1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Winter in Augsburg anno dazumal

Augsburger Zeiten

08.02.2018

Winter in Augsburg anno dazumal

Copy%20of%20Eis_1.tif
4 Bilder
Am 6. März 1929 entstand das Foto bei einer Sprengung der unterhalb des Hochablasswehrs liegenden Eismassen. Es musste eine Abflussgasse für das Lechwasser freigemacht werden.
Bild: Sammlung Häusler

Fotoerinnerungen: 1929: Eissprengungen am Hochablass. 1940: Brunnenfiguren mit Eisgebilden. 1980: Eisgekühltes Taubenbad in der Fuggerei

Schnee- und Eismotive bieten heutzutage nicht genügend Reize. Smartphones speichern normalerweise digitale Farbbilder – Schnee und Eis sind jedoch nicht bunt. Als man noch analog und überwiegend mit Schwarz-WeißFilm fotografierte, gingen Profifotografen und Amateure auf Fotopirsch auf winterliche Motive. Sie gestalteten Bilder mit Kontrasten, die Schnee und Eis boten. Stimmungsvolle winterliche Schwarz-Weiß-Fotos waren beliebt. Solche Augsburg-Motive sind als Negative und Papierbilder erhalten.

Neben „normalen“ Winterbildern vom Schlittenfahren oder viel Schnee in der Stadt boten sich in Augsburg auch Gelegenheiten für außergewöhnliche frostige Bilder –zum Beispiel im Jahr 1929. Die extreme Kälteperiode Anfang 1929 hinterließ den umfangreichsten Fotonachlass. Fast jeder Besitzer eines Fotoapparats dokumentierte die sichtbaren Kältefolgen fürs Familienalbum, Berufsfotografen bedienten die Zeitungen und boten Fotoserien zum Verkauf an.

1992 herrschte in der Stadt ein extremer Winter

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Chronologie des Extremwinters: Ende Januar fiel viel Schnee. Dann kam der Frost: Am Samstag, 2. Februar 1929, wurden 17 Grad „unter“ registriert. Am 4. Februar fielen bei 23 Minusgraden die ersten Dampfzüge aus. Am Tag danach berichteten Augsburger Zeitungen, Lech und Wertach seien zugefroren. An ihrem Zusammenfluss gebe es so hohe Eisstaus, dass die Hochwassergrenze erreicht sei. Am Morgen des 12. Februar wurden an der Wetterstation am Augsburger Flugplatz an der Haunstetter Straße 38 Grad unter Null gemessen.

Am 20. Februar mussten Eissprengungen am Gersthofer Lechwehr dem Wasser Abflussmöglichkeiten schaffen. Am Wochenende 23./24. Februar strömten Tausende Schaulustige zum Hochablass. Der Grund: Unterhalb des Wehrs hatte sich eine bis zu eineinhalb Meter dicke Eisschicht festgesetzt, und die „Augsburger Wasserwehr“ kündigte Sprengungen an. Das lockte Fotografen an. Sie hinterließen viele Bilder vom „Jahrhundert-Eis“. Die Temperaturen stiegen danach zwar, doch die Eismassen wichen nicht freiwillig. Zwischen dem 6. und 9. März wurden Abflussrinnen freigesprengt, um Überflutungen vorzubeugen. Auch diese spektakulären Aktionen sind auf Fotos dokumentiert.

Wie vor 100 Jahren Wintervergnügen aussah, zeigen Fotopostkarten

Wintervergnügen in Augsburg vor 100 Jahren überliefern Fotopostkarten. Sie zeigen Schlittschuhläufer im Schleifgraben und im Stadtgraben beim Roten Torwall. Dass auf der zugefrorenen Kahnfahrt am Oblatterwall Eisstockschützen ihrem Vergnügen nachgingen, belegen Amateurfotos. Aufnahmen des renommierten Fotografen Karl Sening aus in den 1930er- Jahren zeugen von schneereichen Wintern. Sening platzierte seine Plattenkamera am Rand des Wittelsbacherparks mit Blick auf Pfersee und bei der Siebentischwirtschaft (1944 zerstört) beim Stempflesee. Er setzte Schnee wirkungsvoll in Szene.

Eine ungewöhnliche Geschichte hat eine Fotoserie vom Herkulesbrunnen und vom Augustusbrunnen mit Eisgebilden: Die Aufnahmen entstanden im Winter 1939/40. Sie waren möglich, weil die Brunnen damals ohne die übliche winterliche „Einhausung“ geblieben waren. Der Grund: Seit Kriegsbeginn war die Abnahme der wertvollen Bronzen und ihre Verbringung in bombensichere Exile geplant. Die Vorbereitung der Aktion zog hin. Erst im Februar 1940 wurde Herkules vom Sockel gehievt, am 5. März folgte Augustus. Fotografen nutzten die Gelegenheit für einmalige Fotos. Auch Fotos vom „frierenden“ Merkur mit Schneeauflage sind mit „Januar 1940“ datiert. In der Bombennacht 25./26. Februar 1944 zeigten die Thermometer minus 18 Grad. Das Löschwasser gefror in den Schläuchen.

Der Fuggereibrunnen verschwand nicht unter einer Holzverschalung

Am Fuggereibrunnen waren „eisige“ Bilder noch 1983 möglich. Er war damals der einzige öffentliche Brunnen in Augsburg, der im Winter nicht unter einer Holzverschalung verschwand und dessen Wasser auch bei Minustemperaturen nicht abgedreht wurde. Bei Frost bildete sich Eis, das nicht selten bis zum Boden reichte. Die aus dem Eisgebilde sprudelnde „Quelle“ lockte Tauben an und reizte Fotografen. Im Eiswasser badende Tauben waren wahrlich lohnende Motive. Diese Gelegenheit ist längst passé: Der Fuggereibrunnen ist im Winter „eingehaust“.

Während der langen Frostperiode 1983 bot auch das Hochablasswehr mit dicken Eiskaskaden ungewöhnliche Fotomotive. Die „Flößerei“ und „Industrie“ symbolisierenden Steinfiguren am westlichen Zugang des Stegs über das Wehr sind nach wie vor mit Schneeauflagen ein Foto wert.

Die meisten digitalen Aufnahmegeräte können auf „monochrom“ (Aufnahme in „Graustufen“) geschaltet werden und liefern dann Schwarz-Weiß-Fotos!

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie im Online-Angebot unserer Zeitung unter

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_0275(1).tif
Augsburg

Rewe legt am Donnerstag im früheren K+L-Gebäude los

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket