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Handel

21.01.2019

Wie überleben Geschäfte in den Augsburger Stadtteilen?

Die Bürgermeister-Aurnhammer-Straße ist das Einzelhandels-Zentrum von Göggingen. Die Gewerbetreibenden hoffen auf Umgestaltungen.
Bild: Annette Zoepf

Der Online-Handel und die Konkurrenz am Stadtrand machen auch den Läden außerhalb des Augsburger Zentrums Schwierigkeiten. Wie die Gögginger dagegen halten wollen.

Samstags ist die zentrale Straße in Göggingen voll. Rechts und links parken Autos. Man geht zum Bäcker, zur Apotheke und in den Spielzeugladen. Noch, denn aus dem Doppelgeschäft „Pfiffigunde“ – Spielwaren und Bücher – wird ein reines Buchgeschäft. Das Geschäft mit den Spielwaren hat sich nicht mehr gerechnet, sagte Inhaberin Marion Schubert vor Kurzem. Dass fast zeitgleich auch die „Spiegelburg“ in der Innenstadt den Verkauf von Spielzeug aufgibt, zeigt: Der Wandel im Handel trifft die Stadt im Zentrum ebenso wie in den Stadtteilen. Göggingen hat erst vor kurzem den Abschied von Sport Förg verdauen müssen. In Lechhausen schloss das Modegeschäft „Giegerich“. Die Liste lässt sich fortsetzen und wird von Zahlen belegt.

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Kleinere, inhabergeführte Geschäfte haben es zunehmend schwer, sich am Markt zu behaupten. Während in Augsburg die Zahl der Betriebe tendenziell rückläufig ist, hat sich die Verkaufsfläche kontinuierlich erhöht – seit 2016 verzeichnet man vier Prozent weniger Geschäfte, aber fünf Prozent mehr Verkaufsfläche. Wirtschaftsreferentin Eva Weber will aber nicht von einer „strukturellen Negativentwicklung“ sprechen: „Diese Entwicklung entspricht dem bundesweiten Trend.“ Der hinterlässt seine Spuren in allen Einkaufslagen, stellt vor allem kleine inhabergeführte Geschäfte vor große Herausforderungen.

Stadt Augsburg will weniger große Märkte auf der "Grünen Wiese"

In Göggingen wie in vielen Stadtteilen fielen im Jahr 2016 mehr als drei Viertel der 126 Geschäfte in diese Kategorie – im Zentrum werden nur 60 Prozent der Läden vom Inhaber geführt. Vor allem ein Trend trifft alle: Der weiter steigende Online-Handel. André Köhn, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern, sagt: „Der bequeme Kunde wird immer online einkaufen.“ Er sieht auch einen leicht gegenläufigen Trend: „Viele Kunden möchten die Produkte haptisch erfahren und sich beraten lassen.“ Höherwertige Produkte würden daher wieder eher in der Innenstadt gekauft. Die Stadtteilzentren würden sich eher zu Nahversorgungszentren entwickeln.

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Aus Sicht der Stadt ist es gelungen, das Wachstum großer Märkte auf der sogenannten „Grünen Wiese“ einzudämmen. Zugleich, sagt Wirtschaftsreferentin Eva Weber, gebe es eine „Renaissance der Nahversorgung“. Während ihr die Nahversorgungslücke am Zwölf-Apostel-Platz in Hochzoll noch Sorgen macht – die Stadt führe Gespräche mit dem Eigentümer der verlassenen Supermarkt-Immobilie und Rewe – seien an anderen Orten neue Märkte entstanden oder in Aussicht: Derzeit wird ein Edeka-Markt im Stadtteil Bärenkeller gebaut. In Kriegshaber entstehen ein neuer Supermarkt und ein Drogeriemarkt. Und auch in der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße in Göggingen hat ein Edeka-Markt neu eröffnet. Jenseits des Lebensmittelkaufs versuchen die Läden, die Geschäfte gemeinsam anzukurbeln.

