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Immobilien

08.08.2016

Wo es in Augsburg bald günstige Mietwohnungen gibt

Augsburg braucht dringend neue und günstige Wohnungen. Die städtische WBG will in den nächsten Jahren rund 750 bauen.
Bild:  Ralf Lienert (Symbol)

Die städtische WBG kommt mit ihrem Bauprogramm erst langsam in die Gänge. Bald werden mehrere Projekte in Augsburg angepackt. Doch der Bedarf ist noch größer.

Günstige Wohnungen werden in Augsburg dringend gesucht. Aber die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) kommt mit ihrem 600-Wohnungen-Programm bis zum Jahr 2020 beim Bau noch nicht recht in die Gänge. „Wir haben noch nicht viel gebaut, weil die Planung etwas dauert. Aber wir sind dran“, so WBG-Geschäftsführer Mark Dominik Hoppe.

Die WBG ist auf dem Augsburger Mietmarkt ein gewichtiger Spieler: Mit mehr als 9900 Wohnungen besitzt sie mehr als zehn Prozent aller Mietwohnungen in Augsburg. Die durchschnittliche Miete liegt bei sehr günstigen 5,34 Euro pro Quadratmeter.

Wie berichtet hat die WBG vom Stadtrat den Auftrag bekommen, bis zum Jahr 2020 jedes Jahr umgerechnet 100 Wohnungen neu zu bauen. Aus dem Stand ist das aber nicht möglich, schon allein, weil Grundstücke fehlen. Dafür, so Hoppe, werde man in den kommenden Jahren mehrere Projekte gleichzeitig abwickeln. Diese sind angesichts des Zuzugs nach Augsburg auch dringend nötig und eigentlich sogar zu wenig. Doch bei einem jährlichen Gewinn von 1,3 Millionen Euro – bedingt durch die niedrigen Mieten – ist mehr nicht möglich.

Wo es in Augsburg bald günstige Mietwohnungen gibt

Warum steigen die Preise?

Die Mieten auf dem freien Markt – zehn Euro pro Quadratmeter sind bei Neubauten inzwischen üblich – können sich aber immer weniger Augsburger leisten. Dabei sind die Vermieter nicht raffgierig – die Kosten für den Neubau von Wohnungen sind durch hohe Grundstückspreise in Verbindung mit gestiegenen Baupreisen und energetischen Anforderungen auch massiv gestiegen.

Das Modell der WBG ist, staatlich geförderte Wohnungen zu errichten: Ein Drittel wird mit Menschen belegt, die im Bereich des Sozialhilfesatzes liegen, die anderen zwei Drittel mit Besserverdienenden bis hin zum Akademiker. Die Mieter bekommen je nach Einkommen einen staatlichen Zuschuss zwischen vier und einem Euro pro Quadratmeter und Monat. Deswegen sind die Wohnungen begehrt. Die Warteliste wächst, gleichzeitig ist die Fluktuation 2015 mit 6,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Jahren gesunken.

Aktuell werden 40 Wohnungen an der Donauwörther Straße gebaut, im Herbst sollen 45 Wohnungen an der Offinger Straße (nahe Reese-Areal) und in der Bärenstraße begonnen werden. In Planung sind 45 Wohnungen in der früheren Flak-Kaserne, 60 auf dem Areal der ehemaligen Spicherer-Schule (Pfersee), 190 im Sheridan-Areal. Der größte Brocken sind die Gebäude an der Ulmer Straße mit 141 Wohnungen, für das 2017 die Bagger rollen sollen, und daran anschließend in der Langemarckstraße. Diese Projekte hatten im Reese-Areal bei einigen Bewohnern für Verstimmung gesorgt. Bis 2022 habe man insgesamt 750 Wohnungen in Planung, so Hoppe.

Rees-Areal: Gribl schaltet sich ein

In die Diskussionen auf dem Reese-Gelände hat sich inzwischen auch Oberbürgermeister Kurt Gribl ( CSU) eingeschaltet. WBG-Wohnungen gebe es in so gut wie allen Stadtteilen. „Und überall sind sie in die Viertel eingebettet, ohne dass es Probleme gibt.“ Bei den Bewohnern achte man auf einen guten Mix und soziale Tragfähigkeit. „Wir gestalten das so, dass keine Schieflagen entstehen. Es gibt keinen Grund zur Stigmatisierung.“ Die Diskussion in Kriegshaber könne er nicht nachvollziehen. Gleichwohl wolle man mit den Wortführern im Gespräch bleiben. „Es sind Ängste da, und die lassen sich nicht verbieten.“

