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Augsburg

21.07.2015

Wieder Ärger um die Werbekampagne zum Carsharing

Im Frühjahr präsentierten die Stadtwerke einen Flyer mit dem umstrittenen Slogan.
Bild: Stadtwerke

Der Verein „Bei Anruf Auto“ verklagt die Stadtwerke wegen eines Slogans in der Carsharing-Werbekampagne. Vor Gericht einigen sich beide Seiten - doch Uneinigkeit bleibt.

Die Werbekampagne der Stadtwerke zu ihrem Carsharing-Angebot sorgt erneut für Ärger: Nachdem im Frühjahr Plakatmotive aufgefallen waren, die denen einer Zigarettenmarke stark ähnelten, geht es nun um den Slogan „Wir bringen Carsharing nach Augsburg“. Damit hatten die Stadtwerke auf Plakaten, Broschüren und im Internet im Vorfeld der Einführung auf ihr Angebot im April aufmerksam gemacht. Das schmeckte dem Augsburger Verein „Bei Anruf Auto“ nicht. Der Verein bietet seit 2001 Carsharing in Augsburg an. Gestern traf man sich vor Gericht.

Der Verein sieht in dem Slogan eine Irreführung, weil er unterstelle, dass es in Augsburg vorher kein Carsharing gab. Man habe den Stadtwerken im Frühjahr einen Brief geschrieben mit der Bitte, den Spruch nicht mehr zu verwenden, so Thorsten Frank, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Reaktion habe es keine gegeben.

„Bei Anruf Auto“ macht die Konkurrenz zu schaffen

„Wenn sich Carsharing ausbreitet, finden wir das grundsätzlich gut, weil wir die Idee gut finden“, so Frank. Allerdings dürfe nicht unlauter gekämpft werden. Seitdem die Stadtwerke am Markt sind, stagniere bei dem Verein (200 Mitglieder, 13 Fahrzeuge) die Entwicklung. Vor dem Einstieg der Stadtwerke sei das anders gewesen: „Im ersten Halbjahr 2014 hatten wir eine Verdoppelung der Mitglieder.“

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Innerhalb des vergangenen halben Jahres haben die Stadtwerke hingegen rund 300 Kunden gewonnen, die mit 25 Autos unterwegs sind. „Das Thema hat einen richtigen Schub durch die Stadtwerke bekommen, was aber nicht an dem Slogan lag, sondern an der Größe der Werbekampagne“, sagt Michael Tusch, Rechtsanwalt der Stadtwerke. Ohnehin sei der Spruch so zu verstehen, dass es sich um ein weiteres Produkt handle, dass die Stadtwerke auf den Mark bringen, so Klaus Röder von den Stadtwerken.

Inzwischen ist der Slogan aus dem Verkehr gezogen, was aber nicht an der Klage des Verein liege, sondern daran, dass er jetzt nach Markteinführung keinen Sinn mehr ergebe, so Tusch. Vergangene Woche kündigten die Stadtwerke die Anschaffung weiterer acht Autos und die Schaffung vier neuer Stellplätze am Klinikum, in Pfersee, Haunstetten und der Innenstadt an. Auch zwei städtische Ämter nutzen für ihre Mitarbeiter das Angebot. Man wolle den Kunden eine Mobilitätskette bieten, ohne dass sie ein eigenes Auto haben müssen.

Verzicht auf Slogan „Wir bringen Carsharing nach Augsburg“

In der gestrigen Verhandlung am Landgericht unter Vorsitz von Richter Rainer Brand einigten sich die Parteien nach eineinhalb Stunden auf einen Vergleich. Die Stadtwerke verpflichten sich unter Androhung einer Geldstrafe, auf den Slogan künftig zu verzichten und übernehmen die Gerichtskosten. Der Verein lässt dafür die Forderung nach Schadensersatz fallen, der allerdings nur schwierig bezifferbar gewesen wäre.

Der Streit um den Slogan steht symptomatisch für das Verhältnis der beiden Anbieter – und für die Kommerzialisierung einer Mobilitätsidee, die anfangs von Idealismus getragen war. Hieß es im Vorfeld des Stadtwerke-Angebots noch, dass man „im Gespräch“ sei, was Kooperationen betrifft, ist davon nun nicht mehr die Rede. Beide Seiten schieben sich die Schuld zu.

Wer im einen System Kunde ist, kann nicht die Fahrzeuge des Konkurrenten nutzen. Der Verein hat sich inzwischen dem Netzwerk Scouter angeschlossen, das bundesweit die Nutzung von Fahrzeugen möglich macht und wie die Stadtwerke eine Handy-App bietet. Technisch sind beide Systeme nicht kompatibel.

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