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Augsburg

13.11.2019

Wird die Steingasse zu Augsburgs neuer Einkaufsmeile?

Die Steingasse hat nach ihrem Umbau gewonnen. Die Bäckerei Wolf, die dort eine Filiale eröffnet hat, ist zudem ein Frequenzbringer.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Nach dem Umbau siedeln sich neue und auch hochwertige Geschäfte an. Warum das dortige Konzept Vorbildcharakter hat – und auch wieder nicht.

Thomas Halder eröffnet demnächst in der Steingasse mit "Dog and Living" einen Laden für exklusiven Hundebedarf – und geht damit gegen den Trend, denn der heißt gemeinhin: Standorte wie solche sind für inhabergeführte Geschäfte kaum zu finanzieren. Die Mieten sind dort einfach zu hoch.

"Konnten uns auf eine vernünftige Miete einigen"

Grundsätzlich stimmt Halder dieser These zu. Lange habe er der Kosten wegen von der Anmietung eines Ladens in zentraler Innenstadtlage abgesehen. Erst als die Flächen in der Steingasse in die Diskussion kamen, sei die Entscheidung, sich doch in der Innenstadt zu versuchen, gefallen. "Wir konnten uns auf eine vernünftige Miete einigen und haben von anderen Händlern immer wieder gehört, wie positiv sich die Steingasse entwickelt hat", erzählt der Geschäftsmann.

Auch die Tatsache, dass es dem Vermieter mehr um die Besetzung mit einem Qualitätsgeschäft ging, als darum, den letzten Euro aus dem Mietvertrag herauszuschlagen, habe die Entscheidung positiv beeinflusst, sagt Halder.

Die Sanierung sorgt für einen Aufwärtstrend

Tatsächlich scheinen die Uhren in der Steingasse etwas anders zu ticken als in anderen Einkaufsstraßen in Augsburg. "Der Umbau und die Sanierung von Gebäuden waren ein ungemeiner Zugewinn für den Straßenzug. Das hat auch dazu geführt, dass Frequenzbringer wie die Bäckerei Wolf dorthin gezogen sind", sagt Andreas Gärtner vom Schwäbischen Einzelhandelsverband.

Die meisten Häuser sind im Privateigentum

Danach folgte eine Art Dominoeffekt: Mehr Passanten steigern die Attraktivität der Lage, das animiert neue Händler, sich hier niederzulassen. Dazu kommt ein weiteres Phänomen, wie Ulrich Mayer, Ortsvorsitzender des Einzelhandelsverbands Augsburg und Inhaber des No.7 in der Steingasse, weiß: "Die meisten Häuser in der Steingasse sind in Privatbesitz. Den Vermietern ist an einem qualitativ hochwertigen Besatz ihrer Immobilien gelegen. Daher sind sie bereit, die Mieten moderat zu halten." Das sorge dafür, dass in der Steingasse viele inhabergeführte Geschäfte mit besonderem Angebot sesshaft werden konnten.

Diese Situation mache die Steingasse für Innenstadtbesucher zu einer der spannendsten Adressen. "Wir haben im No.7 so zwar nach der Neugestaltung kein Mehr an Kunden, konnten aber den Status quo halten. Das ist angesichts der aktuellen Entwicklungen ein Erfolg", sagt Mayer.

Eine Umgestaltung der Karolinenstraße sieht der Einzelhandelsverband kritisch

Ist die Steingasse damit ein Paradebeispiel, wie auch andere schwierige Lagen in Augsburgs Innenstadt neu belebt werden könnten? Ja und nein, sagen Mayer und Gärtner. Während die Senkung von Mieten – beispielsweise in der Annastraße – positive Effekte haben könnte, seien große Neugestaltungsmaßnahmen beispielsweise in der Karolinenstraße zwar wünschenswert, aber eher schwierig. "Hier herrschen andere Voraussetzungen wie in der Steingasse. Unter anderem fahren Straßenbahnen und Touristenbusse." Ein Umbau samt Gebäudesanierungen würde die Straße für längere Zeit lahmlegen. Das sei kaum machbar. Dazu würde nicht jedes Geschäft den Umbau überleben, so Mayer. Das habe man – bei all den positiven Entwicklungen – auch in der Steingasse miterlebt.

Investoren nehmen Leerstände auch mal in Kauf

Was die Annastraße betrifft, gibt es noch ein anderes Problem: Hier sind laut Mayer oft Investoren Inhaber der Gebäude. Eine Umgestaltung und Aufwertung der Straße ist daher schwieriger. Aus Erzählungen weiß der Handelsexperte, dass mancher Immobilienbesitzer Investitionen in eine Gebäudesanierung nicht vorsieht und auch ein längerer Leerstand ohne große Bauchschmerzen in Kauf genommen wird. "Bestes Beispiel ist das ehemalige Woolworth-Gebäude", so Mayer.

Dazu fehle gerade dem hinteren Teil des Straßenzugs, also dem in Richtung Karlstraße, ein Magnet, der Kunden anzieht. Einen solchen zu finden, ist derzeit aber schwer. "Im Handel ist aktuell nicht viel Expansion. Schon gar nicht im Bereich Textil", weiß Andreas Gärtner. Dazu seien Frequenzrückgänge nach wie vor zu stark zu verzeichnen. "Damit wird der Markt für den stationären Einzelhandel enger. Unternehmen überlegen genau, wo sie sich niederlassen."

Im ehemaligen Esprit-Laden ist der Outlet von Koffer Kopf eingezogen

Schlechtreden wollen die beiden Handelsexperten die Annastraße aber dennoch nicht. "Auch der zuletzt häufig kritisierte hintere Teil wird sich machen, wenn die Baustellen rund um den Weißen Hasen wegfallen", ist sich Ulrich Mayer sicher. In den Räumen, in denen Esprit zuletzt sein Geschäft unterhielt, ist nach mehreren Monaten Leerstand der Outlet von Koffer Kopf eingezogen, wenn auch nur vorübergehend. Immerhin gibt es so in der Vorweihnachtszeit keinen Leerstand.

An einen Aufschwung in der Annastraße nach dem Ende der Bauarbeiten glaubt auch Andreas Gärtner und hofft, dass seitens der Stadt mit einer Begrünung zusätzlich für mehr Aufenthaltsqualität gesorgt wird. Dann funktioniere auch der Rundlauf zwischen Philippine-Welser-, Anna-Straße und Steingasse wieder. Davon würden schließlich alle Händler in allen Lagen profitieren.

Lesen Sie auch den Kommentar: Handel: Die eine Wahrheit gibt es nicht

 

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