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Augsburg

22.02.2021

Wie soll der wilde Lech zwischen Hochablass und Mandichosee aussehen?

Der Lech (hier unterhalb des Mandichosees), soll rund um Augsburg wieder wilder und freier fließen können.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Vorbereitungen für das Millionen-Projekt der Lech-Renaturierung gehen in die entscheidende Phase. Doch die Planer müssen mehrere Probleme in den Griff bekommen.

Der kanalisierte Lech bei Augsburg soll durch einen groß angelegten Umbau weiter und wilder werden. Die Pläne des Freistaates zur Renaturierung sehen eine verzweigte Flusslandschaft mit Inseln vor. Sie wird sich vom Hochablass in Richtung Süden bis zum Mandichosee bei Mering erstrecken. Nun gehen die Vorbereitungen für das Großprojekt in eine entscheidende Phase.

Der aufwendige Flussumbau wird seit Jahren vorbereitet. Er läuft unter dem Stichwort "Licca liber" (freier Lech) und wird vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth betreut. Nach Verzögerungen wegen der Corona-Pandemie erfolgt jetzt ein weiterer wichtiger Schritt. Projektleiter Tobias Kaiser teilt mit, für den Bereich im Stadtwald Augsburg seien die nächsten Planungsphasen vergeben worden. Es gab ein europaweites Vergabeverfahren.

Den Zuschlag erhielt ein Team aus mehreren Fachfirmen. Es besteht aus dem Münchner Ingenieurbüro SKI und dem Büro Revital aus Osttirol gemeinsam mit weiteren Auftragnehmern. SKI und Revital haben schon bei einem ähnlichen Projekt an der Salzach im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich zusammengearbeitet.

Projekt "Licca liber" rund um Augsburg: In zwei Jahren kommt der nächste Schritt

Die Fachleute sollen jetzt die Unterlagen für das offizielle Wasserrechtsverfahren zur Renaturierung des Lechs erarbeiten, und zwar für die 9,5 Kilometer lange Strecke vom Hochablass durch den Stadtwald bis zur Staustufe 23 (Mandichosee). Kaiser zufolge kann das Verfahren voraussichtlich 2023 beantragt werden. Das große Ziel ist, dass der Lech wieder mehr Raum bekommt und vorhandene schützenswerte Tiere und Pflanzen soweit wie möglich erhalten bleiben. Gleichzeitig müssen die Planer ausschließen, dass beim Flussumbau Risiken für die Bevölkerung entstehen, etwa Überschwemmungen bei Hochwasser oder steigendes Grundwasser. Was Probleme mit hohem Grundwasser in angrenzenden Gemeinden am Lech angeht, soll sich die Situation durch den breiteren Flusslauf sogar verbessern, sagen die Experten.

Der Augsburger Lech soll wieder freier und wilder fließen. Die Vorbereitungen für eine Renaturierung im Stadtwald laufen auf Hochtouren.
Bild: Tom Trilges

Im Detail geht es darum, dass der Lech einen Hauptarm und zusätzliche Nebenarme bekommen wird – ähnlich wie ein Wildfluss. Im Hauptzweig soll er fast doppelt so breit werden wie bisher: statt 70 sind es 130 Meter. Zwischen dem Haupt- und einem Nebenarm soll in großen Bereichen das Gelände abgetragen werden, damit eine neue Flussaue wachsen kann, die häufig überschwemmt wird und an das Grundwasser angeschlossen ist. In diesem Lebensraum sollen sich verschwundene Arten wieder ansiedeln. Die Nebenarme mit Kiesbänken und flachen Ufern sollen Lebensräume für Fische und Wasserlebewesen bieten. Damit Fische wandern können, sollen vier der sechs Betonschwellen im Fluss wegfallen. Die dann noch verbleibenden Schwellen bei Flusskilometer 53,4 und 50,4 will das Wasserwirtschaftsamt in durchlässige Rampen umbauen.

Seltene Arten am Lech werden kartiert

Auch andere Probleme wollen die Planer in den Griff bekommen: die immer weitere Eintiefung des Flussbetts und den Kiesmangel. Weil der Lech viele Staustufen hat, fehlt der natürliche Nachschub im Flussbett. Vorgesehen ist nun, Uferverbauungen zu beseitigen, damit die Ufer "weicher" werden und sich der Fluss sein Material holen kann. Regelmäßige Kieszugaben unterhalb der Staustufe 23 sollen sicherstellen, dass der Lech dynamischer fließt und wandernde Kiesbänke entstehen.

Allerdings gibt es auch einen Zielkonflikt. Der Flussumbau wird in das FFH-Gebiet Stadtwald eingreifen, in dem der Naturschutz eine große Rolle spielt. Kaiser zufolge ist es im Vorfeld nötig, die geschützten Arten vor Ort genau zu erfassen. Experten werden im Planungsgebiet nun aktuelle Informationen über die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften sammeln, insbesondere über Vögel, Fledermäuse und Insekten. Für Pflanzen gebe es bereits einen guten Überblick, so der Projektleiter. Die naturschutzfachlichen Kartierungen sollen das ganze Jahr 2021 über laufen, um ein möglichst vollständiges Bild von der vorhandenen Artenvielfalt zu bekommen.

Laut Kaiser ist ein Budget von bis zu zwei Millionen Euro für die laufenden Planungen beim Freistaat gesichert. Insgesamt werden die Kosten für die Renaturierung des Lechs in diesem ersten Abschnitt auf 60 Millionen Euro geschätzt. Noch gibt es keine Prognose, wann die Bagger auffahren. Fachleute hofften vor der Pandemie, dass es zwischen 2025 und 2030 sein könnte.

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