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Augsburg

05.09.2019

Wissenschaftler sorgen sich um Römisches Museum in Augsburg

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Vor bereits sieben Jahren musste das Römische Museum in der Innenstadt geschlossen werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Römische Museum wurde 2012 wegen unsicherer Statik geschlossen. Weil das Geld knapp ist, gibt es eine provisorische Ausstellung. Wissenschaftler schlagen Alarm.

Wird das Römische Museum zu einer Unterabteilung der städtischen Ausstellungshäuser degradiert? Aus Sorge darüber haben sich Professoren der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Augsburg jetzt an Oberbürgermeister Kurt Gribl gewandt. Die Wissenschaftler befürchten, dass eine der wichtigsten Epochen der Augsburger Geschichte vernachlässigt wird. In einem offenen Brief fordern sie Gribl deshalb auf, sich für eine „zeitnahe Lösung“ fürs Römische Museum einzusetzen.

Auslöser des Schreibens ist ein Konzept, das die Stadt zuletzt von externen Fachleuten erstellen ließ. Es ging darum, Wege und Konzepte für die Zukunft der städtischen Ausstellungshäuser aufzuzeigen. Alle kommunalen Museen wurden dafür analysiert, die Untersuchung gipfelte in zehn Empfehlungen für eine nachhaltigere und an den Besuchern orientierte Präsentation.

Zukunft des Römischen Museums in Augsburg

In diesem sogenannten Museumsentwicklungskonzept sind auch Ideen für das Römermuseum enthalten. Doch diese rufen bei einigen Experten Verwunderung hervor. Ein Grund: Die Römerzeit soll künftig in einer Art Ausstellungsforum präsentiert werden, das rund um die Dominikanerkirche neu entstehen könnte. Dieses Forum würde zudem eine Veranstaltungshalle sowie ein Zentrum beherbergen, in dem Besucher Informationen zu allen Museen fänden. Die Vision von einem modernen Neubau allein fürs Römische Museum wäre damit wohl endgültig vom Tisch.

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Hinzu kommt, dass das Ausstellungsforum nicht mehr direkt Kunstsammlungsleiter Christof Trepesch unterstellt wäre. Stattdessen soll es von einem Moderator gemanagt werden, der das Ausstellungsforum unter Einbeziehung von Museumsmitarbeitern, Kulturpolitikern und Bürgern „bespielen“ würde. „Das Römische Museum wäre erst einmal organisatorisch aus dem Verbund der Kunstsammlungen ausgegliedert und zu einer Unterabteilung des Forums degradiert“, moniert Gregor Weber, Professor für Alte Geschichte an der Uni Augsburg.

Offener Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl

Weber hat den Offenen Brief an OB Gribl gemeinsam mit Prof. Natascha Sojc (Klassische Archäologie an der Uni Augsburg) und Prof. Salvatore Ortisi (Provinzialrömische Archäologie, LMU) unterzeichnet. Die Wissenschaftler sprechen von einem „erheblichen Qualitätsverlust“, würden die Ideen fürs Römermuseum so umgesetzt, wie sie im Entwicklungskonzept beschrieben sind. Schon jetzt sehen sie eine „gravierende Diskrepanz“ zwischen den Schätzen, die das römische Augsburg zu bieten habe, sowie der „traurigen Realität und der fehlenden Perspektive“ für das Ausstellungshaus.

So sieht es in der sanierungsbedürftigen Dominikanerkirche aus, die das Römische Museum beherbergt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Tatsächlich liegt die Hochzeit des Augsburger Römermuseums Jahre zurück. Die letzte bedeutende Großausstellung dort gab es 2007, zu „Barbarenschatz“ kamen über 46000 Besucher. Danach pendelten sich die Zahlen bei 30000 Gästen ein – mal mehr, mal weniger. Bis 2012, als das Römische Museum praktisch von heute auf morgen geschlossen wurde, weil die unsichere Statik der Dominikanerkirche keine öffentliche Nutzung mehr zuließ.

Die Funde aus Zeiten der Siedlungsgründung wurden erst ins Archiv gepackt, seit 2015 sind sie in der Toskanischen Säulenhalle beim Zeughaus zu sehen. Zunächst sollte das nur übergangsweise so sein, doch wie so oft wurde aus dem Interim eine recht langfristige Lösung mit vielen Nachteilen. Einer ist, dass sich in der kleinen und von Säulen durchsetzen Ausstellungshalle kaum größere Sonderschauen konzipieren lassen. „Um Einzelbesucher und Touristen anzusprechen, bräuchte es aber einen häufigeren Wechsel“, sagt Manfred Hahn, der kommissarische Leiter des Hauses. Mit den aktuellen Besucherzahlen – rund 20000 pro Jahr – ist er zufrieden. Doch die Stadt, weiß er, habe mehr Potenzial.

Augsburger Dominikanerkirche braucht neuen Boden

Zwar gibt es in Augsburg keine Monumentalbauten mehr wie etwa das berühmte Trierer Stadttor Porta Nigra. Dennoch zählt die römische Sammlung Augsburgs laut Experten neben denen von Xanten, Köln, Mainz und Trier zu den fünf wichtigsten deutschlandweit. Bürger und Touristen jedoch bekommen davon wenig mit, weil sowohl das Geld als auch die Räume für eine adäquate Präsentation fehlen.

Wie es rund um die Dominikanerkirche weitergeht, ist offen. Das Gebäude selbst wurde in den vergangenen Jahren statisch so gesichert, dass größere Schäden auszuschließen sind. Viel mehr ist aber nicht passiert, was vor allem am Geld liegt. Das Geld für einen neuen Boden in der Kirche – rund drei Millionen Euro – wurde Jahr um Jahr wieder aus dem städtischen Haushalt gestrichen und an einen Neubau ist derzeit nicht zu denken.

Oberbürgermeister Kurt Gribl betont, die Stadt werde auch künftig darauf bedacht sein, „sich zu ihren römischen Wurzeln zu bekennen“. Die größte Herausforderung für die Darstellbarkeit der römischen Geschichte sei aber, „das zur jeweiligen Zeit Leistbare und Machbare umzusetzen und dabei das Wünschenswerte nicht aus den Augen zu verlieren“. Für das Römische Museum bedeutet dies übersetzt, dass auch in den nächsten Jahren keine gravierenden Änderungen zu erwarten sein werden... "

Lesen Sie dazu den Kommentar: Römisches Museum: Eine Chance für den großen Wurf

Lesen Sie auch: Warum die Stadt ein Geheimnis um ihre Museen macht

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