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12.08.2019

Wie zwei Putten den Heimweg nach Augsburg fanden

Große Freude über zwei kleine Steinfiguren: Christoph Emmendörffer (l.) und Christof Trepesch (r.) von den Kunstsammlungen begutachten mit (v.l.) Markus Hilgert (Kulturstiftung der Länder), Martin Hoernes (Ernst von Siemens Kunststiftung) und Kulturreferent Thomas Weitzel die Museums-Neuzugänge.
Bild: Ulrich Wagner

Die Figuren gelten als kunsthistorische Sensation – auch, weil sie verschollen waren. Wo sie nun in Augsburg zu sehen sind.

Sie sind wieder da: Die beiden kleinen Steinskulpturen, die vor einigen Monaten in Paris auftauchten und vor allem bei Kunstkennern für Begeisterung sorgten, wurden am Montag in Augsburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit ist die Sensation perfekt, denn das Interesse an den knapp 30 Zentimeter hohen Putten war von Anfang an groß. Die französische Tageszeitung Le Figaro schrieb im April, dass ein „Juwel“ wieder aufgetaucht sei. Die Geschichte dieser Engelsfiguren ist aber auch außergewöhnlich.

Sie führt zunächst nach Augsburg, denn dort „sitzen“ fünf weitere Putten im Maximilianmuseum. Geschaffen wurden sie im 16. Jahrhundert von Bildhauer Hans Daucher. Das Ensemble der Engel zierte einst die Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche. „Bislang ging man davon aus, dass sechs Putten die Kapelle bekrönten, von denen einer verschollen ist. Er wurde durch eine Neuschöpfung ersetzt. Tatsächlich waren es ursprünglich aber sieben, wie die sensationelle Wiederentdeckung zweier Putten zeigt“, sagt Christoph Emmendörffer, Leiter des Maximilianmuseums.

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Putten waren im Nachlass einer französischen Adelsfamilie aufgetaucht

Vor einigen Monaten wurde Christof Trepesch, Leiter der Städtischen Kunstsammlungen, über die Existenz der beiden Putten informiert, die im Nachlass der französischen Adelsfamilie Schickler-Pourtàles auftauchten. Sie sollten gemeinsam mit anderem Inventar des Familienschlosses Martinvast bei Sotheby’s in Paris versteigert werden. „Wir waren elektrisiert.“

Gemeinsam mit Christoph Emmendörffer setzte er alles daran, die beiden verlorenen Putti zurück nach Augsburg zu holen. Stiftungen, Geldgeber und andere Partner wurden angeschrieben. „Nicht überall hat eine Zusammenarbeit geklappt“, sagt Christof Trepesch. Doch die Stadt Augsburg, das Bundeskunstministerium, die Kulturstiftung der Länder sowie die Ernst von Siemens Kunststiftung zogen schließlich gemeinsam an einem Strang. Christoph Emmendörffer fuhr im Mai zur Versteigerung nach Paris. Im Auktionshaus Sotheby’s war er allerdings nur Zuschauer. Als Bieter war die Bremer Galerie Neuse mit ihren Geschäftsführern Volker Wurster und Achim Neuse vor Ort. „Selbst Sotheby’s wusste nicht, wer hinter diesen Bietern stand“, erzählt Christof Trepesch.

Die Putten waren das Top-Los bei der Auktion

Er war während der Versteigerung in Augsburg und hielt mit Christoph Emmendörffer und Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, Kontakt per Handy. „Die beiden Putten waren das Top-Los in der Versteigerung. Durch die Berichterstattung im Figaro hatten sie viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir wussten nicht, wie hoch der Preis gehen wird“, so Trepesch. Doch in wenigen Minuten war alles klar: Der Hammer fiel beim Preis von 2,35 Millionen Euro. Der Zuschlag ging an die Bremer Galerie und somit an das Konsortium, das für die Stadt Augsburg die beiden Figuren ersteigerte. „Wir waren restlos begeistert“, sagt Christof Trepesch.

Inzwischen sind die beiden Putten wohlbehalten in Augsburg angekommen. „Sie wurden in einer Spezialkiste in einem Kunsttransporter nach Augsburg gebracht. Natürlich waren sie auch entsprechend verpackt und gepolstert“, erzählt der Kunstsammlungsleiter. Am Montag wurden die Engelsfiguren Vertretern der Medien und der Stadtgesellschaft im Felicitas-Saal des Maximiliansmuseums vorgestellt. In diesem Museum können sie künftig besichtigt werden.

Mit der Heimkehr ist die Forschung an den Fuggerputten allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Wie die Putten einmal in der Fuggerkapelle angeordnet waren, muss nun beispielsweise vollkommen neu überdacht werden.

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