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Umwelt

31.12.2017

Wilde Fische für den Lech

In speziellen Brutboxen wird Nachwuchs für die Bachforellen gezüchtet. Dabei gibt es einen besonderen Trick. Eduard Lochen und Marco Mariani (von links) reinigen im Lech den Kies, auf den der Fischlaich gelegt wird.

Das Artensterben macht auch vor dem Fluss nicht Halt. Ein neuartiges Privatprojekt bringt in Augsburg Hilfe.

Bachforellen laichen im Winter. Deshalb wird es am Freitag ziemlich frostig für Marco Mariani und seine Mitstreiter. Sie steigen in lange Angler-Gummistiefel und waten bei etwa vier Grad Wassertemperatur hinein in den Lech. Im Fluss verankern sie spezielle Brutboxen für Bachforellen, die sie selbst entwickelt haben. Die Fischexperten haben ein großes gemeinsames Ziel: Mit einem neuen privaten Projekt wollen sie helfen, Wildfische im Augsburger Lech vor dem Aussterben zu retten. „Bei den Bachforellen gibt es nur noch eine ganz geringe Restpopulation“, sagt Mariani, auch bei anderen Arten sei der Bestand stark zurückgegangen. „Wir haben Angst, dass uns die Zeit davonläuft.“

Das große Artensterben in der Natur ist längst auch im Lech angekommen. Seit der frühere Wildfluss weitgehend kanalisiert und mit Staustufen ausgebaut wurde, geht durch die menschlichen Eingriffe und deren Auswirkungen immer mehr Lebensraum für Fische und kleine Wassertiere verloren. Es fehlt an Kiesnachschub. Der Fluss gräbt sich immer tiefer in sein Bett ein, bis die unterste Flinz-Schicht hervortritt. Streckenweise ist eine Unterwasserwüste entstanden. In der Folge nehmen die Bestände von Wildfischen immer mehr ab. Huchen, Äschen, Bachforellen, Nasen oder Barben – alles typische Fische im Lech – stehen bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Zwar soll ein groß angelegtes Projekt des Freistaats Hilfe bringen. Unter dem Titel „Licca liber“ (der freie Lech) laufen umfangreiche Vorbereitungen für einen naturnaheren Ausbau des Flusses. Doch bis die ersten Bagger auffahren, werden noch Jahre vergehen. Noch länger wird es dauern, bis sich die ersten positiven Folgen des Flussumbaus einstellen. „Dann ist es für zahlreiche Fischarten höchstwahrscheinlich zu spät“, befürchten Marco und Bruno Mariani.

Sie haben schon früh gewarnt

Die beiden sind Fischexperten und Spezialisten für Fließgewässerökologie. Sie haben schon früh vor den wachsenden Problemen im Lech gewarnt und wollen der Entwicklung nicht mehr länger tatenlos zusehen. Zusammen mit ihren Mitstreitern Eduard Lochen und Hüseyin Aldin haben sie deshalb das „Lech Wildlife-Projekt“ gestartet. Mit einer speziellen Aufzuchtmethode sollen bedrohte Fischarten so lange erhalten werden, bis die Renaturierungsmaßnahmen im Lech greifen und die natürliche Vermehrung wieder klappt.

Das Experiment läuft auf einer der letzten freien Fließstrecken zwischen der Staustufe 23 bei Merching und dem Augsburger Hochablass. Dort ist erst einmal ist die ökologische Aufzucht neuer Bachforellen geplant. Ein ziemlich aufwendiges Vorhaben, wie sich herausstellt: Die vier Experten haben 5000 Forelleneier aus einer heimischen Fischzucht mitgebracht. „Weil der Laich stoßempfindlich ist, kann er nur in der letzten Phase der Embryonalentwicklung transportiert werden“, erklärt Eduard Lochen.

Die Fischeier werden am Lechufer in zwei speziell entwickelte und präparierte Brutboxen gelegt. Diese werden dann unter Wasser im Flussbett fest verankert. Die Behälter sollen naturnahe Bedingungen bieten, aber auch Schutz vor Fressfeinden, damit aus den befruchteten Eiern in etwa 40 Tagen kleine Bachforellen heranwachsen können. Erst dann sind die Jungfische fit genug, um im freien Gewässer des Flusses zu überleben. Laut Mariani basiert die Methode auf erfolgreichen Vorbildern aus Österreich. Sie werde nun aber zum ersten Mal am Augsburger Lech angewendet. Der Trick dabei ist, dass die Fische nur in diesem frühen Stadium auf ihren Lebensraum geprägt werden können. Wenn man Zuchtfische aus dem Becken in den Fluss einsetzen würde, könnten sie dort auf Dauer nicht genügend Futter finden oder sich fortpflanzen, sagen die Experten. Wenn alles klappt wie vorgesehen, sollen im März als nächstes Äschen in die Brutboxen kommen, später möglichst auch Barben, Nasen und Huchen – falls von diesen seltenen Arten Laich zu bekommen sei, sagt Mariani. Das Überleben der Wildfische im Lech zu sichern, sei generell schwierig. „5000 Eier sind nur ein Tropen auf den heißen Stein.“

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