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Augsburg

14.03.2019

Wie zwei Frauen den Rückzug von Kurt Gribl beeinflussten

Im Kreise der Augsburger CSU-Familie gab Oberbürgermeister Kurt Gribl bekannt, dass er 2020 nicht mehr antreten werde. Als Nachfolgerin wurde Eva Weber präsentiert.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Kurt Gribl geht 2020 nicht mehr ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters. Das hat viele überrascht. Zwei Frauen waren maßgeblich für die Entscheidung.

Es war ein Satz, der am Mittwoch um exakt 12.31 Uhr in den Räumen der CSU-Stadtratsfraktion im Rathaus fiel: „Ich werde mich nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters bewerben“, sagte Augsburgs Rathauschef Kurt Gribl. Mit diesem Schritt überraschte Gribl auch große Teile der eigenen Partei.

Es deutete zuletzt fast nichts darauf hin, dass Gribl einen Rückzug plant. Über seine persönliche Entscheidung, die er zum Jahreswechsel getroffen hatte, war bis zuletzt nur ein ganz enger Kreis informiert. Zwei Frauen spielten dabei eine Hauptrolle. Zum einen ist es Sigrid Gribl, die Frau des Rathauschefs. Zum anderen ist es Eva Weber, die Zweite Bürgermeisterin und jetzige Stellvertreterin von Gribl. (lesen Sie dazu auch: Frau des Oberbürgermeisters: So änderte sich Sigrid Gribls Leben )

Eva Weber will Nachfolgerin von Oberbürgermeister Kurt Gribl werden

Der 54-Jährige hatte Eva Weber im Dezember über die Pläne informiert, sich nicht mehr für eine weitere Kandidatur bereitzuhalten. Wie die 41-jährige Wirtschafts- und Finanzreferentin am Mittwoch sagte, hatte sie somit genügend Zeit, um sich mit dem Gedanken zu befassen, als mögliche OB-Kandidatin der Augsburger CSU anzutreten. „Ja, ich will“, berichtete sie über ihre Ambitionen. „Ich scheue mich nicht vor Verantwortung.“ Gribl hatte zuvor über die Gespräche mit seiner Ehefrau berichtet, ohne letztlich ins Detail zu gehen: „Natürlich rede ich jeden Tag mit meiner Frau. Und da war natürlich auch der künftige Lebensweg ein Thema.“

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Bis zur offiziellen Bekanntgabe des von Gribl und Weber vorgesehenen Stabwechsels dauerte es allerdings noch einige Wochen. Es kann nach Informationen unserer Redaktion davon ausgegangen werden, dass noch bis Dienstagabend nur ein sehr kleiner Kreis in die Pläne eingebunden war. Dazu gehörten vorneweg der Augsburger CSU-Parteichef Johannes Hintersberger und Fraktionschef Bernd Kränzle.

Im Kreise der Augsburger CSU-Familie gab Oberbürgermeister Kurt Gribl bekannt, dass er 2020 nicht mehr antreten werde. Als Nachfolgerin wurde Eva Weber präsentiert.
Bild: Julian Würzer

Im Boot saß zudem der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich, dem in der Vergangenheit immer wieder Ambitionen auf das Amt des Oberbürgermeisters nachgesagt wurden. Ullrich teilte in einer Erklärung am Mittwoch mit: „Gribls Schritt, den Weg für eine Erneuerung an der Spitze der Stadt frei zu machen, verdient Respekt und zeugt von persönlicher Souveränität. Bürgermeisterin Eva Weber hat in ihren Funktionen als Wirtschafts- und Finanzreferentin bewiesen, dass sie Verantwortung übernehmen und gestalten kann. Sie hat meine volle Unterstützung als OB-Kandidatin der CSU.“ Die Kreisvorsitzenden Leo Dietz und Andreas Jäckel wurden wohl auch erst am Dienstagabend in die brisante Personalie eingeweiht. Die Fraktionsmitglieder der CSU wurden erst am Mittwoch informiert.

