kein Selbstläufer, sondern es verlangt nach Investition. „Wir gehen ein unternehmerisches Risiko ein“, sagt Frank. Eine siebenstellige Summe floss in den Bau der repräsentativen Halle „Auf dem Nol“ in Haunstetten. Auf 700 Quadratmetern finden Kunden Ausstellungsflächen, Büros und Servicebereiche. Der Durchschnittskäufer ist 58 Jahre alt und gibt 60000 Euro für ein Wohnmobil aus. Enthusiasten ordern luxuriöses Zubehör für Tausende Euro.

Wie sich ein Autohaus neu erfindet

Reichhardt nutzt nicht nur den demografischen Trend und jenen zur Premium-Freizeit. Weiterer Erfolgsfaktor: Das „kleine“ Unternehmen baut auf große Partner wie den ADAC. Reichhardt unterhält eine ADAC-Vertretung, in der man Vignetten kaufen oder Schneeketten ausleihen kann. Der Abschleppdienst fährt unter dem gelben Logo. Und auch die Anmietung der Reichhardtschen Wohnmobile läuft über den Automobilclub.

Daneben setzt Reichhardt auf den eigenen Verkauf und den Service für Wohnmobil-Freunde aus ganz Süddeutschland. Für die gehobene Marke „Adria“ sind die Augsburger die Nummer eins in Bayern. Ein Caravan-Servicetechniker verstärkt seit Kurzem die Mannschaft.

Mit der Wohnmobil-Offensive entstehen fünf zusätzliche Arbeitsplätze; insgesamt beschäftigt Auto Reichhardt damit 25 Mitarbeiter am Stammsitz in der Haunstetter Straße und im Neubau Auf dem Nol.

Dazu ziehen in die Halle einige Untermieter ein: eine Versicherungsagentur, ein Rechtsanwalt, ein Gutachter. Die Firma will ihre Kunden ganzheitlich betreuen, und zwar „in allem, was ein Autofahrerleben ausmacht“, sagt Frank. (scht)

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