Dabei ist klar, dass es in Augsburg zu wenig geförderte Wohnungen, gemeinhin Sozialwohnungen genannt, gibt. Deren Zahl sank in den vergangenen Jahren, weil die 25-jährige Mietpreisbindung, die bei solchen Häusern gilt, ablief. Von knapp 23000 Sozialwohnungen im Jahr 1990 sank die Zahl auf 6000 im Jahr 2015 und wird bis 2020 auf 4900 zurückgehen. Diese Zahlen beziehen sich auf Sozialwohnungen des sogenannten ersten Förder-wegs, bei denen die Bewohner ausschließlich aus finanziell schwachen Verhältnissen stammen. Seit 2001 setzt man auf die einkommensgestaffelte Belegung, um soziale Brennpunkte zu vermeiden. Allerdings wurden seit 2002 nur 700 derartige Wohnungen gebaut. Die WBG setzte in den vergangenen Jahren vor allem darauf, ihren Bestand zu erneuern, statt neu zu bauen. Insgesamt sollen, Projekte privater Investoren mitgerechnet, bis 2020 mehr als 1000 neue Wohnungen entstehen.

„Es ist eine Trendwende eingeläutet, aber das reicht noch nicht“, sagt Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD). Die SPD drängt nach wie vor darauf, dass die Stadt eine fixe 30-Prozent-Regel für geförderte Wohnungen in Bebauungsplänen vorsieht. Das CSU-geführte Baureferat sieht dabei aber diverse rechtliche Probleme. Das Thema ist auch in der Kooperationsvereinbarung zwischen CSU, SPD und Grünen angesprochen, allerdings mit dem Zusatz „soweit möglich“.

Die Linken hatten vor Kurzem gar gefordert, dass die WBG 1000 Wohnungen jährlich bauen soll. Das gilt aber als finanziell nicht leistbar, zumal es dafür auch nicht genügend bezahlbare Grundstücke gibt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.08.2016

Schön, dass sich Herr Gribl doch noch in die Diskussion einschaltet. So sehr ich die Politik der CSU durchaus schätze … mit der Aussage „Die Diskussion in Kriegshaber könne er (also Herr Gribl) nicht nachvollziehen.“ kann ich leider nur sehr bedingt etwas anfangen. Es scheint viel mehr so zu sein, dass viele Anwohner und Bewohner des Reese-Baugebiets die geänderten Baupläne bzw. die willkürlich und möglichst ohne Beteiligung der Öffentlichkeit geändert scheinenden Baupläne der Stadt Augsburg (und dazu zähle ich neben dem Bauamt auch die stadtnahen Betriebe AGS und WBG) nicht so ohne weiteres nachvollziehen können. Zumal diese Pläne einfach nicht mit dem von der Stadt herausgegebenen "Reese-Handbuch" konform gehen. Für die von der WBG geplanten, gegenüber den ursprünglichen Plänen, deutlich vergrößerten, viel zu großen Bauklötze mit den viel zu wenigen Parkplätzen (das ist nur ein Punkt) werden Bedenken der Bürger einfach lapidar vom Tisch gewischt. So kam von der WBG lapidar der Einwand, dass in der Stadt der Zukunft weniger Individualverkehr benötigt wird und dass das unterste 1/3 der Bewohner des sozial geförderten Wohnraums gar kein Auto besitzen darf.

Von der Stadt selbst gesteckte Ziele und Vorgaben werden einfach schnell angepasst und geändert. Für die einzelnen Grundstücke im Reese-Baugebiet gibt es viele Vorschriften (genauer Faktor bebaut/unbebaut (z. B. für Wintergarten, Größe eines Gartenschuppens), bestimmte Pflanzen sind nicht zulässig, dafür sind die zwingend vorgeschriebenen Obstgehölze sogar im Grundbuch eingezeichnet und vorgeschrieben sowie ggf. zu ersetzen, wenn so ein Obstbaum „verschwindet"). Kritiker des WBG-Bauvorhabens werden dafür gerne sozial stigmatisiert bzw. als unsozial oder asozial hingestellt.

