Newsticker

Bundestag beschließt längeren Lohnersatz für Eltern
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Willkommen im Hotel Langemarck in Kriegshaber

Augsburg

25.01.2020

Willkommen im Hotel Langemarck in Kriegshaber

Vor 14 Jahren hat Alexander Gnann das Hotel Langemarck in der gleichnamigen Straße übernommen. Er freut sich, dass viele Stammgäste die familiäre Atmosphäre im Haus schätzen.
2 Bilder
Vor 14 Jahren hat Alexander Gnann das Hotel Langemarck in der gleichnamigen Straße übernommen. Er freut sich, dass viele Stammgäste die familiäre Atmosphäre im Haus schätzen.
Bild: Annette Zoepf

Plus Alexander Gnann führt das Hotel Langemarck in Kriegshaber mit viel Herzblut. Warum der 38-Jährige die gerade entstehenden Konkurrenzangebote gelassen sieht.

Fast 1000 Menschen leben in der Langemarckstraße. Während auf der Straßenseite zur Reese-Kaserne größere Wohnblocks dominieren, reihen sich gegenüber kleinere Einheiten aneinander. Ein Hotel vermutet man hier in Kriegshaber nicht unbedingt. Und doch befindet sich hier das Hotel Langemarck, eingerahmt von einem italienischen und einem thailändischen Restaurant.

Mit ihrem dunkelroten Fassadenanstrich fällt die Herberge von Weitem auf. Wer an der Tür klingelt, wird häufig von Alexander Gnann empfangen. 2007 hat er das Haus gekauft, das bereits vor 40 Jahren als Hotel gebaut wurde. Es ist später Vormittag, die Tische im hellen Frühstücksraum sind bereits wieder für den nächsten Morgen gedeckt. Ein Zimmermädchen trägt einen Wäschekorb die Treppe hinunter. Die Gäste sind unterwegs oder haben ausgecheckt. Am Abend wird sich das dreigeschossige Haus wieder füllen, denn der gelernte Hotelfachmann Gnann und seine Frau Corinna können sich nicht über mangelnde Auslastung beklagen.

Hotel Langemarck hat viele Stammgäste

Dass alle 16 Zimmer mit insgesamt 28 Betten belegt sind, sei keine Ausnahme: „Wir haben sehr viele Stammgäste“, sagt der 38-jährige Hotelier. Geschäftsreisende schätzten ebenso wie Urlauber die ruhige und dennoch verkehrsgünstige Lage. In letzter Zeit übernachteten auch häufig Angehörige von Bewohnern des gegenüberliegenden Reese-Areals in seinem Haus.

Willkommen im Hotel Langemarck in Kriegshaber

Wer abends einen Drink an der Hotelbar zu sich nehmen will, ein barrierefreies Zimmer benötigt oder Wert auf eine Wellnessabteilung legt, ist im Hotel Langemarck an der falschen Adresse. Seine Gäste schätzten die familiäre Atmosphäre, die liebevoll renovierten Zimmer und die guten Backwaren zum Frühstück, sagt Gnann. Die positiven Bewertungen in den Buchungsportalen („unser Hotel taucht überall auf“) und die vergleichsweise günstigen Zimmerpreise spielten ihm da in die Karten und seien eine gute Werbung. „Und wenn jemand ein kühles Bier trinken will, treiben wir das auch auf. Obwohl viele Gäste, gerade die Geschäftsreisenden, sich diesbezüglich selbst versorgen.“

Gnann ist bereits in ganz jungen Jahren mit der Hotellerie in Berührung gekommen. Seine Eltern betreiben das Hotel Goldener Falke in Oberhausen. Er entschied sich daher, den Beruf von der Pike auf zu lernen. „Mit dem Hotel Langemarck habe ich vor 14 Jahren unseren direkten Konkurrenten gekauft“, sagt der gebürtige Augsburger mit einem verschmitzten Grinsen. Heute kann er im täglichen Betrieb auf seine Frau Corinna, mit der er drei Kinder von sieben Jahren bis zu neun Monaten hat, ebenso zählen wie auf seine sechs Teil- und Vollzeitkräfte. Dass er eigentlich fast immer im Dienst ist und freie Wochenenden Seltenheitswert haben, stört ihn nicht. Die „vielfältige Arbeit und die vielen interessanten Gespräche mit den Gästen“ machten diese Nachteile wieder wett.

Hotelier sieht Bedarf für Gästezimmer in Kriegshaber

Noch in diesem Jahr will der 38-Jährige, der mit seiner Familie im Stadtteil lebt, die Renovierung seiner Herberge abschließen. Ist ihm angesichts der großen Hotelbauten, die aktuell im Umfeld der Uniklinik entstehen, nicht bang um die Zukunft? „Wir müssen uns der Herausforderung stellen und bauen auf unsere Stammgäste“, sagt Gnann. Außerdem sehe er durch die Entwicklungen in Kriegshaber mit seinen Neubaugebieten und der Klinik Bedarf für Gästezimmer.

Weniger gelassen als die Konkurrenzsituation sieht der Hotelchef die Diskussion um die Umbenennung der Langemarckstraße. Wie berichtet, hat die Stadt entsprechende Pläne, weil der belgische Ort Langemarck an eine Schlacht im Ersten Weltkrieg erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus glorifiziert wurde. Gnann hat in letzter Zeit viel über das Thema recherchiert und könnte sich vorstellen, erklärende Tafeln in der Straße aufzustellen. Eine Umbenennung lehnt er aber nicht nur wegen der damit verbundenen immensen Umstände für die fast 1000 Anwohner und der hohen Kosten ab. Seiner Meinung nach wird hier auch mit zweierlei Maß gemessen. Viele Straßen ringsum mit Kriegsbezug – von der Somme- über die Vogesen- bis zur Flandernstraße – müssten dann ebenfalls einen neuen Namen erhalten.

Keine Lust auf neuen Hotelnamen

Noch gibt es keine Entscheidung. Sollte die Langemarckstraße tatsächlich eines Tages Geschichte sein, was passiert dann mit dem Hotelnamen? Hier hat Alexander Gnann eine klare Meinung: „Für mich gibt es keinen Grund, diesen zu ändern. Unsere Gäste nehmen ihn als positiv wahr“, sagt er. Und sein Blick schweift auf den Schriftzug über der Eingangstür. „Hotel Langemarck“ steht dort in gelben Lettern geschrieben.

Lesen Sie dazu auch: Neuer Name für die Langemarckstraße: Geschäftsleute wehren sich

Das Inklusionshotel Einsmehr in Kriegshaber nimmt Formen an

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren