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Mozartfest

08.05.2015

„Wir könnten stolzer sein“

2015 verantwortet Thomas Weitzel letztmals die Konzerte. Ein Gespräch übers Festivalmachen – und Zukünftiges

Über Jahre hinweg hat man Sie nicht beneidet um den Job des Mozartfest-Machers: unsichere Finanzierung, ein zurückhaltendes Publikum, schließlich Konkurrenz in Gestalt von Mozart@ Augsburg…

Es gab Höhen und Tiefen. Aber wenn man sich die jüngere Geschichte des Mozartfests in Augsburg vor Augen führt, dann muss man sagen: 2004 gab es mit „Dreiklang Mozart“ das erste Themenfestival, 2006 der Aufwind zu Mozarts 250. Geburtstag, seither eine konsequente Weiterentwicklung – zehn Jahre sind für dieses Festival, gerade wenn wir uns mit den großen Kulturfestivals vergleichen, fast nichts. Erst jetzt ist die Aufbauarbeit überwunden. Was das Festival in Augsburg über Jahre in eine gewisse Unwucht gebracht hat, war die mangelnde Planungssicherheit. In den letzten zwei Jahren haben wir dagegen gemerkt, wie wohltuend es für ein Festival ist, wenn gerade bei der Finanzierung Planbarkeit gegeben ist. Erst so gelingt es, auch größere Namen wie diesmal etwa Sabine Meyer zu holen.

Richtig zu klicken scheint es bei Augsburgern immer noch nicht, dass ihre Stadt „die deutsche Mozartstadt“ ist.

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Wir tun uns da sicherlich schwerer als Städte wie Salzburg oder auch Würzburg mit seinem traditionsreichen Mozartfest. Für Augsburg ist Mozart nur eine von mehreren Marken. Es ist hier nicht so wie etwa in Halle, wo man sagt, wir haben nur Händel, also feiern wir ihn auch gebührend. Wir teilen uns hier die Aufmerksamkeit mit Menschen, die sich für die Römer interessieren, für die Fugger, für Brecht oder auch für andere Traditionen. Durch die demografische Entwicklung haben wir hier auch keine so große bürgerliche Schicht, die als klassische Konzertklientel infrage kommt.

Besteht die Gefahr einer Überreizung des Publikums mit Mozart?

Unter denen, die sich mit dem Wirken des Augsburgers Leopold Mozart auseinandersetzen, ist es ein historisch gerechtfertigtes Label, dass Augsburg sich als Mozartstadt bezeichnet. Da erhält man gerade außerhalb Augsburgs viel Zustimmung, etwa im Hinblick darauf, was wir zum Thema Mozart in unseren Archiven vorzuweisen haben, aber auch zu unseren historischen Sälen. Da könnten wir durchaus etwas stolzer sein. Wobei man zu den Festival-Aufführungsorten hier in Augsburg sagen muss: So schön unsere Säle auch sind, haben sie doch einen Pferdefuß. Der Kleine Goldene Saal hat leider nur 300 Plätze – das ist im Hinblick auf die Einnahmen schlecht, weil wir uns da bei der Refinanzierung von Spitzenkünstlern schwertun. Ebenso fehlen uns Inszenierungsmöglichkeiten für Sponsoren und Gesellschaften. So etwas ist notwendig, das war schon zu Mozarts Zeiten nicht anders, da gab es die Redoute, wo man sich traf, das sind heute unsere Foyers…

…wo der Sektempfang stattfindet...

…genau. Beim Würzburger Mozartfest ist es heute eher die Ausnahme, eine Konzertkarte zu bekommen, die keinen Aperitivo mit enthält. Aber diese Räume, wo das stattfindet, über die verfügen wir in Augsburg nicht in wünschenswertem Ausmaß. So schön und authentisch unsere Spielstätten auch sind: Um ein Festival mit allen Ansprüchen eines modernen Publikums zu bedienen, von der Parkplatzsituation bis zum Sponsorenempfang, haben wir gewisse Defizite.

Und wie kann man die beheben?

Ich glaube, das wird uns nicht gelingen. Weil wir nicht die nötigen baulichen Strukturen vorweisen können.

Nach einem Jahrzehnt Verantwortlichkeit fürs Mozartfest: Woran erinnern Sie sich gern?

Als gelungen in Erinnerung habe ich etwa den „Schwarzen Mozart“ beim Festival 2007, ein etwas reißerischer Titel, der aber sehr gut lief. Spannend war auch das Projekt mit den Komponistinnen der Mozartzeit. Problematisch dagegen unsere Auseinandersetzung mit dem Originalklang, die in Augsburg interessanterweise schwierig ist und wo man selbst heute noch nach Konzerten angesprochen wird: Nächstes Mal bitte wieder mit modernen Hörnern! Und natürlich das Festival 2012: Termin einen Monat nach Mozart@Augsburg, das nicht so sehr ansprechende Thema mit „Leopold“ – vom Publikumszuspruch her war das ein Misserfolg.

Wann wird die Öffentlichkeit von Ihrer Nachfolge als Festivalchef erfahren, wann steht der Leiter des neuen Mozartbüros fest?

Wir mussten das Findungsverfahren verlängern. Wir hatten einen Kandidaten im Visier, doch dann gab es für uns eine Absage. Jetzt müssen wir neue Gespräche führen.

Wird das Ergebnis noch vor der Sommerpause feststehen?

Auf jeden Fall.

Hypothetische Frage: Wenn Sie ein Mozart-Werk aufs Programm setzen dürften, welches würden Sie wählen?

Oh… Ich glaube, ich würde kein einzelnes nehmen. Ein Gedanke, hinter dem ich schon lange her bin: ob man nicht ein Pasticcio machen könnte, also ein neues Werk aus bereits bestehender Musik. Das sollte semikonzertant sein, also auch szenische Aspekte enthalten, und dafür müsste man ein eigenes Skript schreiben. Wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich mich daran machen. Das wäre so ein Ding, das dem Dramaturgen Weitzel am Herzen läge. Interview: Stefan Dosch

ist seit einem Jahr Kulturreferent der Stadt Augsburg. Zuvor war er, nach Stationen als Musikdramaturg in Würzburg und Augsburg, seit 2001 Leiter des Kulturamts in Augsburg und bestimmte in dieser Funktion auch das Programm des Mozartfests. Weitzel ist zudem Präsident der Deutschen Mozart-Gesellschaft mit Sitz in Augsburg.

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