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Augsburg

06.10.2017

Wo der Hund mit dem Kaninchen kuschelt

Fellpflege, die sich der Vierbeiner gerne gefallen lässt.
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Fellpflege, die sich der Vierbeiner gerne gefallen lässt.
Bild: Annette Zoepf

Im Textilviertel gibt es eine Gartenanlage in der auch Katzen, Hühner und Gänse ausdrücklich gewünscht sind.

Es ist, als sei der Besucher von einer Sekunde auf die andere in eine ganz anderen Welt eingetaucht. In einem Moment ist er noch in der Stadt, wo vorbeifahrende Autos dröhnen, alles asphaltiert ist und Wohnblöcke dicht an dicht aneinander stehen. Und im nächsten Augenblick glaubt er, in der freien Natur unterwegs zu sein.

Bei der beschriebenen grünen Insel handelt es sich um die Kleingartenanlage des Zentralverbands Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) Augsburg im Textilviertel. 19 Parzellen gibt es hier, alle mit einer Fläche von 330 bis 350 Quadratmetern. Mancher Pächter hält sich abgesehen von Kaninchen noch Gänse, Hühner oder Brieftauben im Garten. Jede Parzelle hat ihren ganz eigenen Einrichtungsstil. Bei den einen wohnen Gartenzwerge im Grün, andere wiederum sind mit Badewannen möbliert.

Ein Besitzer einer solchen Parzelle ist Frank Sparrer, der Vorsitzende des ZDRK Augsburg. „Ich war schon immer ein Tiernarr“, sagt er. „Früher hatte ich einen Garten in der Kleingartensiedlung ganz in der Nähe. Dann habe ich aber hiervon erfahren.“ Die Hobbys Tiere und Garten an einem Ort zusammenzubringen, habe ihn schließlich total begeistert. Und: „Da wo ich wohne“, sagt er, „habe ich schlicht und ergreifend keinen Garten.“ Deshalb musste es seiner Auskunft nach diese Lösung sein.

Nichts ist zugekauft

Sparrer kommt täglich in seinen Garten. Auch deshalb, weil die Tiere Pflege und Futter brauchen. „Klar“, sagt er, „einfach mal in den Urlaub fahren, das funktioniert nicht.“ Das sei nur möglich, wenn er wisse, dass sich jemand um seine Kaninchen kümmert. Eines erschwert die Sache noch zusätzlich: Der 53-Jährige baut das Futter für seine Tiere selbst an. Egal ob Kohl, Karotten oder Heu – nichts davon ist zugekauft, alles sei aus eigenem Anbau. „Da habe ich dann, mein eigenes Bio‘ und weiß, dass es auch wirklich Bio ist.“

In diesem Jahr hat Sparrer 13 Kaninchen. Wie er sagt, schwanke die Population, im Schnitt betrage sie um die 30 Tiere. Dieses Jahr, so die Bilanz des Vorstandes, sei deshalb eines der schlechteren.

Die Tiere kommen im Frühling zur Welt und sind rechtzeitig zu den Tierschauen auf den unterschiedlichen Ebenen ausgewachsen. Los geht es im August mit der kommunalen Augsburger Schau. Im Oktober wird die größere regionale Schau in Günzburg stattfinden, gefolgt von der deutschlandweiten Leipziger Ausstellung im Dezember. Über 20000 Tiere stehen dort zum Verkauf, wobei dort auch Sparrer seine Tiere anbietet. So habe er kein Kaninchen länger als ein Jahr.

Wo sich alle verstehen

Neben seinen Kaninchen hat Sparrer auch noch andere Tiere. Das sind zwei Hunde und drei Katzen. Das Verblüffende: Egal ob Hund, Katz’ oder Kaninchen, alle verstehen sich untereinander sehr gut. „Ich sehe es öfter, dass mein kleiner Hund in einen der Kaninchenställe hinein hüpft und dann mit dem Bewohner kuschelt“, erzählt der Züchter. Das könne aber auch daran liegen, dass er alle seine Tiere von klein auf so erziehe, dass keine Probleme auftreten können.

Die meisten Leute reagieren auf Sparrers Hobby sehr begeistert. Sie fänden es toll, dass er sich so um Tiere kümmere. Ein paar Kritiker aber gibt es auch. „Das sind dann die Tierschützer. Die haben Angst, dass es den Tieren bei uns nicht gut geht und machen im Schnitt einmal pro Monat einen riesen Aufstand.“ Er selbst lässt sich davon nicht beirren. Denn lieber sitzt er am Abend in seinem Garten als daheim vor dem Fernsehapparat. Der ehemalige Glaser braucht erst gar nicht zu betonen, wie sehr er sein Hobby mag.

Wie Sparrer sind auch alle anderen Parzellenbesitzer der Anlage Kaninchenzüchter. Das ist die grundlegende Voraussetzung. Einmal im Monat haben sie ein Versammlung, auf der sie, wie jeder andere Verein auch, wichtige Dinge diskutieren. In der Weihnachtszeit wird die Anlage noch außergewöhnlicher hergerichtet, als sie es ohnehin schon ist. Die Bewohner liefern sich jährlich regelrecht einen Wettbewerb, wer seine Parzelle schöner und größer beleuchten kann.

Die schönste Dekoration

Mit hörbarem Stolz kann er mitteilen, in den vergangenen Jahren immer selbst gewonnen zu haben. Doch die Konkurrenz schläft nicht beziehungsweise ist längst aufgewacht. Vor allem der Ehrgeiz der Migranten aus dem „russischen Sprachraum“ sei geweckt, meint er. Aber auch wenn das drei Wochen vor dem ersten Advent mit viel Arbeit einhergehe, kann Sparrer aus Überzeugung sagen: „Die Mühe lohnt sich.“

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07.10.2017

Und im nächsten Augenblick glaubt er, in der freien Natur unterwegs zu sein...

Traurig das Stadbewohner heutzutage alles was grün ist schon für "Natur" halten. Wahrscheinlich weil die meisten noch nie unberührte Natur gesehen haben. Und das ist auch gut so - sie würden ohnehin nur ihren Müll dort verteilen.

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