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07.06.2009

Wo für alles ein Kraut gewachsen ist

"Der Apothekergarten ist so etwas Herrliches. Schönheit und Brauchbarkeit sind hier vereint", sagt Helga Peter und dreht den saftig grünen Stiel einer Eberraute zwischen ihren Fingern. Das kleine Zweiglein ist ein Geschenk von Siegfried Hagspiel, dessen Führung sie schon seit 20 Minuten verfolgt.

An die 60 Besucher sind am Samstag in den Botanischen Garten gekommen, um das 25. Jubiläum des Augsburger Apothekergartens zu feiern. Siegfried Hagspiel, Gründer und vom ersten Tag an fachkundiger Führer durch das Heilpflanzenparadies, liefert einen Vortrag über Wirkstoff und Indikationsgebiet verschiedener Heilpflanzen des Apothekergartens - bevor sich die Besucher bei einem Rundgang selbst einen Eindruck von den grünen Gesundheitsbringern in freier Natur verschaffen.

Dass die pflanzliche Medizin immer mehr an Bedeutung gewinne, darin sind sich Peter und Hagspiel einig. "Ärzte sind heutzutage leider zu Geschäftsleuten avanciert. Es steht nicht mehr das Wohl des Patienten an erster Stelle", sagt Helga Peter und verweist auf einstige eigene Beschwerden, die sie mit Mitteln der Schulmedizin nicht bekämpfen konnte. "Die pflanzliche Medikation allerdings hat geholfen. Binnen weniger Tage hatte ich keine Beschwerden mehr", erinnert sie sich.

Auch Hagspiel kritisiert so manchen Missstand. "Es fehlt so viel in Bezug auf die pflanzliche Medizin. Sie wird nur noch oberflächlich gelehrt. Dabei ist sie so wichtig", sagt Hagspiel, der früher selbst Apotheker war.

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180 Pflanzenarten auf 1000 Quadratmetern

Darum steckt er nahezu jede freie Minute in die Pflege des Apothekergartens, der bereits 1983 in bestehender Form angelegt wurde und bis heute nahezu unverändert ist. 180 Heil-und Kräuterpflanzenarten finden sich in den zehn Zonen des Gartens, die allesamt bestimmten Anwendungsgebieten zugeordnet sind. Rheuma- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beispielsweise oder Schwächen der Atmungsorgane sind nur ein geringer Teil der Krankheiten, die mit den Pflanzen des Augsburger Apothekergartens bekämpft werden könnten. Könnten - denn zur Verarbeitung werden die Pflanzen nicht benutzt, obwohl hier zwischen Klassikern wie Arnika, Löwenzahn, Pfefferminze und Kamille auch Außergewöhnliches wie der Acker-Schachtelhalm und die Bärentraube, ja sogar Giftiges, wie der Schierling gedeiht.

Sie alle zeigen in frühlingshaft frischer Blüte die Verbindung von Heilpflanzen mit dem Beruf des Apothekers. Hans-Joachim Niermann, Sprecher der Augsburger Apotheker, sagt, wie wichtig die Heilpflanzen-Gartenanlage aus der Sicht der Apotheker sei: "Es ist vor allem auf den Aspekt Wert zu legen, nicht nur das fertige Medikament, sondern die Pflanze, die dessen Ursprung ist, zu kennen", charakterisierte Niemann professionelle Merkmale der Phytopharmazie, der ausschließlich pflanzlichen Medizin, die sich durchaus von der Homöopathie unterscheide.

Gleich am Montag gibt es neuen Tee

Auch Helga Peter hat an diesem Wochenende neue Erkenntnisse aus der Welt der Heilpflanzen gewonnen. Wie sie das umzusetzen gedenkt? "Gleich am Montag werde ich losgehen, mir Weißdorntee besorgen und mich informieren, wozu die Eberraute nützlich ist ", sagt die Augsburgerin und hält das kleine grüne Zweiglein noch immer wie einen Schatz in ihren Händen.

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