Analyse: Kurt Gribl zieht sich zurück - was bedeutet das für Augsburg?

Wie die CSU in Augsburg und Bayern auf Gribls Rückzug reagiert

Die CSU-Führung selbst wollte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht in die Karten blicken lassen, wer wann etwas wusste. Was die Informationspolitik betrifft, hatte OB Gribl die Bekanntgabe seines Rückzugs zum 30. April 2020 strategisch vorbereitet. An Weggefährten verschickte er am Mittwochmittag kurz vor Beginn der CSU-Pressekonferenz eine SMS, in der er seinen Entschluss mitteilte.

Der Rückzug von Gribl wurde von der Parteiführung mit vielen Lobesworten für die geleistete Arbeit in den zurückliegenden Jahren verbunden. Die Entscheidung sei laut CSU-Chef Hintersberger „unbandig schade, aber in ihren Beweggründen und ihrer sachlichen Argumentation unbedingt nachvollziehbar“. Fraktionsvorsitzender Kränzle findet die Entscheidung des OB „bedauerlich“. 2020 werde eine für Augsburg glanzvolle Ära zu Ende gehen: „Mit Kurt Gribl ist die CSU wieder zur maßgeblichen politischen Kraft der Stadt geworden.“

Auch CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder, der in die internen Beratungen in Augsburg eingebunden war, meldete sich am Mittwoch zu Wort: „Kurt Gribl hat Augsburg großartig vorangebracht. Seine Entscheidung kommt überraschend, aber verdient Respekt. Zum Glück hat Augsburg eine starke Bürgermeisterin.“ Es sei eine sehr gute Entscheidung. Söder weiter: „Eva Weber ist eine moderne und kompetente Kandidatin. Sie passt zu Augsburg. Und bekommt volle Unterstützung der ganzen CSU.“

Diese fünf Gründe nennt OB Kurt Gribl für seinen Rückzug

Gribl ging in einer 15-minütigen Rede vor den Medien näher darauf ein, warum er keine dritte Amtszeit anstrebe. Die Entscheidung sei an fünf Punkten festzumachen. Sie entspreche erstens seinem persönlichen Politikverständnis. Sie sei im Hinblick auf die absehbaren Herausforderungen für die Stadt Augsburg zweitens auch geboten. Sie diene zudem dazu, ausgiebiges und für die Stadt lähmendes Nachfolgegerangel einzuschränken.

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10 Bilder
OB Gribl tritt nicht mehr an - ein Rückblick in Bildern
Bild: Silvio Wyszengrad

Sie stehe viertens im Einklang mit der Neuausrichtung der CSU, die sich jünger, weiblicher und in ihrer Themenausrichtung gerade in Städten offener darstelle. Nicht zuletzt ermögliche sie für ihn selbst „im richtigen Lebensalter“ eine Neuausrichtung. Mit gesundheitlichen Gründen hat die Entscheidung laut Gribl nichts zu tun: „Keine Besorgnis bitte: bin gesund“, heißt es in der SMS an Weggefährten.

Natürlich wurde am Mittwoch nach Bekanntgabe der Entscheidung spekuliert, was der 54-Jährige nun zu tun gedenke, wenn er im April 2020 das Amt des Oberbürgermeisters freiwillig abgibt. Gribl hält sich bedeckt: „Ich selbst will Neues in meinem Leben zulassen, Neues lernen und kennenlernen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.“

Wenn er das Amt als Oberbürgermeister ablege, werde er knapp 56 Jahre alt sein. Sechs Jahre später – dann mit 62 Jahren – „wäre das Risiko groß, nicht mehr loslassen zu wollen, um neue Wege zu gehen“. Es gibt erste Spekulationen, Gribl könnte künftig in die Wirtschaft gehen. Es kursiert in politischen Kreisen das Gerücht, wonach der CSU-Politiker womöglich in eine Spitzenposition bei der Bayerischen Landesbank wechseln könnte.

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