Unternehmergemeinschaft WIG soll Handel in Göggingen ankurbeln

Wie in vielen Stadtteilen hat sich auch in Göggingen eine Unternehmergemeinschaft gegründet: „WIG – Wir in Göggingen.“ Apothekerin Ulrike Bagger ist zweite Vorsitzende des Vereins und sagt: „Wir versuchen durch Aktionen die Leute in die Geschäfte zu locken, in welche sie normalerweise nicht hinein gehen würden.“ Ein Beispiel sind die Wege zur Kunst – lokale Künstler stellen ihre Werke in den Geschäften aus, die Ladeninhaber bieten Aktionen an. Ulrike Bagger und die Gögginger fordern aber schon länger Veränderungen im Stadtteil. Sie beklagt die mangelnde Attraktivität der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße und würde sich am liebsten mehr Grün, ein Tempolimit und mehr Parkplätze wünschen. Es gab bereits eine Untersuchung, die Schwachstellen und Lösungen auflistete. Ein Punkt war fehlende Aufenthaltsqualität in der Aurnhammer-Straße. Gelobt wurde der Branchenmix; das war allerdings vor dem Abschied von Sport Förg, der als Magnet galt. Er ist jetzt in Friedberg ansässig und entgegen erster Überlegungen ist eine Rückkehr offenbar ungewiss. Das Gebäude wird aktuell abgerissen, im Neubau sollen zwei Geschäfte und Wohnungen unterkommen; Ihle selbst plant offenbar eine Baker’s-Filiale.

Der Vorsitzende der WIG, Dieter Kleber, hofft, dass in den Neubau wieder ein „Magnet“ einziehen wird, der Kundschaft in den Stadtteil bringt. Und er hofft auf das städtebauliche Konzept, das die Stadt für die zentrale Bürgermeister-Aurnhammer-Straße ausarbeiten lassen will. Bürgermeisterin Eva Weber sagte am Sonntag, dass der Planer beauftragt sei. Kleber hofft auf Ideen, die den Stadtteil und sein Zentraum auch zu Fuß und mit dem Rad besser erreichbar machen. „Die Gehwege sind teilweise so schmal, dass man kaum aneinander vorbei kommt“, sagt er. Radwege gibt es in der Aurnhammer-Straße praktisch nicht. Sein Ziel: Man soll sich wohlfühlen im Zentrum von Göggingen, gerne im Café sitzen und einkaufen. Wichtig wären aus seiner Sicht auch Verbindungen zwischen den Hessing-Kliniken und dem Kurhaus sowie von der beliebten Wertach in den Stadtteil. Er ist überzeugt: „Wäre Göggingen eigenständig, würde das Zentrum anders aussehen.“ Änderungen sind aber nun zumindest in Arbeit. Die allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben aber – dazu zählt auch der Mangel an Fachkräften.

Der Online-Auftritt ist auch für kleine Geschäfte wichtig

Karolin Schorer hat ein Blumenfachgeschäft in Göggingen. Ihr bisheriges Erfolgsrezept: Sich auf die eigenen Stärken konzentrieren und ausgefallene Sachen anbieten – statt Masse, individuelle Klasse. Der Online-Auftritt dürfe laut Schorer nicht vernachlässigt werden: „Die Webseite ist unsere Visitenkarte“. Viele Verbraucher beginnen nämlich ihren Einkauf mit der Suche im Internet. Die Floristin beklagt zudem den Fachkräftemangel. Sie gehe nun andere Wege und werde zukünftig in Eigeninitiative die Mitarbeiter von Morgen ausbilden.

Auch André Köhn vom Handelsverband sieht den Fachkräftemangel als eines der Hauptprobleme: Sinkende Zahlen der Auszubildenden stünden einer steigenden Zahl freier Stellen gegenüber. Kleine Unternehmen konkurrieren beim Personal mit den großen Namen. Hinzu kommen in einer wachsenden Stadt wie Augsburg überall steigende Mieten. Die Geschäfte vor Ort sind aus seiner Sicht mehr als nur Einkaufsmöglichkeiten: „Der Handel ist ein prägendes Element in der Stadt und ihren Stadtteilen. Geschäfte tragen maßgeblich zur Aufenthaltsqualität bei.“

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