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Augsburg

02.11.2020

Wo hat Augsburg noch Platz, um neue Bäume zu pflanzen?

Entlang des Kanals und der Proviantbachstraße sind erste Bäume nachgepflanzt worden.
Bild: Fridtjof Atterdal

Plus Wenn Bäume gefällt werden, muss Ersatz geschaffen werden. Weil das nicht immer am selben Ort geht, sucht die Stadt Augsburg stets nach möglichen Plätzen. Dabei stößt sie auf viele Hindernisse.

Bäume im Stadtgebiet haben es nicht leicht. Bei jedem Bauprojekt kommt die Frage auf, ob der Bewuchs stehen bleiben könne oder den Arbeiten im Weg sei. Einflüsse wie Streusalz, Hitze oder Platzmangel tun ein Weiteres, dass aus Verkehrssicherheitsgründen immer wieder auch große Bäume gefällt werden müssen. Doch kein Baum darf der Stadt endgültig verloren gehen – entnommene Bäume müssen nachgepflanzt werden. Auch der Klimaschutz verlangt, dass die Stadt regelmäßig nachpflanzt. Kein leichtes Unterfangen in einer eng bebauten Großstadt, sagt der Landschaftsplanungschef des Grünordnungsamtes, Armin Baur.

 

Am Schlachthofquartier, entlang der Proviantbachstraße, stehen etwa 25 Jahre alte Eschen. Sie bilden eine Gasse zwischen Straße und den Gebäudemauern. Auf Höhe der neu gebauten Bürolofts am Proviantbach steht nur noch ein einzelner Baum. Fünf mussten für die Bauarbeiten weichen – dafür würden an gleicher Stelle aber zehn Bäume nachgepflanzt, sagt Bauherr Benjamin Dierig. Die Bäume seien nicht willkürlich für die Arbeiten umgesägt worden, sondern seien in einem schlechten Zustand gewesen, bestätigt Baumexperte Armin Baur. Das Eschentriebsterben habe ihnen zugesetzt und sie zur Gefahr für Passanten gemacht.

Bauherr und Stadt pflanzen an der Proviantbachstraße gemeinsam Bäume

"Bäume sind Teil des Straßenraums und dienen als raumbildende Elemente" erklärt Dierig. Deshalb sei für ihn als Bauherrn jeder wichtig. Weil auch die Stadt einige Bäume entfernen musste, pflanzen Bauherr und Grünordnungsamt an dieser Stelle gemeinsam 17 Bäume. Ein Projekt mit Vorbildcharakter, wie Armin Baur findet.

Für die neuen Bäume werde der Grünstreifen entlang der Proviantbachstraße abgetragen und durch einen besonderen Nährboden ersetzt, erklärt Baur. Statt des Grases werden Blühpflanzen gesät. "Das Schlachthofquartier wird schön bunt", sagt er. Mit Bäumen könne man den Quartieren ein eigenes Gesicht geben, so Dierig. Am ehemaligen Schlachthof rund um die Kälberhalle sind es Robinien, die dem Gebiet den besonderen Charakter verleihen. Das Textilviertel dagegen werde vielerorts von Blauglockenbäumen geprägt.

Ein Problem, aufgrund dessen nicht viel mehr Bäume in der Stadt stehen, sind Leitungen im Boden. Früher war es üblich, Strom- und Versorgungsleitungen im Grünstreifen zu verlegen – für Baumwurzeln ist da kein Platz mehr. "Bei neuen Projekten kommen die Leitungen in den Gehweg, und der Grünstreifen bleibt frei", erklärt Baur. Immer wieder machten Bürger das Grünordnungsamt auf Seitenstreifen aufmerksam, wo ein Baum gepflanzt werden könnte. "In den allermeisten Fällen steht dort kein Baum, weil es wegen der Leitungen nicht geht", bedauert Baur.

Entlang dem Kanal und der Proviantbachstraße pflanzen Stadt und Investor gemeinsam Bäume nach, wie Amrin Baur vom Grünordnungsamt und Bauunternehmer Benjamin Dierig zeigen.
Bild: Fridtjof Atterdal

Wie viele Bäume von der Stadt gefällt und wie viele nachgepflanzt werden, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen. Ein Umstand, den die Baum-Allianz Augsburg kritisiert. Sie setzt sich für den Erhalt und den Ausbau des Baum- und Heckenbestandes im Stadtgebiet ein und sieht der Stadt bei Fällungsaktionen besonders kritisch auf die Finger. Sie entstand als Bürger-Reaktion auf die umstrittene Fällung von Bäumen am Herrenbach. Wo immer in der Stadt Bäume weichen müssen, haken die Mitglieder der Baum-Allianz jetzt nach - und fordern versprochene Nachpflanzungen ein. "Wir bräuchten ein Register, in dem klar ersichtlich ist, welche Bäume gefällt und welche Bäume nachgepflanzt wurden", fordert Vereinsvorsitzende Susanne Altmann. "Ich habe den Eindruck, die Stadt hofft, dass keiner nachfragt, was genau gepflanzt wurde", sagt sie.

Stadt Augsburg hat noch keinen Überblick über den Baumbestand

Dass die Stadt bislang keinen genauen Überblick hat, wer wo Bäume fällt, bestätigt die Leiterin des Amtes für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen (AGNF), Anette Vedder. "In der Stadt Augsburg sind nicht alle Bäume in der Verwaltung des AGNF, es gibt mehrere für Bauprojekte zuständige Ämter und auch mehrere Dienststellen, die baumbestandene Grundstücke verwalten." Auf lange Sicht sei geplant, weitestgehend alle Bäume außerhalb des Waldes in eine Zuständigkeit zu geben – allerdings sei dieser Prozess noch längst nicht abgeschlossen.

Flächenpflanzungen wie hier an der Berliner Allee dienen dem Klimaschutz, sagt der Leiter der Planungsabteilung im Grünordnungsamt, Armin Baur.
Bild: Fridtjof Atterdal

An einem Register werde gearbeitet, so Vedder. Für die in Verantwortung des AGNF liegenden Bäume sei ein Baumkataster im Aufbau, in dem bereits über 40.000 Bäume erfasst seien.

Nicht alle Bäume, die von der Stadt gepflanzt werden, sind ein Ersatz für Fällungen. Zum Klimaschutz lege die Verwaltung immer wieder auch Flächenpflanzungen an, die allerdings zumeist abseits liegen und nicht immer für den Bürger zum Aufenthalt geeignet sind, sagt Baur. Ein aktuelles Projekt ist eine Pflanzung, mit der unter anderem die geplanten Heizpilze von Gastronomen in der Innenstadt klimatisch ausgeglichen werden sollen. Auch Einzelbäume, beispielsweise von Baumspendern, könnten hier Platz finden, sagt Baur. Das Projekt befinde sich noch in der Abstimmung, weshalb der Ort noch nicht verraten werden soll, sagte Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) auf Nachfrage. In der Pflanzung könnten Ersatzpflanzungen und Klimaschutzziele verwirklicht werden, heißt es aus dem Umweltamt.

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