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Wo bleibt die Jugend in der Kirche?

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Kommentar Von Alois Knoller
30.03.2018

Zu „Nightfever“ strömen junge Christen, am Sonntag sieht man nur wenige. Warum Religion in der nächsten Generation durchaus ankommt.

Immer wenn das „Nightfever“ am Samstagabend sprüht, gehört der Augsburger Dom den jungen Leuten. Sie kommen zu hunderten, entzünden Kerzen, schnuppern Weihrauchduft, genießen die Stille, versenken sich in Meditation und sprechen sich sogar bei der Beichte aus. Warum gelingt das, was hier in der Regel einmal im Monat möglich ist, nicht auch in gewöhnlicher Atmosphäre in unseren Kirchen?

In den Sonntagsgottesdiensten machen sich Jugendliche aller Erfahrung nach rar. Sie versprechen ihnen offensichtlich nicht dasselbe gesättigte spirituelle Erleben wie solche außergewöhnlichen Angebote in der Kirche, die mit großem Aufwand inszeniert werden. Muss die Kirche also stets die Show abziehen, um wieder Nachwuchs für sich zu gewinnen? Ist das ein Rezept für das Jahr der Jugend, das Papst Franziskus 2018 für die katholische Kirche ausgerufen hat?

Religiosität sieht anders aus

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Die Religiosität ist bei den Kindern und Jugendlichen heute keineswegs verflogen, wie die Alten oft beklagen, aber sie sieht anders aus. Junge Leute holen sich ihre Spiritualität, wie ihnen gerade zumute ist. Das kann in der Stille einer Kirche sein; in St. Moritz beispielsweise gönnen sich etliche junge Leute tagsüber eine kleine Auszeit. Es kann in einem Jugendgottesdienst mit neuen geistlichen Liedern und modernen Texten sein. Oder einfach überall dort, wo gute Gemeinschaft erfahren wird, etwa auf dem Rathausplatz oder am Kuhsee.

Die evangelische Kirche in Augsburg macht seit vielen Jahren beste Erfahrungen mit ihrem Konficamp. Rund 650 Jugendliche erleben in den Sommerferien zehn Tage gemeinsames Lagerleben an der italienischen Adria. Es ist nicht nur Strandurlaub, sondern Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben und Einüben, wie dieser das Zusammenleben prägen kann. Glaubwürdigkeit ist gefragt. Was die Pfarrer sagen, sollten sie auch selbst leben – gerade wenn es ernst wird und zwischenmenschliche Konflikte auflodern. So sehr beeindruckt die Zeit im Konficamp, dass viele Konfirmanden sich später selbst als ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Ähnliches erzählen kirchliche Jugendgruppen von ihren Zeltlagern. Wer eine Zeitlang miteinander das Leben teilt, erhält einen viel tieferen Eindruck von Freundschaft, die ein gemeinsamer Spirit beflügelt.

Ministranten schweißt ihr Dienst zusammen

Ministranten – sie dürften die größte kirchliche Jugendvereinigung sein – schweißt ihr Dienst am Altar zusammen. Es sind nicht nur die rituellen Verrichtungen, welche die Großen den Kleinen beibringen. Es ist auch die gemeinsame Freizeit, Aktionen wie die Sternsinger, Ausflüge und Fahrten. Wenn es nach Rom zur internationalen Ministrantenwallfahrt geht, dann ist es ein leichtes, Gleichaltrige (und Gleichgesinnte) aus anderen Ländern kennenzulernen.

Jugendliche gehen spielerisch mit der Religion um. Seit über einem Jahr verbindet das diözesane WhatsApp-Gebetsnetzwerk „Einfach gemeinsam beten“ zahlreiche jugendliche und erwachsene Christen mit täglichen Impulsen. Jüngst hat es den Verkündigungspreis einer Aachener Stiftung erhalten. Das Angebot verbleibt nicht nur im virtuellen Raum, allein in Augsburg gibt es auch vier Gruppen, die das Netzwerk zusammengeführt hat.

Das größte Netzwerk bildet aber der Religionsunterricht. Zwar besuchen ihn längst nicht mehr alle Schüler, doch den Kirchen bietet er die einmalige Chance, christliche Glaubensinhalte zu vermitteln – ohne zu missionieren. Wohl aber stellen sich darin die wesentlichen Fragen des Lebens nach Woher und Wohin und Wozu. Sie bedrängen wohl jeden jungen Menschen, wenn sie auch nur ein bisschen unter die Oberfläche unserer Konsumkultur tauchen. „In jedem jungen Menschen wohnt ein Prophet“, sagt Papst Franziskus. Jugend stellt die Verhältnisse infrage, will die Welt ein Stück besser machen, nimmt sich die Freiheit, anders zu leben. Gering ist die Bereitschaft, sich den alten Ritualen zu unterwerfen. Jeden Sonntag brav zur Kirche gehen, egal ob einem der Priester liegt oder nicht, wie Bischof Konrad Zdarsa fordert, tun die wenigsten. Meinen sie es deswegen nicht ernst? Sieht man den Ansturm tausender junger Leute auf die Augsburger „Mehr“-Konferenz und das Gebetshaus, könnte man glauben, hier liege die Zukunft des Christentums. Doch auch dieses Charismatikertum ist nur ein Ausschnitt.

Pop-Oratorium „Luther“

Im evangelischen Dekanat hat es sich bewährt, dass ein Popkantor andere musikalische Farben in die Kirche bringt. Gerade plant Hans-Georg Stapff, an Allerheiligen das Pop-Oratorium „Luther“ in Augsburg aufzuführen. Bis zu 300 Chorsänger sollen es zusammen mit Solisten auf die Bühne bringen. Es wird daran erinnern, dass Martin Luther vor 500 Jahren in Augsburg vom päpstlichen Legaten verhört worden ist – und ganz im jugendlichen Geist nicht widerrufen hat, was er als richtig erkannt hat.

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