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Ausstellung

16.05.2015

Willkommen bei den Mythen

Unverkennbare Handschrift: Georg Bernhard in der Ecke Galerie vor einer seiner Rohrfeder-Zeichnungen.
Bild: hks

Eine Begegnung mit dem 86-jährigen Künstler Georg Bernhard, der in der Ecke Galerie Tuschezeichnungen, Aquarelle und Mischtechniken zeigt

Schon der erste Schritt in die Galerie ist ein Schritt zu Mythen und Mysterien – nämlich die Begegnung mit „Leda“, symbolisiert durch einen aquarellierten Schwan. Ob er schon die „Leda“-Kupfertafel des Joseph Heintz d. Ä. gesehen habe, die nach fast 400-jähriger Verschollenheit jetzt im Schaezlerpalais gezeigt wird? Ja, habe er, sagt Georg Bernhard, um im selben Atemzug auch die aus Prag und Wien entliehenen drei Rötel-Vorzeichnungen zu preisen.

Das kann nicht anders sein bei einem Künstler wie dem Augsburger Bernhard, der sich immer als malender Zeichner und zeichnender Maler bekannt hat. Das tut er auch in der laufenden Ausstellung der Ecke Galerie, wobei er mit Odysseus, Typhon, Nike, Hesperiden, Zentaur ein weiteres Mal die Welt der Antike heraufbeschwört.

Schwierigkeiten mit den „Zukünften dieser Welt“?

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Ob er dabei nicht alt aussehe, da doch die Biennale in Venedig gerade „Alle Zukünfte dieser Welt“ bemüht? Nein, antwortet Bernhard, denn Odysseus und andere Mythengestalten kämen im heutigen Leben genau so vor, nur dass sie anders hießen, anders angezogen und wohl nicht so schön seien. Auch künstlerisch fühlt sich der 86-Jährige unter Berufung auf technische Perfektion und figürliche Gestaltungskraft keineswegs veraltet. Anspielend auf die aktuellen deutschen Biennale-Künstler Georg Baselitz und Olaf Nicolai meint der ausgewiesene Polemiker Bernhard, sie sollten getrost auf dem Kopf stehen oder Bumerangs schleudern, er bleibe auf seiner Linie.

Der Beweis wird in der Ecke Galerie erbracht. Die meisten Arbeiten sind hier Zeichnungen mit Rohrfeder und verschiedenen Tuschen (Schwarz, Sepia, Bister), aufgetragen auf speziellem Büttenpapier. Dieses bedeutet für Bernhard eine besondere Leidenschaft. Er sucht es in Italien unter alten Folianten und Geschäftsbüchern, er bezieht es neu aus Indien. Begeistert erzählt er, wie es geradezu „kracht“, wenn er mit der Rohrfeder ohne Vorzeichnung über das Bütten fahre. Das Papier müsse so geleimt sein, „dass es saugt, aber nicht ausläuft, damit der Strich stehen bleibt“.

Was da am Ende stehen bleibt, sind meist vertikal geordnete Figurenbilder, Menschen und Menschenschatten, statuarisch und dynamisch, scharf konturiert und ekstatisch verwirbelt, fleischlich und skelettiert, immer dramatisch verbunden durch Schraffur und Linie.

Auch Bernhards Mischtechniken auf freskenhaft grundierter Leinwand nehmen sich davon nicht aus. Er erweist sich als ein eigenständiger Moderner im altmeisterlich-archaischen Gewand, dessen von Antike und Renaissance begleitete „Anprobe“ er schon als 23-Jähriger bei einem Stipendienaufenthalt in Rom erlebt hat.

Sein Schaffen „wirft existenzielle Fragen auf“, heißt es richtig im Programmheft der Augsburger Philharmoniker für die Saison 2015/16. Er werde beim 6. Sinfoniekonzert (April 2016) mit Werken von Richard Strauss, Debussy, Mahler, Penderecki und Hindemith eine Brücke schlagen „zwischen bildnerischen und musikalischen Ausdruckswelten“. Bernhards themenbezogene Zeichnungen (Salome, Totentanz, Aphrodite u.a.) sollen an die Wand projiziert werden. „Blickwinkel“ heißt das Konzert-Motto.

in der Ecke bis zum 13. Juni, Mo.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–14 Uhr.

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