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Rauchverbot

05.07.2010

Wirte wollen notfalls bis zum Verfassungsgericht

Rauchverbot.
Bild: Simone Bronnhuber

Bei vielen Rauchern herrscht dicke Luft nach dem Ja der Bayern zum absoluten Rauchverbot. Vor allem kleine Kneipen fürchten um ihre Existenz. Wie der Qualm auf dem Plärrer verhindert werden soll, ist noch nicht geklärt. Von Jörg Heinzle

Bei vielen Rauchern herrscht dicke Luft nach dem Ja der Bayern zumabsoluten Rauchverbot. Vor allem kleine Kneipen fürchten um ihreExistenz. Wie der Qualm auf dem Plärrer verhindert werden soll, istnoch nicht geklärt.

Silvia Siegmund steht im Bierbrunnen in der Ludwigstraße hinter der Theke, die Packung Chesterfield liegt griffbereit. "Jetzt wird's bitter", sagt sie. Viele ihrer Gäste sind überzeugte Raucher. Ob sie weiter kommen, wenn bald das strenge Gesetz gilt?

Der Maxstraßen-Wirt und CSU-Stadtrat Leo Dietz ("Peaches") hat eine klare Meinung zum Ausgang des Volksentscheids. "Das bedeutet das Aus für die Kneipenkultur", sagt er. Für Restaurants, Klubs und Diskotheken ist das strenge Verbot seiner Einschätzung nach halb so wild.

Wirte wollen notfalls bis zum Verfassungsgericht

Leo Dietz hat in seinen Läden schon vor zwei Jahren das Qualmen komplett verboten - und kann damit gut leben. Schwer wird es, prophezeit er, für kleine Eckkneipen. "Da werden einige schließen müssen, da geht es um Existenzen."

Spannend wird es auch, wenn am 27. August die Bierzelte auf dem Herbstplärrer öffnen. Dort ist Rauchen jetzt ebenfalls tabu. Das neue Gesetz gilt ab August, nur für das Oktoberfest in München gilt in diesem Jahr noch eine Ausnahme. Bei der Stadt hält man sich bedeckt, wie man das Qualmverbot auf dem Plärrer durchsetzen will. "Wir wollen uns das Gesetz genau anschauen und dann entscheiden", heißt es im zuständigen Ordnungsreferat.

Die Festwirte rechnen offenbar mit deutlichen Einbußen. Einer der Wirte, die auf dem Plärrer aktiv sind, fürchtet angeblich ein Umsatzminus von 20 bis 30 Prozent. Genervt sind die Wirte vor allem vom ständigen Hin und Her. Schon einmal gab es im Freistaat ein strenges Anti-Rauch-Gesetz, Anfang 2008.

Damals war das Binswanger-Zelt auf dem Gögginger Frühlingsfest rauchfrei, offiziell zumindest. "In der Praxis ist es schwer zu kontrollieren", berichtete Wirtin Angelika Kempter damals. Rauchende Gäste waren nur wenig einsichtig.

Auch andere Gastronomen sind sauer wegen des Zickzack-Kurses. Ufuk Aykut hat viel Geld in die Hand genommen, um im Spectrum-Club einen Raucherraum einzurichten. Der Raum ist bald überflüssig. Doch Aykut will das nicht auf sich sitzen lassen. Zusammen mit anderen Wirten und dem Anwalt Michael Weiss plant er, Beschwerde beim bayerischen Verfassungsgerichtshof einzureichen.

"Es geht uns um das Recht auf Berufsfreiheit, das eingeschränkt ist", sagt Weiss. Der Jurist ist zuversichtlich. Im Saarland kippte das Verfassungsgericht ein strenges Verbot, das zum 1. Juli in Kraft treten sollte. "Das können wir hier auch schaffen", meint Weiss.

Möglicherweise ist das strenge Gesetz aber ohnehin ein "zahnloser Papiertiger", wie ein Insider vermutet. Die Stadt Augsburg hat derzeit keine Gaststättenkontrolleure, die im Außendienst arbeiten. Geplant ist zwar, zwei neue Kontrolleure einzustellen. Doch wann diese Stellen geschaffen werden, ist offen. Von Jörg Heinzle

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