Auch bin ich nicht der Meinung, dass der geförderte Wohnraum über das gesamte Stadtgebiet gleichmäßig verteilt wird. Immerhin wird im Streit um das Baugebiet „Radegundis“ von der AZ berichtet: „Aufgrund der exklusiven Lage wäre das Gebiet vor allem für vermögende Interessenten interessant“ (AZ vom 17. Juli. 2016). Vielleicht ist ja dort tatsächlich ein „Augsubrger Villenviertel“ geplant, wie dies Herr Bode kritisch angemerkt hat. Wobei der Begriff „Reichengetto“ (SPD Göggingen) hier schon etwas grob rüber kommt. Ohnehin scheint der Augsburger Bereich um Göggingen-Pfersee gegenüber anderen Stadtteilen in mancherlei Hinsicht bevorzugt zu sein.

Bezüglich der nicht immer nachvollziehbaren Bauaktivität der Stadt Augsburg (siehe hierzu auch den interessanten AZ-Artikel „Wo bleiben die Visionen? Augsburg hat besseres Bauen verdient“ vom 10. Juli 2016) und der ebenfalls nicht nachvollziehbaren, derzeit hecktisch und wenig nachhaltig anmutende Aktivität beim sozialen Wohnungsbau (z. B. der Artikel „Zu wenig sozialer Wohnungsbau?“ in der AZ vom 20. Juli 2016), würde ich mir von Seiten der Stadt Augsburg wünschen, dass die Stadtväter sich einfach nur an ihre eigenen Vorgaben halten würden. Wenn dies vom Bürger ebenfalls erwartet wird, so ist diese Forderung nur fair.

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11.08.2016

Genau das ist der Punkt. Die Stadt inkl. AGS und WBG schaltet und waltet wie es gerade passt. Dass sich da Käufer von Imoobilien da betrogne und verarscht vorkommen ist wohl wenig verwunderlich.

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11.08.2016

Ich bin schon sehr gespannt, was die Stadt Augsburg da derzeit geplant hat. Vor der Sommerpause wurde das Thema WBG-Bau an der Ulmer Straße von Seiten der Stadt mehr oder weniger diskutiert und beschlossen. Demnächst sollte also im Stadtplanungsportal der Stadt Augsburg, Internet:

http://stadtplanung.augsburg.de/oeffentlichkeitsbeteiligung/auslegungen/

eine Auslegung bzw. Erläuterung einsehbar sein. Dort kann die Bürgerin / der Bürger auch online Kritiken äußern, welche im weiteren Verfahren dann einzeln oder – wenn Thematisch ähnlich – zusammengefasst von der Stadt abgearbeitet werden müssen oder zumindest sollten. Bei einer sehr starken Beteiligung der Bürger könnte dann vielleicht der eine oder andere Kritikpunkt (z. B. zusätzliche Parkplätze unterhalb des geplanten WBG-Gebäudes, ggf. auch auf 2 Parketagen (das käme aber nach Aussage des Bauamtes zu teuer), viel zu klotzige und große Architektur) berücksichtigt werden.

Die bauliche Zukunft besteht nicht aus großen anonymen Wohnblöcken. Selbst in Augsburg wird diese Thematik diskutiert. So heißt es noch in der AZ vom 23. Juni 2013 („170 Wohnungen entstehen auf dem ehemaligen Hasenbräu-Gelände") von Augsburgs OB Kurt Gribl „Sensibler könnte ein neu zu erschließender Bereich kaum sein, als hier mitten in der Stadt“ und betonte dabei die umfangreichen Abstimmungsgespräche, die im Vorfeld geführt worden sind. Nur 3 Jahre später liest man in der AZ vom 10 Juli 2016 („Wo bleiben die Visionen? Augsburg hat besseres Bauen verdient"), dass das sog. Kaiserviertel auf dem früheren Hasenbräu-Gelände städtebaulich in dieser zentralen, historischen Lage kein großer Wurf geworden ist. Hoffentlich muss der Augsburger in ein paar Jahren nicht ähnliches zum Reese-Areal lesen müssen. Andererseits stellt sich auch die Frage, warum die WBG in diesem städtebaulich interessanten Areal nicht auch so aktiv wurde.

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08.08.2016

Heute gibt es auf dem Reese Areal 309 Wohneinheiten frei finanziert. 153 geförderte Wohnungen. An der Ulmer Straße kommen 141 dazu, in der Langemarckstraße 105. Resultat: 309 frei finanzierte, 399 geförderte Wohnungen. In der Sommestraße hat die WBG ein weiteres Grundstück für den Wohnungsbau statt der Passiv EFH.

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08.08.2016

WANN KOMMT DEN DER AUGSBURGER MIETPREISSPIEGEL ?

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