Jazz

07.04.2014

Wilde Improvisationen

Das Marcio Tubino Quintett gastiert beim Jazzclub und zaubert mitreißende Grooves aus seinen Instrumenten

Fast schon verwöhnt war der Jazzclub Augsburg mit den hohen Besucherzahlen. Nicht ganz so viele Gäste hatten sich am Freitagabend im Augustanasaal eingefunden zum Konzert des aus Santa Maria in Brasilien stammenden Saxofonisten und Flötisten Marcio Tubino, der seit vielen Jahren in München lebt. Vielleicht war es die fehlende Exotik, denn München ist ja nun nicht mit New York vergleichbar.

Die Kompositionen des Bandleaders, bei aller Komplexität wohlfeil dargebracht, standen im krassen Gegensatz zu den solistischen Freiläufen. Denn hier, in den auskomponierten Themen, paarte sich Smooth Jazz mit brasilianischer Musik, legten ungerade Metren und polyrhythmische Grundgerüste wirr gewobene Teppiche unter abstrakte Melodien, zeitgenössisch und progressiv. Zwar zwängte sich unweigerlich der Vergleich mit Chick Coreas Jazzrock der 70er Jahre auf, doch mochte dies dem klanglichen Spektrum der Band und den ausufernden Soli geschuldet sein.

Dem Fender Rhodes zugeneigt zeigte sich der fantastische Keyboarder Volker Giesek, dessen freidenkerische, wilde Improvisationen die Glanzpunkte des Abends setzten. Den geerdeten Counterpart zum wüsten Spiel des Keyboarders gab Luís Nogueira mit seiner akustischen Gitarre, während Ciro Trindade am E-Bass mit dienlicher Akribie glänzte und nur einmal, dann aber umso eindrucksvoller, solierte.

Drummer Fernando Paiva überzeugte mit brasilianischem Know How, wandelte als Opener der Zugabe in seinem fantastischen Solo das Schlagzeug zur kompletten Percussion-Combo. Atemberaubend! Blass wirkten dagegen die Improvisationen des Bandleaders, die Quantität vor Qualität stellten und sich manchmal im Nebel der Beliebigkeit auflösten. Den mitreissenden Grooves, die das Marcio Tubino Quintett zauberte, tat dies keinen Abbruch. Dem begeisterten Applaus der Zuhörer auch nicht.

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